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Flora: Senat droht mit Zwangsrückkauf

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt bietet 1,1 Millionen Euro für die Immobilie im Hamburger Schanzenviertel – doch der Eigentümer spricht von einer Kriegserklärung

Überraschende Zuspitzung im Ringen um die „Rote Flora“ im Hamburger Schanzenviertel: Der Senat setzt Eigentümer Klausmartin Kretschmer die Pistole auf die Brust und fordert diesen ultimativ zum Verkauf des von Links-Alternativen besetzten Gebäudes an die Stadt auf. „Ansonsten werden wir unser Wiederkaufrecht vertraglich durchsetzen, zur Not auch vor Gericht“, drohte Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) gestern. Für den „freiwilligen“ Rückkauf bietet die Stadt dem Immobilienkaufmann 1,1 Millionen Euro – etwa das Sechsfache dessen, was Kretschmer der Stadt 2001 überwiesen hatte, als er die dauerbesetzte Immobilie übernahm.

Zur Begründung für den Vorstoß verwies Tschentscher auf die gewaltsamen Proteste aus der linken Szene in den vergangenen Wochen und Monaten. „Wir tun dies, weil wir nicht wollen, dass ein privater Eigentümer mit seinen Verwertungsinteressen unsere Stadt allein durch Ankündigungen und Pläne in Aufruhr versetzt.“

Kretschmer will die seit 1989 besetzte „Rote Flora“ zu einem kommerziellen Veranstaltungszentrum umbauen und hatte im Herbst gedroht, das Gebäude räumen zu lassen und die Nutzer mit Polizeigewalt aus dem Gebäude holen zu lassen. Als Reaktion gibt es seit Monaten gewaltsame Aktionen aus der links-autonomen Szene. Bei einer Großdemonstration für den Erhalt der „Flora“ kam es am 21. Dezember zu schwersten Ausschreitungen mit mehreren hundert Verletzten.

Sollte der Eigentümer auf das „außerordentlich großzügige Angebot der Stadt“ nicht eingehen und seinen Bauantrag für eine Umgestaltung aufrecht erhalten, sieht der Senat den Kaufvertrag von 2001 verletzt. In diesem sei eine gemeinnützige Nutzung der „Flora“ festgelegt, so Tschentscher. Handele Kretschmer gegen die Vereinbarung, greife ein vertragliches Rückkaufrecht der Stadt – dann zum festgelegten Altpreis von rund 190 000 Euro. Die Offerte hat der Senat dem Eigentümer schriftlich zukommen lassen und eine Frist bis zum 3. Februar gesetzt. In dem geharnischten Schreiben betont der Senat auch, Kretschmers Verhalten habe zu einer „gezielten und gewollten Eskalation“ geführt.

Kretschmer schwieg gestern zu der Offerte und ließ ein weiteres Mal seinen „Immobilienberater“ Gert Baer sprechen. Dessen Stellungnahme hatte es in sich. Baer nannte das Senatsangebot „unanständig“ und sprach wörtlich von einer „Kriegserklärung“. Der Senat sei offensichtlich „völlig kopflos“ und wolle nur Zeit gewinnen. Kretschmer halte an den Neubauplänen fest.

Tatsächlich dürften die angebotenen 1,1 Millionen Euro den Eigner kaum zum Einlenken bewegen. Dieser hatte den Betrag bereits vor Monaten als viel zu niedrig zurückgewiesen. Das Grundstück im Herzen des Szeneviertels sei mehr als zehn Millionen Euro wert. Zuletzt soll er von der Stadt rund sechs Millionen Euro verlangt haben.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 12:36 Uhr

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