Umsatzeinbussen in Corona-Pandemie : Friseure wollen Millionen als Entschädigung

Friseure hatten vom 23. März bis zum 4. Mai geschlossen.

Friseure hatten vom 23. März bis zum 4. Mai geschlossen.

Landesinnungsverband sieht sich als Vorreiter und kämpft für 3000 Betriebe – andere Branchen könnten folgen.

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03. Juni 2020, 19:43 Uhr

Schleswig/Kiel/Husum | Die Friseure stehen vor einem rechtlichen Marathonlauf: Ihr Landesinnungsverband fordert für die 3000 Betriebe in Schleswig-Holstein vom Land eine Entschädigung für Umsatzeinbußen, die sie zwischen dem 23. März und 4. Mai erlitten haben. In dieser Zeit hatten die Betriebe auf behördliche Anordnung schließen müssen, um ein Ausbreiten des Coronavirus zu verhindern.

Losgelöst von der Soforthilfe, die teils bereits geflossen ist, lägen die Einbußen zwischen 8000 und 40.000 Euro für jeden Betrieb, sagt Johannes Hoppe von der Kanzlei Hoppe Rechtanwälte in Molfsee bei Kiel. Die Kanzlei steht den Innungen des Friseurhandwerks bei der Bündelung der Entschädigungsansprüche aller Betriebe der Branche zur Seite.

Beispiel für andere Branchen?

Pikant dabei: Sollte tatsächlich ein Entschädigungsanspruch der Friseure und Kosmetiker festgestellt werden, könnten viele andere Branchen folgen – Hotels, Kinos, Eventveranstalter, Reise- oder Busunternehmer.

Wir wollen nicht klagen. Johannes Hoppe
 

Vielmehr wollten er und die Innungen sich für die Friseure stark machen, ihre Ansprüche gebündelt an das Land weitergeben. „Auch für die Nicht-Mitglieder“, betont Lutz Martensen, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands.

Komplexer Fall

Insgesamt ein rechtlich komplexer Fall, denn eine Pandemie wie Covid-19 sei im Infektionsschutzgesetz nicht vorgesehen, so Hoppe. So seien die Friseursalons geschlossen worden, ohne dass konkret eine Corona-Infektion in den einzelnen Betrieben aufgetreten ist.

Umgekehrt: Hätte es einen Coronavirus-Fall gegeben, stünde dem betroffenen Betrieb nach dem Infektionsschutzgesetz eine Entschädigung zu. Hoppe argumentiert: Wenn der Gesetzgeber jedoch vorbeugend die Schließungen aller Betriebe anordnet, „dann dürfen diese als Nicht-Überträger nicht schlechter gestellt werden“. Heißt: Ihnen stehe ebenfalls eine Entschädigung zu.

Gefährdete Existenzen

Grundsätzlich seien die Corona-Maßnahmen sinnvoll gewesen, sagt auch Hoppe. Jedoch stellen sie eben auch ein wirtschaftliches Problem dar. Und dieses gelte es juristisch und politisch – gegebenenfalls mit dem Wirtschaftsministerium – zu erörtern. Einzelne Existenzen seien bereits gefährdet. Deshalb müssten jetzt zügig die Anträge auf Entschädigung beim Landesamt für soziale Dienste gestellt werden.

Weiterlesen: Friseure weiterhin stark ausgelastet

Klaus-Dieter Schäfer, der Vorsitzende des Landesinnungsverbands der Friseure, sagt:

Der Ausfall der Umsätze ist nicht wieder einholbar. Die sechs Wochen sind weg. Klaus-Dieter Schäfer
 

Für die Landesinnung deutet sich ein langer Weg an. Denn im Wirtschaftsministerium heißt es auf Nachfrage: Für die Betriebsschließungen brauche es „tatsächlich keinen konkreten Infektionsfall in dem Betrieb selbst, es reicht der Ausbruch einer Infektion allgemein“. Die Maßnahmen zögen „dann tatsächlich keinen Entschädigungsanspruch nach sich“.

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