Es hakt bei der Energiewende

shz.de von
19. Juni 2018, 10:19 Uhr

Neuer Rekord beim Wegwerfstrom  

Fast eine Million Euro pro Tag – so viel zahlen Stromkunden für nie erzeugten Wind- und Sonnenstrom allein in Schleswig-Holstein. Weil die Netze im Norden immer öfter ausgelastet sind, müssen Anlagen so oft wie noch nie abgeregelt werden – und zahlen Verbraucher so viel wie noch nie an Entschädigung dafür. Hinzu kommen für das bundesweite Netzmanagement jedes Jahr hunderte weitere Millionen, die die Stromrechnung noch mal verteuern.

Die unerfreulich hohen Summen zeigen, dass es bei der Energiewende und dem Netzausbau erheblich hakt. Denn letztlich sind die Zahlungen für Wegwerfstrom und Netzeingriffe nichts anderes als ein Indikator dafür, wie gut der Staat die Energiewende koordiniert – je höher sie sind, desto schlechter ist die Koordination. Insofern sind die neuen Rekordzahlen aus der Bundesnetzagentur ein miserables Zeugnis für die Energiepolitik der letzten Jahre.

Nötig ist jetzt, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier wirklich Tempo beim Netzausbau macht, aber auch die Möglichkeit schafft, Wind- und Sonnenkraft für das Erzeugen von Wärme oder Wasserstoff zu nutzen. Das ist das deutlich bessere Konzept gegen Engpässe und Abregelungen als sein bisheriger Plan, den Ökostrom-Ausbau im Norden erst mal stark zu drosseln.

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