Fehlende Originalität

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11. November 2018, 13:43 Uhr

Die Welt verändert sich. An einer Stelle mehr, woanders etwas weniger. Ein gutes Beispiel für diesen Zwiespalt zeigt sich auf Parteitagen. Hier ist viel Originalität verlorengegangen. Der spätere Kieler Oberbürgermeister Norbert Gansel begann seinen Auftritt auf Parteitagen damit, dass er einen selbstgebackenen Topfkuchen auspackte, dazu eine Thermosflasche und zur allgemeinen Belustigung eine Kermit-Figur aus der Sesamstraße. Er konnte sicher sein, in jedem TV-Beitrag eingeblendet zu werden. Das war Volksnähe. Bei den Grünen galt für Parteitage eine Kleiderordnung: Selbstgestricktes, möglichst noch „vor Ort“ angefertigt, gerne auch von männlichen Delegierten. Wer mit Krawatte erschien, galt als besonders originell. Bei der Union dagegen hatte es ein Delegierter „oben ohne“ schwer, die Ordner am Eingang zu überzeugen, dass er tatsächlich Parteifreund und kein Atomkraftgegner war. Unverändert ist geblieben, dass die wichtigsten Entscheidungen vor Beginn eines Parteitags in der Lobby fallen. Die sensationellste Veränderung besteht allerdings darin, dass bei Parteien für ein neues Amt mehrere Kandidaten antreten.

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