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18. August 2017 | 07:35 Uhr

Fischer auf verlorenem Posten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wirtschaftsminister Meyer hält den Hafen Friedrichskoog für unrentabel – ein touristisches Konzept soll dem kleinen Ferienort helfen

„Wir lassen uns nicht ausMEYERern“ – mit Transparenten und Nebelhorn wurde gestern Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) im Landeshafen von Friedrichskoog (Dithmarschen) empfangen. Die Emotionen überschlugen sich, denn die Menschen in dem kleinen Nordseeort fürchten, dass die Landesregierung ihr Vorhaben durchzieht und den Fischereihafen zum Jahresende schließt. Meyer ließ dann auch keinen Zweifel daran, dass es aus wirtschaftlichen Gründen keinen anderen Weg gibt: „Wir haben viele Kostenrechnungen gemacht und wir müssen feststellen, dass weder das Land noch die Kommune in der Lage ist, den Hafen weiter zu betreiben.“

Das Hauptproblem des 160 Jahre alten Hafens ist die Fahrrinne vor dem Deich. Sie versandet immer wieder stark, muss regelmäßig ausgebaggert werden. Allein dafür entstehen jedes Jahr Kosten von etwa 350.000 Euro. Das Versanden führt auch dazu, dass die meisten der 24 in Friedrichskoog gemeldeten Krabbenfischer ihre Fänge im Büsumer Hafen anlanden. Für die Landesregierung macht es deshalb keinen Sinn mehr, den Hafen in Friedrichskoog weiter zu unterhalten, zumal Büsum nicht weit entfernt liegt. Meyer betonte in diesem Zusammenhang: „Wir müssen die Region insgesamt sehen.“


Arbeitsplätze sind bedroht


Der Vorsitzende des Fischereivereins, Dieter Voss, argumentierte, dass zwar viele Friedrichskooger Fischer in Büsum anlanden, aber im Heimathafen ihre Kutter warten und reparieren lassen. „In Büsum ist dies nicht möglich. Die Slipanlagen dort sind heute schon überlastet.“ Mit der Schließung des Hafens würden somit auch Arbeitsplätze im Handwerk, vor allem aber im Tourismus verloren gehen – denn was wäre Friedrichskoog ohne seinen Hafen?

Diese Gefahr sieht auch Meyer, der deshalb ein touristisches Gesamtkonzept für den Nordsee-Ferienort Friedrichskoog fordert. „Wir wollen dabei helfen, aus Friedrichskoog einen touristischen Leuchtturm zu machen.“

Bürgermeister Roland Geiger machte deutlich, dass die Gemeinde weiter für den Hafen kämpfen wird: „Wir unterhalten uns nicht darüber, was passiert, wenn der Hafen geschlossen wird, sondern wir unterhalten uns über das, was passiert, damit wir den Hafen offen halten können.“

Generelle Unterstützung signalisierte gestern Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), der gemeinsam mit Meyer den Hafen und die Schleusenanlage besichtigte. Nach Ansicht der Fischer steht die Hansestadt in der Pflicht, denn vor der Unterelbe wird Baggergut aus dem Hamburger Hafen verklappt. „Das treibt zu uns rüber, deshalb versanden wir so stark“, berichtet Dieter Voss, der wie seine Mitstreiter Zweifel daran hat, ob die Schließung des Hafens tatsächlich günstiger wird als der Fortbestand. Denn es müsste anstelle der Schleuse ein Schöpfwerk gebaut und unterhalten werden, um die Köge zu entwässern. Die Baukosten gehen in die Millionen und jedes Jahr fallen Energiekosten von etwa 140 000 Euro an. So ist Voss, der seit Jahren für den Erhalt des Hafens kämpft, davon überzeugt, dass es gar nicht ums Geld geht, sondern um die Ausweitung der Nullnutzungsflächen im Nationalpark Wattenmeer. „Wenn der Hafen geschlossen wird, gibt es zwischen Neufeld an der Elbe und der Vogelschutzinsel Trischen keinen Schiffsverkehr mehr. Nur die Bohrinsel Mittelplate wäre noch ein Störfaktor.“

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erstellt am 24.Feb.2014 | 13:24 Uhr

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