Revensdorfer Kleptokater : Findus lässt das Mopsen nicht

Die Beute des vergangenen Jahres: Einen halben Umzugskarton konnte Markus Gertz schon mit Findus’ Diebesgut füllen.
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Die Beute des vergangenen Jahres: Einen halben Umzugskarton konnte Markus Gertz schon mit Findus’ Diebesgut füllen.

Der Kater mit der ausgeprägten Kleptomanie feiert heute seinen 7. Geburtstag. Katzenpapa Markus Gertz blickt auf ereignisreiche Jahre zurück.

shz.de von
23. Juni 2018, 19:07 Uhr

„Ich kenne keinen Kater, der so etwas tut.“ Wenn Markus Gertz über seine Katze spricht, beginnen seine Augen zu strahlen, während seine Worte Fassungslosigkeit ausdrücken. „Da stand dieser kleine Kater und zerrte an dem großen Badelaken, das sich im Gartenzaun verfangen hatte, und er zerrte solange, bis es aufriss und er es wegschleppen konnte.“

Kater Findus feiert heute seinen siebten Geburtstag. Doch trotz fortgeschrittenen Alters kann er das Mopsen einfach nicht lassen. Socken, Handtücher, Slips, Handschuhe, Kissenbezüge, Plüschtiere, Taschentücher – nichts auf der Wäscheleine oder im Garten ist sicher vor dem langpfotigen Kater. „Er muss in den letzten Jahren mehr als 30 Kilogramm angebracht haben“, schätzt Markus Gertz. Der Radius der nächtlichen Beutezüge Findus’ in den Gärten Revensdorfs und Königsfördes hat die eineinhalb Kilometer wohl längst überschritten, vermutet der Jugendfeuerwehrwart. Dabei „jagt“ der Kater mit Vorliebe nachts. „Er macht uns morgens um zwei wach und will raus, und er lässt auch nicht locker, bis ihm einer von uns die Tür aufgemacht hat“, berichtet Gertz lachend. Morgens liegen dann schon mal Nachbars Socken auf dem Tritt. „Jedes Jahr beim Vogelschießen rücken wir mit der Schubkarre oder Umzugskartons voller Sachen an.“ Und manch einer findet dort den verloren geglaubten zweiten Handschuh oder das Lieblingsplüschtier wieder. Nur die Besitzer der gestohlenen Unterwäsche geben sich seltener zu erkennen.

Der Stubentiger ist dank seiner Raubzüge in den vergangenen Jahren nicht nur eine Berühmtheit in Revensdorf oder im Kreis. Weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins und der Republik hinaus hat der kleptomane Kater dank medialer Präsenz mittlerweile Berühmtheit erlangt. Zeitungen und Fernsehteams – sogar aus der Schweiz von der Zürcher Zeitung – gaben sich die Klinke bei Familie Gertz in die Hand. „Und Findus hat sich natürlich feiern lassen“, sagt Gertz.

Am 23. Juni 2011 wurde Findus im Schuppen eines Nachbarn geboren. Das Muttertier – eine wilde Katze – hatte sich dort zum Jungen verkrochen. „Als wir sie dort fanden,, waren die Kleinen gerade geboren, hatten noch geschlossene Augen“, erinnert sich Markus Gertz. Zwei Wochen später war die Katzenmama verschwunden, aber: „meine Frau hörte dann irgendwann ein weinerliches Maunzen“. Markus Gertz’ Sohn Hannes fand den kleinen Kater im Schuppen. „Er war zwischen die Bretter gefallen und kam nicht mehr raus.“ Hannes befreite die Katze schließlich, „und meine Frau beschloss, ihn Findus zu nennen, ihn aufzupeppeln und zu behalten“. Schnell machte sich bemerkbar, dass der kleine Findus keine normale Hauskatze war: „Wir konnten ihn irgendwann nicht mehr halten, er wollte unbedingt raus“. Zunächst mopste Findus nur die Socken der Gertz-Kinder. „Und irgendwann im Winter lagen dann Maiskolben vor unserer Haustür im Schnee“, sagt Markus Gertz, „und wir hatten keine Ahnung, woher die kamen.“ Und so ging es weiter: „Eines Morgens war unsere ganze Auffahrt gepflastert mit Socken und Schlüpfern.“ Irgendwann blieb kein Zweifel: Es ist Kater Findus. „Eine Nachbarin erzählte uns, der Kater habe sie beim Wäscheaufhängen beobachtet und als sie sich für einen Moment weg- und dann wieder zurückdrehte, sah sie, wie Findus sich gerade ein Stück von der Leine runterholte und wegrannte.“

Warum aber hat es der 8,5 Kilo schwere Kater Findus auf Socken, statt Mäuse abgesehen? Tierpsychologin Kathrin Leipert: „Gerade in den ersten Wochen werden die Tiere auf alles mögliche geprägt.“ Das könne Futter sein oder der Untergrund, auf dem die Kleinen schlafen. „Wenn ihnen dann etwa Stoffe untergeschoben wurden, die sich besonders anfühlen oder riechen, lösen die später ein Wohlgfefühl aus.“ Darüberhinaus, sagt die Katzenpsychologin, seien die „Gaben“ auch Geschenke an die Halter. „Es ist faszinierend, aber auch ein vermutlich irreversibles Verhalten“, sagt Kathrin Leipert lachend.

Für Markus Gertz und seine Familie ist Kater Findus ein großes Geschenk. „Er ist toll, und er liebt Hannes.“ Zum Geburtstag bekommt Findus heute wie jedes Jahr „eine Katzentorte mit ganz vielen Leckerlies“. Findus ist in Revensdorf bekannt wie ein bunter Hund, darum findet Markus Gertz: „Jeder kennt ihn, die meisten mögen ihn. Findus müsste eigentlich Ehrenbürger in Revensdorf werden.“

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