170 Zuschauer zunächst festgehalten : Eskalation nach Morddrohung: Pokalspiel endet mit Skandal

Höhepunkt des Skandals: VfR-Neuzugang Sandro Lopes Schütt (rechts) attackiert Schiedsrichterassistent Matthias Studt. Ein Zuschauer versucht noch, Schlimmeres zu verhindern.
Höhepunkt des Skandals: VfR-Neuzugang Sandro Lopes Schütt (rechts) attackiert Schiedsrichterassistent Matthias Studt. Ein Zuschauer versucht noch, Schlimmeres zu verhindern.

Nach rassistischer Äußerung: Spieler von VfR Neumünster und Schiedsrichter-Assistent geraten aneinander.

shz.de von
26. Juli 2018, 21:10 Uhr

Neumünster | Es hätte so spannend werden können. Das Elfmeterschießen war nur noch rund vier Minuten entfernt. Dann jedoch mündete das erste Halbfinale im Fußball-Kreispokal Neumünster zwischen dem TSV Wankendorf und dem klassenhöheren Oberligisten VfR beim Stand von 0:0 in einen Skandal. Schiedsrichter Florian Janzen (VfL Schwartbuck) brach die Partie ab, nachdem sein Assistent Matthias Studt von Gästespieler Sandro Lopes Schütt mehrfach geschubst und somit tätlich angegriffen worden war.

Weil Studt sich gegen die Angriffe wehrte, ging es hin und her. Zeugenaussagen belegen, dass der farbige Rasensport-Neuzugang durch eine rassistische Äußerung des Mannes an der Linie zuvor provoziert worden war. Wer ins Finale einzieht, beziehungsweise ob das Spiel sogar eine Wiederholung erfährt, wird nun am grünen Tisch verhandelt. Pro forma zeigte Janzen Schütt noch regelkonform die Rote Karte.

Morddrohung und Eskalation

Offensichtlich trifft den Schiedsrichterassistenten zumindest eine Mitschuld an den Vorkommnissen. Ein als Zuschauer anwesender Fußballobmann eines Neumünsteraner Vereins, der namentlich nicht genannt werden wollte, befand sich direkt hinter dem Ort des Geschehens. Er berichtete: „Schütt hatte den Assistenten um eine Trinkflasche gebeten, die dort auf dem Boden lag. Nachdem der Spieler sie zurückgegeben hatte, wollte er ein zweites Mal einen Schluck daraus nehmen. Diese Bitte beantwortete der Assistent mit den Worten ,Ich bin doch nicht dein Neger’. Daraufhin ist Schütt auf den Unparteiischen losgegangen.“

Weil das Schiedsrichterteam angab, dass gegen Studt noch auf dem Platz aus den Reihen der VfR-Spieler sogar eine Morddrohung ausgesprochen worden sei, eskalierte die Situation im Jahnstadion komplett. Die vom TSV Wankendorf gestellten Ordner verwehrten den 170 zahlenden Zuschauern und allen weiteren Besuchern die Abreise. Unmut machte sich breit.

„Wir haben die Anweisung der Polizei, die gerade unterwegs ist, dass niemand das Sportgelände verlassen darf, weil eine Morddrohung geäußert wurde“, erklärte einer der Ordner. Als die Polizei aus Plön mit zwei Beamten eintraf, durften die „normalen“ Zuschauer das Areal verlassen. Erst eine knappe Dreiviertelstunde später trat auch der VfR-Tross die Heimreise an.

Sportgericht entscheidet

Jan Carstensen, 2. Vorsitzender des VfR, berichtete, dass die Schiedsrichter, im Speziellen Assistent Studt, Schütt wegen Körperverletzung angezeigt haben. Der VfR-Spieler wiederum zeigte die rassistische Äußerung an. „Der Assistent hat unserem Kapitän Christopher Newe gegenüber zugegeben, dass er diese Aussage getätigt hat. Wenn er einen Hintern in der Hose hat, wird er diese auch vor dem Sportgericht bestätigen“, sagte Carstensen.

Gästetrainer Jörg Zenker wollte sich an Spekulationen nicht beteiligen. Er meinte: „Der Schiedsrichter beziehungsweise seine Assistenten dürfen nicht angegriffen werden, sie sind tabu. Da offenkundig eine Provokation vorlag, hoffen wir auf mildernde Umstände.“ Ob Schütt vereinsintern sanktioniert wird, ließ Zenker offen. „Wir werden Sandro nicht verdammen, müssen aber mit ihm reden“, so der 47-Jährige. Zuständig für den Fall ist jetzt das Sportgericht des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert