Weiche schlägt Bochum : Erstrundensieg im DFB-Pokal: Flensburg feiert seine Fußball-Sensation

<p>Fans und Spieler des SC Weiche Flensburg 08 beglückwünschen sich zum sensationellen Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals.</p>

Fans und Spieler des SC Weiche Flensburg 08 beglückwünschen sich zum sensationellen Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals.

1:0 gegen Bochum. Ein Tor von Kevin Schulz bringt den Regionalligisten SC Weiche 08 in die zweite Runde des DFB-Pokals.

shz.de von
20. August 2018, 11:42 Uhr

Flensburg | Kevin Schulz ist ein flexibel einsetzbarer Fußballer beim Regionalligisten SC Weiche Flensburg 08. Abwehr, Mittelfeld, Sturm – es gibt kaum eine Position, die der 30-Jährige noch nicht gespielt hat. Als Torschütze tritt er nicht so häufig in Erscheinung – und wenn er trifft, sind es häufiger Abstauber oder Abschlüsse aus kurzer Distanz. Seit Sonntag steht fest: „Schulle“ kann auch schöne Tore.

„Das war genau so gewollt“, versicherte Schulz. Mit dem Knie hatte er den Ball nach feiner Vorlage von Florian Meyer über Bochums Torwart Felix Dornebusch gehoben und nach 34 Minuten den Siegtreffer erzielt: „Ich wollte ihn so drüber heben, eine andere Möglichkeit hatte ich auch nicht. Aber das war kein ’Murmeltor.’“

Und wenn es eines gewesen wäre – egal! Schulz und seine Mitspieler schafften gestern im Manfred-Werner-Stadion eine echte Pokal-Überraschung. Der Viertligist besiegte den VfL Bochum aus der 2. Bundesliga verdient mit 1:0 (1:0) und zieht in die zweite Runde Ende Oktober ein. Das bedeutet zusätzliche Einnahmen, gute Argumente bei der Stadt Flensburg für die Gespräche über ein Stadion in der Fördestadt – und natürlich eine Menge Prestige.

Die Zuschauer gingen mit

Bilder, die man beim Fußball in Flensburg lange nicht mehr gesehen hat: Schon lange vor dem Abpfiff erhoben sich die Zuschauer auf der Sitztribüne von ihren Plätzen, feuerten ihr Team mit „Weiche“-Rufen und rhythmischem Klatschen an. Der Abpfiff von Schiedsrichter Rene Rohde nach fünfminütiger Nachspielzeit ging im Jubelsturm unter.

Die Flensburger begannen konzentriert und machten es dem feldüberlegenen Favoriten aus einer kompakten Ordnung heraus schwer. Mit Ausnahme einer Ecke, in deren Folge Anthony Losilla frei zum Kopfball kam (3.), blieben Möglichkeiten für die Profis zunächst Mangelware. Weiche verteidigte nicht nur, sorgte auch selbst – oft über die linke Seite, wo Florian Meyer sehr aktiv war, für Entlastung nach vorn. Zwar gab es keine klaren Chancen für die Gastgeber, doch immerhin zwei Ecken standen in der Anfangsphase auch für die Jurgeleit-Elf zu Buche.

Die hatte Mitte der ersten Hälfte erstmals eine etwas brenzligere Phase zu überstehen, als der VfL auch mal torgefährlich wurde. Lukas Hinterseer setzte einen Schlenzer aus 16 Metern knapp über den rechten Winkel des Flensburger Tores (22.). Milos Pantovic kam aus spitzem Winkel nach Hoogland-Flanke im Strafraum zum Schuss, doch Florian Kirschke parierte (23.). Als der Keeper kurz darauf zögerte, konnte Pantovic ihn auch nicht überwinden (24.). Doch die Gastgeber bekamen schnell die Ordnung wieder in ihr Spiel – und überraschend auch mit der ersten Möglichkeit zur Führung. Ein Angriff, der schon fast auszutrudeln schien, wurde von Gökay Isitan noch einmal „scharf“ gemacht. Dominic Hartmann legte für Meyer ab, der mit einem herrlichen Lupfer in den Lauf von Kevin Schulz bediente.

Der erfahrene Ex-Kieler reagierte schneller als Tim Hoogland, behielt frei vor Dornebusch die Übersicht und hob den Ball mit dem Knie über den Keeper zur umjubelten Führung des Außenseiters. Bochum hatte vor der Pause noch eine Großchance: Ganvoula brachte es aber fertig, nach einer Perthel-Flanke aus vier Metern freistehend das Tor zu verfehlen (41.).

Keeper Kirschke hält die Null

Im zweiten Abschnitt erhöhte der Favorit das Risiko. So gab es auf beiden Seiten ein paar Torszenen mehr. Für die Flensburger näherte sich Hartmann bei einem 25-Meter-Freistoß, den Dornebusch parierte (51.). Die besseren Chancen hatte aber erwartungsgemäß der Gast. Nach einer Celozzi-Flanke scheiterte Ganvoula per Kopf an Kirschke (50.). Der Kongolese hatte die meisten Abschlussaktionen, ohne aber Zielwasser getrunken zu haben. So schoss er knapp vorbei (55.) und scheiterte mit einem strammen Schuss an Kirschke, der auch den nachfolgenden Kopfball von Hinterseer sicher hielt (57.). Die Bochumer stellten sich mit der Einwechslung von Johannes Wurtz offensiver auf – doch außer planlosem Anrennen fiel dem Zweitligisten nicht viel ein.

Zwar kamen auch die Flensburger kaum zu wirklicher Entlastung. Doch hinten verteidigte die Jurgeleit-Elf über weite Strecken völlig souverän, ohne noch brenzlige Situationen überstehen zu müssen. Mehrfach stand Ganvoula bei aussichtsreichen Aktionen im Abseits. Stattdessen war sogar das 2:0 möglich. Doch Gökay Isitan (90./+2) und der eingewechselte Marvin Ibekwe (90./+3) ließen Konterchancen aus.

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