Muhls Fußball-Kolumne : Fehlpassfestival, Führungswechsel, Einwurfregel

Sorgte mit für die Szene des Spieltages: VfB-Schlussmann Ron-Robert Zieler.
Sorgte mit für die Szene des Spieltages: VfB-Schlussmann Ron-Robert Zieler.

Das Hamburger Derby war eine einzige Enttäuschung. Begeisternd und kurios geht es im Oberhaus zu.

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30. September 2018, 20:01 Uhr

Derby-Enttäuschung: Was war nicht alles berichtet worden. „Spiel des Jahres“, „geteilte Stadt“ – selbst über „Rechts gegen Links“ wurde spekuliert. Es ging um das Zweitligaderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli, doch auf dem Rasen des Volksparkstadions war nichts Spannendes zu sehen. Es war eine grausame Vorstellung der beiden Hamburger Clubs. Ein Fehlpassfestival.

Moralischer Sieger mag der Verein vom Kiez sein, mehr aber auch nicht. Der HSV enttäuschte zum wiederholten Mal, von der guten Form der Saisonschlussphase in Liga eins sind die Herren aus dem Volkspark weit entfernt. Rund 3000 Fans waren am Sonnabend zum Abschlusstraining gepilgert. Warum eigentlich? Haben diese Menschen nichts Besseres vor? Und dann zahlten sie auch noch bis zu 80 Euro Eintritt für ein grottenschlechtes Derby. Der HSV kann seiner „Familie“ offenbar alles zumuten.

Der Großteil der Pauli-Fans hatte sich gestern zu Fuß auf den Weg vom Millerntor in den Volkspark gemacht. Das sind 6,5 Kilometer. Damit haben die Anhänger ein größeres Laufpensum absolviert als die meisten Profis auf beiden Seiten. 15.000 Fans der Braun-Weißen haben den Nachmittag im Millerntor-Stadion verbracht, den Langweiler auf Videowänden verfolgt und eine Menge Astra-Bier getrunken. Zum Wohle eines Flensburger Unternehmers, der seit Jahren über die Ausschankrechte am Millerntor verfügt und sich nun über einen Zusatzumsatz freuen darf. Immerhin einer, den dieses Derby glücklich gemacht hat.

Der HSV wird kräftig zulegen müssen, will er aufsteigen. Und St. Pauli bleibt Mittelmaß. Das ist das Fazit dieser Vorführung.

Liga-Begeisterung

Anders als auf der Hamburger Zweitliga-Bühne wurde im Oberhaus richtig guter Fußball geboten. In Berlin, in Wolfsburg oder in Leverkusen. Aufregung in Liga eins: Weil die Bayern auch ihr zweites Spiel in der englischen Woche bei der aufmüpfigen Hertha vergeigten, und Borussia Dortmund nach einem 0:2-Rückstand in Leverkusen rechtzeitig aufwachte und die Partie noch mit 4:2 in der benachbarten Chemiestadt gewann, löst der BVB die Münchner an der Tabellenspitze ab. Die Hoffnung ist groß, dass es endlich einmal wieder spannend in der Bundesliga werden könnte. Allein der Glaube fehlt.

Tor per Hand: Kurios ging es in Stuttgart zu, wo Werder in Unterzahl unglücklich mit 1:2 den Kürzeren zog. Den zwischenzeitlichen Bremer Ausgleich hatte der Stuttgarter Borna Sosa erzielt – mit einem Einwurf ins eigene Tor, was es in der Bundesliga bislang noch nicht gegeben hat. Hätte VfB-Torwart Ron-Robert Zieler den Ball nicht berührt, wäre der Treffer ungültig gewesen, und es hätte Eckball für Werder geben müssen. Verrückte Fußballregeln, mit denen sich ein hochbezahlter Profi allerdings schon auskennen sollte.

Aufatmen in Kiel: Insgesamt fünf Tore in der ersten Halbzeit, danach noch eins – und Holstein hatte Darmstadt mit 4:2 besiegt. In Kiel ist man heilfroh über die Kehrtwende. Holstein kann wieder nach oben schauen, das war zu Beginn der Saison nach dem großen personellen Aderlass nicht zu erwarten. Holstein macht weiterhin Spaß.

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