Frauen-Power für die Piraten

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Anißa Nowak ist seit knapp einem Jahr Geschäftsführerin bei den Footballern / 26-Jährige kümmert sich um Sponsoren

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12. Mai 2018, 15:17 Uhr

American Football, eine der härtesten Sportarten der Welt. In der öffentlichen Wahrnehmung ein Sport für echte Kerle – in Elmshorn gibt eine junge Frau den Ton an. Anißa Nowak möchte die Fighting Pirates in die erste Bundesliga managen. „Das wäre ein großes Ding für Elmshorn“, sagt die 26-Jährige. Auf ihren schmalen Schultern lastet ein großes Stück Verantwortung. Seit Juni 2017 ist sie die Geschäftsführerin der Pirates. Mehr Professionalität: Um die hoch gesteckten sportlichen Ziele zu erreichen, wurde eigens die Vermarktungsgesellschaft gegründet. Neue Sponsoren finden, sie betreuen, langfristig an die Pirates binden: Das ist ihre wichtigste Aufgabe. „Natürlich ist das ein Stück weit Klinken putzen“, sagt die Pirates-Geschäftsführerin. Die Etats für Sponsoring und Werbung sind bei vielen Unternehmen längst nicht mehr so prall gefüllt wie früher. Trotzdem: Erste Erfolge kann die Neue nach fast einem Jahr schon vorlegen. „Die Zahl der Unterstützer konnten wir verdoppeln.“ Das Futterhaus mit Sitz in Elmshorn ist der Hauptsponsor. „Wir wollen nicht nur in Elmshorn, sondern in Zukunft auch stärker in der Region das Sponsoring ausbauen.“ Eines der Ziele, die sie gezielt in Angriff nehmen will.

Es bleibt ein hartes Geschäft für die Geschäftsführerin. Denn auch wenn American Football mit der US-Profiliga inzwischen auf den heimischen TV-Apparaten angekommen ist, bleibt es in Deutschland eine Randsportart. Der Etat für die Zweite Bundesliga liegt bei 250 000 Euro. Das meiste wird in der Football-Abteilung des EMTV noch ehrenamtlich gestemmt. „Für die Erste Liga müssten wir mindestens 350 000 Euro einplanen“, sagt Nowak. Es gebe Bundesligisten, die mehr als eine Million Euro zur Verfügung haben. 70 Spieler umfasst der Kader der Pirates für diese Saison. Vier US-Profis gehören zum Team, der Rest spielt Football nach der Arbeit.

Was sie am Football so fasziniert: „Das ist ein so komplexer Sport, mit so vielen taktischen Möglichkeiten und voller Emotionen“, sagt sie und blickt dabei von der Tribüne des altehrwürdigen Krückaustadions auf den Fußballplatz, der bei Heimspielen in eine Football-Arena verwandelt wird. „Ein Zuschauerschnitt von 2000 Besuchern wäre schön“, betont Nowak – auch aus finanziellen Gründen. In der Dritten Liga pilgerten im Schnitt 1300 Fans ins Stadion, darunter viele Männer, aber auch Familien. „Unsere Heimspiele sind echte Events.“ Der Sieg gegen Berlin stand am vergangenen Wochenende erst nach mehr als drei Stunden fest. Von der ersten Halbzeit bekommt Nowak bei Heimspielen oft nicht viel mit. Kasse, Catering, Hüpfburg, Technik: Sie hat ihre Augen überall, wenn die Football-Party steigt – nur nicht auf dem Spielfeld.

Kontakt zu den Pirates bekam die gebürtige Hamburgerin, die seit ihrem 13. Lebensjahr in Elmshorn lebt, durchs Cheerleading. Jahrelang drehte sich ihre Freizeit nur um dieses Thema. Am Ende hat sie selbst als Trainerin gearbeitet. Die Akrobatik – früher hat sie auch voltigiert – liegt ihr mehr als Football. „Ich kann nicht besonders gut werfen und fangen“, gibt sie ganz ehrlich zu. Braucht sie in ihrem Job auch nicht. Ihr jüngerer Bruder Jannik kann dagegen verdammt gut werfen und fangen. Der 22-Jährige ist inzwischen Quarterback in der dritten Liga. Angefangen hatte er mit acht Jahren – natürlich bei den Pirates. Sport ist für die ganze Familie wichtig. Die Schwester Celina war früher auch Cheerleaderin, Mutter Sylvia Nowak ist Vorsitzende der Football-Abteilung – und natürlich wichtige Ansprechpartnerin für Anißa Nowak.

Tourismus und Sportmanagement: In diesen Richtungen wollte sie beruflich starten, nachdem sie 2011 an der Kästner Gemeinschaftsschule ihr Abi gemacht hatte. Doch bevor sie eine dreijährige Ausbildung zur Sport- und Eventmanagement-Assistentin in Hannover absolvierte, ging sie für ein Jahr nach Mexiko. Später ging es nach England. Sie studierte an der Universität Birmingham, machte ihren Bachelor in Sportmanagement. Ihr Herz hat sie dann auch noch auf der Insel verloren – an einen Portugiesen. „Wir waren im selben Spanischkurs“, sagt Nowak. Und so führt sie nun also eine Fernbeziehung. „Zum Glück studiert er noch und hat mehr Zeit, um mich zu besuchen“, sagt die Elmshornerin. Die ist im Stress. Die Football-Saison geht noch bis September. Noch 14 Spiele. Noch 14-mal mitfiebern, mitzittern, anfeuern. Bisher eine Niederlage und ein Sieg. Der Traum von der Ersten Liga lebt, vom Durchmarsch von der Dritten in die Erste Liga. Und auch von einem neuen Stadion, das die Pirates als Erstligist benötigen würden. „Dafür bräuchten wir aber Investoren. Das kann der Verein finanziell nicht schaffen.“

Anißa Nowak spricht Englisch und Spanisch. „Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen.“ Ihre bisherige Lebensreise hat sie zurückgeführt nach Elmshorn, zu den Fighting Pirates. Die Reise wird hier nicht enden – davon ist die Managerin überzeugt. Aber im Moment ist die junge Frau genau da, wo sie sein will – und in dieser eher von Männern dominierten Sportwelt fühlt sie sich pudelwohl.

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