Filterkasten gegen den Smog

Eingezwängt zwischen Mess-Station (vorne), Absauganlage (hinten) und dem Lastwagenverkehr auf dem Theodor-Heuss-Ring (rechts): Der radelnde Oberbürgermeister Ulf Kämpfer will Fahrverbote unter allen Umständen vermeiden.  Fotos: Carstens (2)
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Eingezwängt zwischen Mess-Station (vorne), Absauganlage (hinten) und dem Lastwagenverkehr auf dem Theodor-Heuss-Ring (rechts): Der radelnde Oberbürgermeister Ulf Kämpfer will Fahrverbote unter allen Umständen vermeiden. Fotos: Carstens (2)

Seit gestern läuft am Theodor-Heuss-Ring die neue Absauganlage / Prototyp des Herstellers Purevento bleibt für eine Woche in Kiel

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06. Februar 2019, 15:55 Uhr

Bringt es was? Wird die Luft am arg belasteten Theodor-Heuss-Ring in Kiel mit dem überdimensionalen „Staubsauger“ tatsächlich besser? Diese Frage ist zu früh gestellt, denn die Absauganlage der Firma Purevento ist ein reiner Prototyp. Die Ingenieure feilen noch an der optimalen Technik, belastbare Ergebnisse wird es wohl erst in Monaten geben. Und dennoch: Die Aufstellung der ersten Anlage am THR war gestern ein großes Medienereignis. Sehr zur Freude von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Firmenchef Robert Krüger.

Eine bessere Werbung für seine containergroße Anlage hätte der Purevento-Gründer aus Trittau (Kreis Stormarn) jedenfalls nicht bekommen können. Die gesamte Republik und vorneweg die diesel-geplagten Großstädte schauen nach Kiel. 80 000 bis 120 000 Euro kostet die transportable Einheit, die gestern für eine Woche gleich neben der Fahrbahn auf dem Radweg (und einem Teil des Fußwegs) abgestellt wurde.

Anschließend wird der Prototyp andernorts getestet, bevor er im März nach Kiel zurückkehrt. Die Anlage saugt stündlich 30 000 Kubikmeter Luft durch ihre großflächigen Lamellen. Zielvorgabe: zehn Prozent der Stickoxide am THR – derzeit unerlaubt hohe 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Straßenluft – herausfiltern und damit helfen, Fahrverbote zu verhindern.

Das jedenfalls ist der Wunsch von Kämpfer, der gestern extra auf dem städtischen roten Werbe-Rad zum Ortstermin erschien. Vor Dutzenden von TV-Kameras und Fotoapparaten verwies er auf die besondere Kieler Situation – ein 200 Meter langer, stark betroffener Abschnitt in einer Stadt mit ansonsten hervorragender Luftqualität – und die intensive Lösungsuche. Wozu der Purevento-Filterkasten beitragen könnte.

Die Brummifahrer bekamen mit, was sich gestern Mittag am Straßenrand abspielte. Aus Protest gegen drohende Fahrverbote drückten viele auf die Hupe oder schrieen ihren Ärger aus dem Führerhaus heraus. Kämpfer kann sie gut verstehen. Man sei zwar für das Abgas-Problem nicht verantwortlich. „Doch wir können die Dinge nicht einfach laufen lassen und den Kopf in den Sand stecken“, erklärte er und fügte hinzu: „Die Auto-Industrie muss endlich aus ihrem Diesel-Dornröschenschlaf erwachen.“ (siehe auch Seite 4)

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