Freilichtmuseum : Frischer Wind für die Holländermühle in Molfsee

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Am Pfingstmontag ist Mühlentag im Norden und das Freilichtmuseum sucht einen ehrenamtlichen Mühlenbetreuer.

Kay Müller von
06. Juni 2019, 20:36 Uhr

Molfsee | Zu Pfingsten braucht Gerhard Ruhstein nur eines: Wind. Denn dann läuft sie rund – „seine“ Holländermühle im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel. „Es ist schon toll, wie diese uralte Technik noch immer funktioniert“, sagt der 76-Jährige, der sich seit rund zehn Jahren ehrenamtlich um die über 150 Jahre alte Mühle kümmert.

Montag ist er den ganzen Tag im Museum, denn dann ist wieder das „Highlight der Saison“, wie er es nennt. Zweck des seit 1994 immer am Pfingstmontag stattfindenden Deutschen Mühlentages ist, das Interesse der Menschen auf diese technischen Denkmäler zu richten, deren Geschichte über 2000 Jahre zurückreicht. Deutschlandweit nehmen rund 1000 Mühlen teil, in Schleswig-Holstein sind es fast 50.

„Aber nur in Molfsee hat man vier verschiedene Mühlen auf einem Areal, die eine richtige Mühlengeschichte Schleswig-Holsteins erzählen können“, sagt Nils Kagel, Bereichsleiter für den historischen Gebäudebestand im Freilichtmuseum. Der Volkskundler träumt sogar davon, den Besuchern des Museums vom Getreideanbau über das Mahlen bis zum Backen die ganze historische Produktionsweise zeigen zu können.

Doch davon sind sie in Molfsee weit entfernt, denn nur die Holländermühle funktioniert. „Die anderen drei sind auch interessant und können besichtigt werden, aber sie sind zum Teil sehr sanierungsbedürftig“, sagt Kagel. Für rund eine Million Euro könne man die Wassermühle, die Spinnkopfmühle und die mindestens 400 Jahre alte Bockwindmühle wieder betriebsbereit machen. Allein: Es fehlt das Geld.

Die Holländermühle, die sich einst in Hollingstedt im Kreis Schleswig-Flensburg drehte bevor sie in den 1970er-Jahren nach Molfsee kam, ist vor einigen Jahren komplett instand gesetzt worden. „Davor war sie eine Ruine, jetzt ist sie ein Schmuckstück. Aber sie muss eben gepflegt werden, damit sie in Schuss bleibt“, sagt Gerhard Ruhstein. Noch schafft er das allein, aber der 76-Jährige wünscht sich Unterstützung – gern auch ein Team. „Man braucht ein bisschen handwerkliches Geschick und vor allem technisches Verständnis“, sagt der gelernte Elektroniker, der sein halbes Berufsleben als Ingenieur auf Schiffen unterwegs war. Deshalb hat er auch keine Höhenangst, wenn er hinauf in den Kopf der Mühle steigt, um die Zahnräder zu pflegen. „Hier muss immer mal wieder was geschmiert werden, sonst läuft die Mühle nicht mehr“, sagt Ruhstein, der nach seiner Pensionierung diesen neuen ehrenamtlichen Job fand.

Einmal in der Woche schaut er für ein paar Stunden nach „seiner“ Mühle, repariert, ölt und putzt. „Wenn mich meine Frau ärgert, auch öfter“, fügt er grinsend hinzu. Er hat es nicht weit, wohnt direkt gegenüber. Ein Müller sei er nicht, sagt Ruhstein. Aber er kann die Mühle bedienen. Und was fasziniert ihn so? „Schauen Sie sich diese gewachsene Technik an, die sich immer weiter entwickelt hat“, sagt er und deutet hinauf zu den Flügeln, die sich schon mal mit Tempo 50 drehen können. Bis Windstärke sieben lässt Ruhstein sie laufen. „Dann merkt man richtig, wie das ganze Gebäude arbeitet.“

Das erklärt er auch den Besuchern am Mühlentag. „Die meisten staunen, wie leise die Mühle arbeitet, da hört man eigentlich nur ein leises Knarzen aus dem Holz und das Mahlen der Steine. Vielleicht auch am Pfingstmontag. Aber Windstärke vier braucht Gerhard Ruhstein dann doch – damit er auch wirklich Schrot in „seiner“ Mühle malen kann.

>Wer sich unverbindlich bei Nils Kagel über die Aufgabe des ehrenamtlichen Mühlenbetreuers infomieren will, erreicht ihn per E-Mail unter nils.kagel@landesmuseen.sh oder telefonisch: 0431/65966-13.

Mehr Infos zum Mühlentag und die teilnehmenden Mühlen unter: www.deutsche-muehlen.de.

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