Ergebnisse im Herbst 2022 : Forschen für die Fischerei der Zukunft

Testfahrt: Matthias Schneider vom Thünen-Institut und Magarethe Nowicki von der Universität Hamburg.
Testfahrt: Matthias Schneider vom Thünen-Institut und Magarethe Nowicki von der Universität Hamburg.

In einem millionenschweren Projekt prüfen Wissenschaftler die Auswirkungen der Schleppnetze auf das Wattenmeer.

Kay Müller von
06. November 2018, 15:28 Uhr

Kiel/Hamburg/Hannover | Sie wollen wissen, was am Meeresboden passiert. In einem einzigartigen Projekt erforschen Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven in Kooperation mit dem Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg und dem National Institute of Aquatic Resources der Technical University of Denmark, ob und wie die Grundschleppnetze der Krabbenkutter Pflanzen und Tiere am Meeresboden dauerhaft schädigen. Titel des vierjährige Forschungsprojekts: „Cranimpact – Auswirkungen der Garnelenfischerei auf Habitate und Lebensgemeinschaften im Küstenmeer der Norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen“.

Proben vom Meeresgrund werden genau untersucht.
Thünen-Institut
Die Proben vom Meeresgrund werden genau untersucht.

Streit zwischen Krabbenfischer und Naturschützern

Mit dabei ist auch die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer. Im Frühjahr sollen erste Kutter zu Testfahrten auslaufen. „Jeder hat einen Einfluss auf die Natur – die Frage ist nur wie viel?“, sagt der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Philipp Oberdörffer. Seit Jahren liegen die Krabbenfischer im Clinch mit Naturschützern, die in der Vergangenheit dafür gesorgt habe, dass Fanggebiete immer weiter eingeschränkt wurden. „Wir sind nicht der Ansicht, dass es weitere Nullnutzungsgebiete braucht“, sagt Oberdörffer. „Die Naturschützer sagen immer, dass sie die Krabbenfischerei nicht kaputt machen wollen – und genau das wollen wir ja auch.“ Für die Betriebe gebe es keine Alternative. „Wir können nicht ausweichen.“

Deshalb sind die Krabbenfischer mit dabei, weil sie eine Prognose für die Zukunft haben wollen. „Das war nicht ganz leicht, das allen unseren Mitgliedern zu vermitteln. Uns ist besonders wichtig, dass ergebnisoffen geforscht wird“, sagt Oberdörffer.

Projektkosten trägt zu großen Teilen die EU

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Fischer immer weiter abgenommen. Noch gibt es rund 80 Krabbenfischer in Schleswig-Holstein und noch einmal so viele in Niedersachsen. Die meisten Kutter sind 40 Jahre oder älter, ein neues Schiff könne schnell 1,5 Millionen Euro kosten, sagt Oberdörffer. Deshalb wollen viele Fischer wissen, ob ihr Job noch eine Zukunft hat.

Die Projektkosten von rund 1,4 Millionen Euro trägt zu 75 Prozent die EU. Die übrigen 25 Prozent zahlen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Ergebnisse sollen im Herbst 2022 vorliegen.

Strukturen des Meeresbodens untersuchen

Im Rahmen des Projektes werden Forscher wie Matthias Schneider vom Thünen-Institut oder Magarethe Nowicki von der Universität Hamburg die Strukturen des Meeresbodens und die Situation der dortigen Lebensgemeinschaften untersuchen. Dabei werden sie im deutschen Wattenmeer forschen, in dem die Krabbenfischer unterwegs sind. Die Untersuchungsgebiete erstrecken sich vom Lister Tief nördlich der Insel Sylt bis zur Blauen Balje südlich des Jadebusens im Niedersächsischen Wattenmeer. Die Ergebnisse wollen die Wissenschaftler dann mit Proben des dänischen Wattenmeeres vergleichen, in dem die Krabbenfischerei seit mehreren Jahrzehnten verboten ist.

„Dass es gelungen ist, auch unsere dänischen Nachbarn für das Projekt zu gewinnen, ist besonders erfreulich“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). „Aus dem Vergleich zwischen den Gebieten mit unterschiedlicher fischereilicher Nutzungsintensität sowie mit den nicht fischereilich bewirtschafteten dänischen Gewässern versprechen wir uns Grundlagen für die ergebnisoffene Diskussion zur Ausgestaltung der Krabbenfischerei.“ Ähnlich sieht das auch Gerd Kraus vom Thünen-Institut: „Wir wollen einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über die Vereinbarkeit von Naturschutz und fischereilicher Nutzung im Nationalpark Wattenmeer liefern.“ Oberdörffer hofft, dass es am Ende eine Zukunft für die Fischer gibt und „wir nicht die negativen Einflüsse haben, die uns immer unterstellt werden“.

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