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Gedenkstätte für Lübecker Märtyrer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 26.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Allein fünf KZ-Gedenkstätten erinnern in Schleswig-Holstein an die Gewalt des Nationalsozialismus. Ab Montag kommt eine Märtyrer-Gedenkstätte hinzu, die nicht nur von der Schreckensherrschaft erzählt, sondern auch vom Mut vier Lübecker Geistlicher, die sich nicht der Willkür und der menschenverachtenden NS-Ideologie beugten. In ihrem Widerstand, den sie mit dem Tod bezahlten, überwanden die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink zudem die konfessionellen Grenzen.

Mit der Einweihung und Eröffnung der neuen Gedenkstätte, die an die Lübecker Propsteikirche Herz Jesu angebaut worden ist, soll das Wirken der Märtyrer wach gehalten und einer noch breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden. So lud Domkapitular Thomas Benner gestern bei der Pressekonferenz unter anderem Schulklassen, geschichtsinteressierte Einzelpersonen und Gruppen zum Besuch der Ausstellung ein. „Die Märtyrer helfen uns noch heute hinzuschauen, wo Menschen Gewalt angetan wird. Das Martyrium, das sie erlitten haben, hat die Gewalttäter seinerzeit genötigt, ihr wahres Gesicht zu zeigen“, sagte Benner. In Predigten und Gesprächen hatten sich die vier Geistlichen gegen das NS-Regime gestellt. Wegen „Rundfunkverbrechen, landesverräterischer Feindbegünstigung und Zersetzung der Wehrkraft“ wurden sie am 10. November 1943 in der Untersuchungsanstalt Hamburg durch Enthauptung hingerichtet.

70 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod ist nun der Neubau an der Propsteikirche fertig. Er zeichnet sich durch eine lichte Architektur und klare Ausstellungskonzeption mit Schautafeln und Hörstationen aus. Die Ausstellung mündet in der ebenfalls sanierten Krypta, in der sich die Urne von Kaplan Lange befindet, der im Juni 2011 mit den beiden anderen katholischen Geistlichen von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen wurde.

Die Gesamtkosten der neuen Gedenkstätte betrugen nach Angaben des Erzbistums Hamburg, das mit seiner Stiftung den Hauptanteil trug, rund eine Million Euro. Darin enthalten sind Archivräume, die demnächst eröffnet werden und u.a. der Forschung dienen sollen. Wie es die Lübecker Märtyrer vorlebten, wurde auch die Gedenkstätte – so Benner – „in einer neuen Form ökumenischer Kooperation errichtet“. Mehr noch: Benner kündigte an, dass das Erzbistum gemeinsam mit der evangelischen Nordkirche eine ökumenische Märtyrer-Liturgie für gemeinsame Gedenkfeiern erarbeiten will. „So etwas gibt es weltweit nicht“, sagte Benner und erinnerte an die vier Geistlichen: „Sie haben sich in einer Zeit, als Ökumene alles andere als selbstverständlich war, gemeinsam gegen ein gottloses und menschenverachtendes Regime gestellt.“

Wer die Ausstellung nach der offiziellen Einweihung durch Hamburgs Erzbischof Dr. Werner Thissen und Justizministerin Anke Spoorendonk (Montag, 18.30 Uhr) besuchen will, wird nicht allein gelassen. Ehrenamtliche stehen Gästen während der Öffnungszeiten als Ansprechpartner zur Verfügung.

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