Naturschutz im Wohld : Er macht Gettorf grün

Beim Einzelnen fängt es an: Uwe Steinbrecher möchte mit kleinen Schritten ein Umdenken bei den Menschen bewirken.
Beim Einzelnen fängt es an: Uwe Steinbrecher möchte mit kleinen Schritten ein Umdenken bei den Menschen bewirken.

Uwe Steinbrecher ist Gärtnermeister. Im April hat er die BUND-Ortsgruppe in Gettorf mit dem Kopf voller Ideen gegründet.

shz.de von
08. Juni 2018, 06:17 Uhr

Gettorf | Zwar will Uwe Steinbrecher nicht gleich die ganze Welt verändern, aber seinen Beitrag leisten möchte der Gärtnermeister schon. „Man muss was machen, auch wenn es nur im Kleinen ist.“ Am 26. April gründete Steinbrecher die Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Gettorf. „Ich denke das sehr naiv, denn ich meine, dass jeder Gärtner Naturschützer sein muss“, sagt Steinbrecher. Immerhin liege das in der Natur der Sache, „die gärtnerische Tätigkeit hat einen Bezug zur Natur, man will sie bewahren“.

Mehrere Jahre arbeitete Steinbrecher als Verkäufer bei einer Gartencenter-Kette. Schon dort machte er sich für die ökologische und nachhaltige Gartenpflege stark: „Ich habe den Kunden empfohlen, weniger Blaukorn und Torf einzusetzen und weniger zu düngen.“ In den BUND eingetreten ist der 45-Jährige erst vor wenigen Jahren. In der Kreisgruppe Kiel ist er nach eigener Einschätzung aber eher „interessiertes zahlendes Mitglied“ gewesen. „Es ist langsam in mir herangereift, aber ich habe immer gesagt, ich gründe eine Ortsgruppe, wenn ich nach Gettorf ziehe.“ Das tat er vor zwei Jahren.

Uwe Steinbrecher kontaktierte den Landesverband des BUND und stellte dort seine Ideen für Gettorf vor. „Ich hatte eine Liste mit meinen Vorschlägen dabei, sie fanden das toll und haben mich unterstützt.“ Also gründete er die Ortsgruppe – allein und ehrenamtlich.

In den vergangenen Wochen hat BUND-Ortsgruppenleiter Steinbrecher schon einige Ideen umsetzen können. Dazu gehörte etwa eine Schmetterlingsausstellung im Foyer der Gettorfer Apotheke am Markt im Mai. Die kleine Ausstellung zum Schutz der Schmetterlinge hatte Steinbrecher vom BUND Hessen ausgeliehen. Außerdem verfasst der Gartenprofi für jede Ausgabe der Gettorfer „Flüstertüte“ einen Artikel über verschiedenste Themen, beispielsweise – wie in der aktuellen Ausgabe – über die Hornisse. Im April verteilte Steinbrecher mehrere hundert Tütchen mit Wildblumensamen an alle Kindergärten in Gettorf. „Ich habe den Erzieherinnen vorgeschlagen, dass sie mit den Kindern gemeinsam Balkonkästen oder Beete damit bepflanzen.“

An Ideen mangelt es Uwe Steinbrecher nicht. Sein Ziel für Gettorf: „Insektenschutz und Aufklären: Wie kann ich Gärten insektenfreundlich gestalten?“ Der Mensch habe sich von der Natur abgewendet. Gärten böten keinen Lebensraum mehr für Wildbienen, Libellen oder Vögel: „Diese Gärten, die aus einer Hecke und einer Rasenfläche bestehen – wenn da eine Amsel landet, fliegt die doch sofort wieder panisch weg“, sagt Uwe Steinbrecher, „was soll sie dort auch? Der Garten ist tot. Nur wo es Insektenvielfalt gibt, da stimmt alles.“

Der Gärtnermeister im Fachbereich Blumen und Zierpflanzen hat noch viele Pläne. Auf seiner Liste stehen etwa die Blühpatenschaften. Danach bepflanzt Uwe Steinbrecher gemeinsam mit dem BUND Blumenkübel, Baumscheiben oder Wiesenflächen mit insektenfreundlichen Pflanzen, „und die Anwohner können mit einer Patenschaft die Pflege übernehmen“. Vier Kübel der Gemeinde hat Steinbrecher schon bepflanzt, unter anderem in der Liebesallee. „Da findet sich vielleicht ein Anwohner, der den Pflanzen Wasser gibt oder mal den Boden auflockert. Es wäre mir eine Freude, wenn ich nicht mehr mit meinen zwei Gießkannen dorthin laufen müsste“, erklärt Steinbrecher lachend. Der Naturschützer möchte die Gettorfer aufklären, weiß aber auch um die „Gefahren“: „Man wird schnell als Bio-Terrorist abgestempelt.“

Und manchmal muss er in seinem Kampf für den Umweltschutz auch auf sich selbst und seine Motivation aufpassen: „Wenn ich sehe, dass Gettorfer bei schönstem Sommerwetter Sonntagmorgen mit ihrem SUV Brötchen holen, das frustriert schon.“ Einen Mitstreiter hat Uwe Steinbrecher schon gefunden, aber er freut sich über weitere. In der BUND-Ortsgruppe kann sich engagieren, wer Lust auf Naturschutz hat, sagt er. „Jeder ist willkommen, der Ideen hat oder ein Spezialgebiet, jemand, der einfach Lust hat, eine Streuobstwiese mit anzulegen“. Zu erreichen ist Uwe Steinbrechers BUND-Ortsgruppe über bund.gettorf@bund.net.

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