„Es läuft erstaunlich gut“

Landesweit bieten 57 Prozent der Unternehmen mobiles Arbeiten an.
Landesweit bieten 57 Prozent der Unternehmen mobiles Arbeiten an.

Homeoffice: Bei Sparkasse und Stadtwerken arbeiten seit März viele Mitarbeiter zu Hause / Unternehmerverband lehnt Pflicht ab

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20. Januar 2021, 18:21 Uhr

Neumünster | Mit der Corona-Pandemie hat auch das Modell des Homeoffice Einzug in den Alltag erhalten. Jetzt wurde der Lockdown verschärft, unter anderem mit einer Verordnung, die Arbeitgebern auferlegt, ihren Mitarbeitern Heimarbeit, wenn möglich, anzubieten. Bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr haben eine Reihe von Unternehmen in Neumünster ihre Angestellten aus den Büros verbannt.

Die Stadtwerke (SWN) etwa haben folgende Regelung:

 

„Wer nicht zwingend in die SWN-Gebäude muss, bleibt zwingend zu Hause und arbeitet aus dem Homeoffice“, erklärt Pressesprecher Niklas Grewe. Wer dennoch im Büro ist, muss sich an strenge Regeln halten. Pro Raum darf nur ein Angestellter arbeiten, Zusammenkünfte sind nur mit Maske erlaubt. Ebenso strikte Hygieneregeln gelten für die Mitarbeiter im technischen Dienst oder die Busfahrer des Stadtverkehrs.

Seit dem 14. Dezember ist außerdem das Kundenzentrum am Kuhberg geschlossen, um den Kundenkontakt zu minimieren. Wer einen Kundenberater telefonisch sprechen will, kann einen Termin dafür online vereinbaren.

Die Umstellung auf Homeoffice im März verlief laut Grewe schnell und problemlos: „Innerhalb von zwei Wochen waren alle Mitarbeiter mit Heimarbeitsplätzen ausgerüstet und einsatzbereit.“ Probleme gab es durch den Wechsel nicht. „Der Betrieb funktioniert weiterhin sehr gut“, so Grewe weiter. Wasser- und Stromversorgung seien gesichert. „Die kritische Infrastruktur ist nicht gefährdet.“

Auch die Sparkasse Südholstein hat ihren Betrieb seit März so weit wie möglich aus der Kieler Straße ins private Umfeld verlagert. „Etwa die Hälfte unser 800 Mitarbeiter befindet sich derzeit im Homeoffice“, erklärt Sprecherin Imke Gernand. Die Kundenberater sind weiterhin vor Ort, die internen Geschäftsbereiche wie Personalwesen, Kommunikation oder Finanzen wurden jedoch vollständig ausgelagert.

„Am Anfang war die Umstellung ein wenig ruckelig“, sagt Gernand. Da die Sparkasse jedoch ihre Mitarbeiter bereits vor vier Jahren mit iPads ausgestattet habe und das Unternehmen „schon vorher sehr mobil“ gewesen sei, gebe es keine großen Probleme. „Es läuft erstaunlich gut“, so Gernand.

Auch in Zukunft soll das Konzept Homeoffice fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie bleiben. „Wir bemerken keinen Rückgang der Produktivität. Dazu sind unsere Angestellten zufriedener. Gerade die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gelingt derzeit besser“, sagt Imke Gernand.

Anders als die Bürotätigkeiten in einer Bank können Handwerksarbeiten nicht aus der Ferne erledigt werden. „Die Handwerker sind darauf angewiesen, vor Ort zu arbeiten“, erklärt Carsten Bruhn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. „Sofern es möglich ist, haben jedoch einige Betriebe die Verwaltung ausgelagert“, so Bruhn weiter.

Diese Eindruck bestätigt auch eine Blitzumfrage der Industrie-und Handelskammer Schleswig-Holstein, an der sich bisher 1002 Betriebe aus dem Norden beteiligt haben. Landesweit bieten 57 Prozent der Unternehmen Lösungen für mobiles Arbeiten an.

Größtes Hindernis bei der Umstellung ist, dass eine Reihe von Arbeiten an die Arbeitsstätte gebunden sind, wie 42 Prozent der Befragten angaben. Während in den Bereichen Information und Kommunikation 86 Prozent der Befragten ihren Angestellten die Arbeit zu Hause ermöglichen, bietet dies nur jedes fünfte Unternehmen des Gastgewerbes an.

Man dürfe also nicht alle Betriebe über einen Kamm scheren, sagt Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein. „Wir bitten die Politik, diese Umstände mit Blick auf mögliche Verschärfungen im betrieblichen Bereich und die diskutierte ‚Homeoffice-Pflicht‘ zu beherzigen“, so Ipsen weiter.

Der Unternehmensverband (UV) Nord lehnt solche politischen Vorstöße derweil ab. „Appelle ja, Pflicht nein!“, sagt UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz. Der Verband gehe davon aus, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern Homeoffice dort anbieten, wo es auch möglich sei, so Wachholtz. „Ich bin mir sicher, dass Arbeitgeber derzeit alles unternehmen, um ein Infektionsgeschehen mit seinen weitreichenden Folgen im eigenen Betrieb zu vermeiden.“

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