Erleben wir gerade das Ende des politischen Populismus?

Eine neue Studie zum Thema legt diesen Schluss nahe – allerdings bleibt eine Partei der extreme Ausreißer: Die AfD

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03. September 2020, 21:06 Uhr

Berlin | Trendwende im Meinungsklima: Zeigte sich Ende 2018 noch jeder dritte Wähler populistisch eingestellt, ist es derzeit nur noch jeder fünfte. Gleichzeitig steigen aber die Gefahren einer Radikalisierung am rechten Rand. „Extremer Ausreißer in der deutschen Parteienlandschaft bleibt die AfD“, zeigt eine neue Studie.

Das sogenannte Populismus-Barometer ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann-Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Wer gilt als populistisch?
Als populistisch eingestellt gelten Befragte, die sich gleichzeitig zu acht typisch populistischen Einstellungen in den Dimensionen „Anti-Pluralismus“, „Anti-Establishment“ und „Volkshomogenität“ bekennen. Zur Erklärung: In einem populistischen Weltbild wird unterschieden zwischen einem „wahren Volk“ und „korrupten Eliten“. Es ist außerdem geprägt von der Idee eines „allgemeinen Volkswillens“, so die Studienautoren.

Eine typische populistische Einstellung, nach der gefragt wurde, ist etwa: „Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht.“

Wie eindeutig ist der Trend?
Die Forscher kommen zu einem klaren Ergebnis: „Der Trend eines zunehmend populistisch aufgeladenen Meinungsklimas in Deutschland ist gebrochen.“ Gleichzeitig hat der Anteil unpopulistischer Wähler stark zugenommen. Ende 2018 waren es 31,4 Prozent, Mitte des laufenden Jahres 47,1 Prozent.


Was sind die Gründe für die Trendwende?
Vehrkamp erläutert es so: „Die liberale Demokratie hat die populistische Mobilisierung mit einer demokratischen Gegenmobilisierung beantwortet – auch und gerade in der politischen Mitte.“

Als weitere Faktoren für die Trendwende nennt die Studie: eine zuletzt restriktivere Migrationspolitik, die stärkere Fokussierung auf sozioökonomische Fragen und schließlich ein „bislang bei vielen Menschen anerkanntes Krisenmanagement in der Corona-Pandemie“ – Stand Juni.

Wie verhalten sich die Parteien?
Auch das etablierte Parteiensystem erweist sich als zunehmend populismusresistent. Die Autoren betonen, ein weiteres Abgleiten der Unionsparteien und der FDP ins populistische Wählersegment sei vorerst gestoppt.

Und die AfD?
Sie bleibt laut Populismus-Barometer der extreme Ausreißer in der deutschen Parteienlandschaft. Die Studie hält fest: „Fast drei Viertel (73 Prozent) aller AfD-Wähler sind entweder klar populistisch (38 Prozent) oder zumindest teils/teils populistisch (35 Prozent) eingestellt.“

Gleichzeitig sei eine deutliche Mehrheit (56 Prozent) aller AfD-Wähler entweder latent rechtsextrem (27 Prozent) oder sogar manifest rechtsextrem (29 Prozent) eingestellt. Und: „Der Anteil unpopulistischer und zugleich nicht rechtsextrem eingestellter Wähler liegt bei der AfD bei lediglich 13 Prozent.“

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