Böel im Kreis Schleswig-Flensburg : Gehöft in Flammen: Fünfjähriges Mädchen stirbt

Im Dachgeschoss lag die Fünfjährige: Der Großvater hatte den Feuerwehrmännern den Weg gewiesen – doch es war zu spät.
Im Dachgeschoss lag die Fünfjährige: Der Großvater hatte den Feuerwehrmännern den Weg gewiesen – doch es war zu spät.

Ihre dreijährige Schwester konnte der Großvater noch retten. Doch für Lena kam jede Hilfe zu spät.

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07. Mai 2018, 20:15 Uhr

Böel | Dem Großvater gelang es noch, seine jüngste Enkeltochter aus ihrem Bettchen zu retten, dann war der Rauch zu dicht, der Weg zu ihrer Schwester versperrt.

Eine Tragödie erschüttert den kleinen Ort Böelschuby. Hier kam die fünfjährige Lena bei einem Feuer ums Leben. Der Brand war am Sonntag gegen 19.50 Uhr im Dachgeschoss des alten Gehöfts am Ortsrand ausgebrochen. Es soll einen Knall gegeben haben. Sofort quoll dichter, schwarzer Rauch aus dem Gebäude. Die Feuerwehr war schnell vor Ort – auf dem Nachbargrundstück steht das Feuerwehrgerätehaus, und dort löste jemand die Sirene aus.

Wehrführer Karsten Rothberg (52): „Von der Leitstelle wurde uns gesagt, dass sich im Gebäude noch zwei Kinder befinden. Wir haben weitere Wehren angefordert.“

Eines der Kinder, ein knapp zweijähriges Mädchen, trug der Großvater aus dem Haus. Und erklärte den Rettern, wo im Dachgeschoss Lena ihr Zimmer hat. Feuerwehrmänner stiegen auf eine Leiter, schlugen die Fensterscheibe ein. „Einer der Kameraden wollte sofort und ohne Atemschutzmaske rein, weil die Fünfjährige eine enge Freundin seiner Tochter ist“, berichtet der Wehrführer. „Doch der Rauch war undurchdringlich.“ Es spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Die Mutter (25) schrie und weinte verzweifelt, während die Atemschutzträger auf Knien durch das Zimmer rutschten, schließlich einen Körper ertasteten.

Die Fünfjährige wurde die Leiter herabgereicht. Wehrführer Rothberg: „Ich nahm sie in Empfang, begann auf der Straße mit der Reanimation. Dann war auch schon der Notarzt da.“ Eine Stunde lang kämpften die Retter um das Leben des Mädchens, der Rettungshubschrauber „Christoph Europa 5“ landete, um es in die Klinik zu fliegen. Doch die Fünfjährige starb.

Polizeisprecherin Sandra Otte: „Das zweijährige Mädchen, die Großeltern und die Mutter der Mädchen wurden mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht.“

Die Löscharbeiten bereiteten den Feuerwehrmännern extreme Schwierigkeiten, weil das Dach keine Ziegel hatte, sondern mit Blech in Ziegeloptik gedeckt war. „Wir kamen an die Flammen nicht heran, löschten erst durch die Fenster, bis wir die Platten aufbiegen konnten.“ Noch in den Morgenstunden wurden die Feuerwehrleute psychologisch betreut. „So ein Einsatz ist das Schlimmste, was dir als Feuerwehrmann passieren kann“, sagt Wehrführer Rothberg. „Du willst das Leben eines Kindes retten und schaffst es nicht.“

Die Brandursache ist noch unklar. Ein Feuerwehrmann, der etwa fünf Minuten vor dem Alarm zufällig an dem Gehöft vorbeigeradelt war, sagte, es sei noch nichts zu sehen gewesen. Der Großvater, dem das Haus gehört, berichtete von einem Knall und äußerte Feuerwehrleuten gegenüber den Verdacht, ein Fernseher könnte die Ursache sein. „Der Brandort wurde beschlagnahmt“, sagt Polizeisprecherin Otte. In den kommenden Tagen sollen Brandermittler mit ihrer Arbeit beginnen.

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