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Flüchtlings-Drama: Immer mehr Asylsuchende in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 19:09 Uhr

Kriege, Verfolgung, Zerstörung der Heimat – die Brennpunkte im Nahen Osten und am Hindukusch wirken sich immer mehr im Norden aus. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind bereits 1089 Asylsuchende in Schleswig-Holstein aufgenommen worden, das sind gut 81 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Innenministerium in Kiel gestern auf Anfrage mitteilte. Knapp ein Viertel der Flüchtlinge kommen aus Syrien, knapp ein Fünftel aus Afghanistan und knapp zehn Prozent aus Serbien.

Die meisten Menschen wollen nach Angaben von Martin Link, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein, nach Skandinavien. Nicht wenige würden deshalb hierzulande bei ihrer Durchreise aufgegriffen. „Das ist nicht immer hilfreich“, meint Link vor dem Hintergrund, dass sich viele Flüchtlinge aufgrund von Freunden oder Verwandten in Skandinavien besser versorgt fühlen.

Allein Montag und Dienstag sind 37 Flüchtlinge aus Syrien bei Kontrollen sowohl am Flensburger Bahnhof wie auch an der A 7 entdeckt worden. Insgesamt seien damit vier Schleusungen vereitelt worden, so Bundespolizei-Sprecher Hanspeter Schwartz. Die mutmaßlichen Schleuser erhielten Anzeigen, „die Flüchtlinge wurden an die Ausländerbehörde verwiesen“.


44 Hilfesuchende am Morgen


„Wir kennen den Fall“, sagt Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in Neumünster. Einige von ihnen seien hier, in der Landesunterkunft, angekommen. Allein gestern Morgen habe es 44 Hilfesuchende gegeben, berichtet Döhring. Von Neumünster aus werden die Asylsuchenden nach einem Schlüssel über die Kommunen im Land verteilt.

„Das ist nicht immer problemlos, vor allem in Regionen, in denen alte Unterkünfte nicht mehr vorhanden sind und der Wohnraum knapp ist“, sagt Jörg Bülow, Landesgeschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages. Sein Kollege vom Städteverband, Jochen von Allwörden, pflichtet bei: „Der Druck nimmt zu.“ So muss Pinneberg Asylsuchende bereits teuer in Pensionen und Hotels unterbringen.

Gleichwohl sehen es Bülow und von Allwörden als ein „Gebot der Solidarität“ an, sowohl in den Städten wie auch im ländlichen Raum „für menschenwürdige Unterkünfte und Integrationsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu sorgen“.

Dafür will das Land den Kommunen ab kommendem Jahr 20 Millionen Euro an Darlehen aus dem Wohnraumförderungsprogramm zur Verfügung stellen. Für die Errichtung neuer und die Sanierung bestehender anerkannter Gemeinschaftsunterkünfte können sie in diesem Jahr zwei Millionen Euro beim Land abrufen. Auch bei der Landesunterkunft in Neumünster, für die das Land zuständig ist, wird aufgestockt: Noch in diesem Jahr sollen hier mehr Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden. „Mitte Mai wird es dazu erste Gespräche mit der Stadt geben“, kündigte Ministeriumssprecher Thomas Giebeler gestern an.

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