Uetersen : Ewiger Friede im Park

Renate Paelchen vom Friedhofsausschuss führte Interessierte über den Uetersener Friedhof, ließ Grabsteine Geschichten erzählen und verdeutlichte anhand der Grabarten den Wandel in der Bestattungskultur.
Renate Paelchen vom Friedhofsausschuss führte Interessierte über den Uetersener Friedhof, ließ Grabsteine Geschichten erzählen und verdeutlichte anhand der Grabarten den Wandel in der Bestattungskultur.

Renate Paelchen führt über den Neuen Uetersener Friedhof.

shz.de von
02. Juli 2018, 16:05 Uhr

Uetersen | Dass auch die Grabsteine auf dem 1901 angelegten Uetersener Friedhof, dem „Neuen Friedhof“, Geschichten erzählen und die unterschiedlichen Grabarten einen Wandel der Bestattungskultur verdeutlichen, davon konnten sich die Teilnehmer einer Führung über das parkähnlich angelegte Gelände überzeugen. Renate Paelchen vom Friedhofsausschuss der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Am Kloster hatte dazu eingeladen und freute sich über 15 Interessenten.


Der Friedhof ist zehn Hektar groß

Zehn Hektar groß ist der Friedhof mit Alter und Neuer Kapelle, historischem Baumbestand, Familien-, Einzel-, Reihen- und Urnengräbern, Kolumbarium, Urnengräbern auf dem Rasen und eingebettet in eine Rosenanlage sowie einem anonymen Urnenfeld. „Die Bestattungskultur hat sich geändert. Wir haben heute etwa 80 Prozent Urnenbestattungen. Aber deutlich ist, dass die Menschen nach wie vor einen Ort der Trauer um einen Verstorbenen brauchen. Das merken wir auch an den abgelegten Blumen und Kerzen auf den Rasenurnengräbern. Wir verstehen das, aber es ist bei dieser Bestattungsform nicht vorgesehen und erschwert die Rasenpflege“, so Paelchen.

Während des fast zweistündigen Rundgangs kamen die Teilnehmer immer wieder an freien Flächen vorbei, die aufgrund der veränderten Bestattungskultur nicht mehr für Grabstätten gebraucht werden, aber von den Friedhofsmitarbeitern gepflegt werden müssen. „Die Veränderungen haben zu erheblichen Einnahmerückgängen geführt. Aber die Wege und Anlagen müssen gepflegt und Mitarbeiter bezahlt werden. Ein Friedhof ist ein Wirtschaftsunternehmen“, machte Paelchen deutlich. Der vom Seniorenbeirat der Stadt gestartete Aufruf, dass sich „Freunde des Friedhofs“ finden, die kleinere Bereiche pflegen, sei leider nur auf geringe Resonanz gestoßen.

Der Spaziergang über den Friedhof führte zum Kinderstein, einer privat initiierten und gepflegten Gedenkstätte für tot geborene und abgetriebene Kinder, für die es kein Grab, aber mit dem Stein einen Gedenkort gibt. Auch eine Grabstätte für fünf Kinder, die auf einer Eisfläche am 27. Januar 1904 eingebrochen und zu Tode gekommen waren, berührte die Teilnehmer des Rundgangs. Dass die Größe einer Grabstätte verbunden mit der gesellschaftlichen Bedeutung einer Person oder Familie war, zeigte Paelchen an dem Grabmal für eine Familie J.E. Jenss. Auch zu einem seit 1959 nicht mehr genutzten und sanierungsbedürftigen Mausoleum führte Paelchen. „Es gab drei Mausoleen auf unserem Friedhof. Wir würden dieses verbliebene Grabmal in Gebäudeform gerne erhalten und uns über Sponsoren freuen. Es kann auch jemand kaufen und restaurieren.“

Wie moderne Bestattungskultur auf dem Friedhof ansprechend und würdevoll umgesetzt wird, zeigte Paelchen anhand des Kolumbariums, der Rasenurnengräber in Reihe und der Urnengräber auf dem Rosenfeld. „Seit wir diese Bestattungsmöglichkeiten anbieten, sind die anonymen Bestattungen zurückgegangen“, berichtete Paelchen und informierte, dass Friedhofsausschuss und Verwaltung auch darüber nachdenken, Bestattungen unter Bäumen auf dem Friedhof anzubieten. „Es hat sich hier viel verändert“, stellte Vera Pilniok fest. Die 68-Jährige kennt den Friedhof seit ihrer Kindheit. Auch Monika Maichel war begeistert von den vielen Informationen, die sie bei dem Rundgang erhalten hatte. „Ich gehe fast jeden Tag auf dem Friedhof spazieren. Für mich ist er ein Park mit viel Geschichte“.

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