Felix’ Sommermärchen

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Neunjähriger aus Schleswig-Holstein ist beim Finale der WM als Einlaufkind im Einsatz / „Ich war noch nie in einem so großen Stadion“

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10. Juli 2018, 13:13 Uhr

Am Sonntag blicken rund eine Milliarde Menschen auf dem ganzen Globus via TV nach Moskau, 81 000 Zuschauer werden im Luschniki-Stadion live dabei sein – und unten auf dem Rasen wird kurz vor dem Anpfiff des Endspiels der Fußball-WM ein neunjähriger Junge aus Schleswig-Holstein seinen ganz großen Auftritt haben. Felix Bumb aus Treia (Kreis Schleswig-Flensburg) darf beim großen Finale an der Hand eines Spielers den Rasen betreten, er ist eins von 22 Einlaufkindern aus der ganzen Welt.

Felix besucht nach den Sommerferien die 4. Klasse der Treianer Grundschule. Er spielt gern Minigolf und Tischtennis, er malt und bastelt. „Und ich bolze gern mit den Nachbarskindern Flemming und Paul“, erzählt er.

Außerdem hat Felix einen Vater, der offensichtlich bei Online-Gewinnspielen ein gutes Händchen besitzt. „Was machen Sie zwischen dem 12. und 16. Juli?“, wollte jüngst ein freundlicher Anrufer von Helge Bumb wissen. Zuerst konnte der Familienvater mit der Frage nichts anfangen, auch die ihm unbekannte Münchner Telefonnummer kam ihm merkwürdig vor. Als der Anrufer dann erklärte, worum es ging, fiel der Groschen. „Ich habe an mehreren Gewinnspielen teilgenommen, um WM-Karten zu gewinnen“, berichtet Bumb. Unter anderem an dem Preisausschreiben einer Boulevardzeitung, die gemeinsam mit einer Schnellrestaurant-Kette nicht nur Tickets, sondern auch die Endspielteilnahme als Einlaufkind verloste. „Und diesen Preis haben wir tatsächlich gewonnen.“

Zunächst aber konnte Familie Bump ihr Glück kaum fassen. „Wir waren am Anfang zwischen Freude und Skepsis hin- und hergerissen“, berichtet Felix’ Mutter Mareike, „und haben erstmal recherchiert, ob das auch alles seriös ist.“ Inzwischen ist die Skepsis überwunden und ganz der Freude gewichen. „Wir werden rundum betreut und sind von der Organisation sehr beeindruckt. Es läuft alles perfekt“, sagt Helge Bumb. Jetzt, wo der Papierkram erledigt und die Visa für Russland griffbereit sind, geht es nur noch darum, die Aufregung einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Am Donnerstag brechen Felix und sein Vater mit dem Zug in Richtung Frankfurt/Main auf, von dort aus fliegen sie am nächsten Tag nach Moskau. In Russlands Hauptstadt werden sie am Abend die 21 anderen Einlaufkinder und deren Begleiter treffen. Am Sonnabend steht dann Spaß und Spiel auf dem Programm. „Die Kinder sollen sich kennenlernen“, erklärt Mareike Bumb, „sie kommen aus 22 Ländern und werden sich wohl mit Händen und Füßen verständigen. Das wird sicher spannend für Felix. Zum Glück haben Kinder da überhaupt keine Berührungsängste.“

Eine Lieblingsmannschaft, mit der Felix einlaufen will, hat er nach dem Ausscheiden der deutschen Elf nicht mehr. „Am liebsten wäre ich mit Manuel Neuer eingelaufen, aber daraus wird ja leider nichts“, sagt der Neunjährige, der sich einfach aus seinen Einsatz freut – egal, wessen Hand er am Ende halten darf. „Ich war noch nie in so einem großen Stadion. Nur beim Handball in Flensburg“, verrät Felix. Schon am Sonntagmittag treffen die Kinder im Stadion ein, sehen sich alles an und proben ihren Einsatz – es soll ja schließlich alles klappen, wenn wenige Stunden später die ganze Welt zusieht.

Kurz vor dem Anpfiff werden also in Treia Felix’ Familie und zahlreiche Freunde gespannt auf den Bildschirm starren und nach dem Jungen mit der markanten blauen Brille Ausschau halten – während seinem Vater auf der Tribüne des Luschniki-Stadions wahrscheinlich die Tränen in die Augen schießen. „Ich bin ziemlich nah am Wasser gebaut, und meinen Sohn einlaufen zu sehen, wird ein großartiger Moment sein“, sagt Helge Bumb.

Großartige und unvergessliche Momente warten mit Sicherheit auch auf Felix. Sein ganz persönliches Sommermärchen eben.

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