Eine Frage des Geschmacks

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Anette Bierhoff trifft auf Menschen, die Möbel für ihr Zuhause suchen

shz.de von
09. August 2018, 14:46 Uhr

Knutzen Wohnen sehen viele Einheimische noch immer als einen Teppich- oder Parketthandel. Aber das regionale Unternehmen stattet unter anderem Ferienimmobilien aus, nicht zuletzt im Ostseeresort Olpenitz. Anette Bierhoff arbeitet als Objektberaterin in Mehlbydiek, und am Wochenende kommen oft Einheimische, die schlichtweg neue Möbel kaufen wollen, oder auch Investoren, deren künftige Wohnungen und Häuser noch leer stehen.

In einer Stunde kann in einem Möbelhaus viel passieren. Oder nichts. „Fraglos gibt es eine Art Kundenstruktur, ohne dass ich Klischees bedienen möchte“, sagt Bierhoff. 40 und älter seien viele Menschen, die bei Knutzen einkaufen, will heißen, oft sind die Kinder aus dem Haus oder zumindest so alt, dass sie wenig Interesse haben, beim Möbelkauf der Eltern dabei zu sein.

Holger Oehler, der Filialleiter in Kappeln, lässt nicht unerwähnt, dass gerade die Investoren, die in der Region einen Teil ihrer Träume verwirklichen möchten, oft erst auf den zweiten Blick bei Knutzen landen. Oehler: „Die meisten haben wenig Zeit, die Männer sind oft umtriebige Geschäftsleute, die sich gemeinsam mit ihrer Frau für Wohnträume begeistern lassen.“

„Alles aus einer Hand“, so Bierhoff, sei ein gern genommenes Arrangement ihrer Kunden. Nicht in mehrere Läden laufen müssen, die Frage der Anlieferung, der Accessoires, der Lieferfristen – am besten für alles einen Ansprechpartner. Hier die weibliche Form. Bierhoff ist Ansprechpartnerin für die ganze Palette. Im Einrichtungshaus selbst hat sie einen Schreibtisch zwischen den Möbeln des belgischen Einrichters Flamant stehen – im so genannten Herrenzimmer. Umrahmt von schweren braunen Landhaussofas und Echtholzparkett made by Eiche.

Die Männer kümmern sich gern um den Bodenbelag oder den neuen Außenpool daheim, die Frauen richten ihr Augenmerk lieber auf Stoffe und Formen, wechseln in der noch unentschiedenen Leidenschaft zwischen nordischen Blautönen für ihre Männer, die segeln oder begeistern sich für im Landhausstil entworfene Highboards und Hängeschränke. Bierhoff: „Hier und da ist mal jemand dabei, der trendige Vintage-Möbel schick findet.“ Es sei eher eine Ausnahme. Vielen, so die Knutzen-Mitarbeiterin, gehe es um eine Art Wohnweltkonzept, das sie in die eigenen vier Wände, egal ob in Arnis oder Olpenitz, transferieren wollen. Schöner wohnen – quasi jetzt.

Für diesen Transfer spielt Anette Bierhoff verschiedene Karten aus. Sie kann durch das Einrichtungshaus führen. Klar. Sie kann auch mit den Grundrissen der kundeneigenen Ländereien arbeiten, kann am Computer oder ganz analog mit Bleistift eine Vision entwerfen. „Bilder, die ich als pdf an die Kunden maile, Bilder, wie alles am Ende aussehen könnte.“ Faktoren, die in diese Vision hineinspielen? „Soll das Haus vermietet oder selbst bewohnt werden? Sind Kinder unterzubringen? Wie groß ist das Budget?“, erklärt Holger Oehler die sich wiederholenden Fragen bei der Bedarfsermittlung. „Ändert aber nicht viel für mich“, so Bierhoff zu ihrer eigenen Motivation. „Beratung macht mir Spaß. Ich mag es, geschmacklich gut auf einander abgestimmte Dinge in die Welt zu bringen.“ Die Frau Mitte 50 hat vor vielen Jahrzehnten im ostwestfälischen Detmold Innenarchitektur studiert und mit Mann und Kind über Jahre in Berlin gelebt, bevor Kappeln zur neuen Heimat wurde. Unterm Strich steht für sie fest: „Details können eine entscheidende Rolle beim Einrichten spielen.“

Und am Ende steht bestenfalls ein Kaufvertrag, eine Kaufabsicht, denn stundenlange Beratungsgespräche sind zwar machbar, aber sie füllen nicht die Kasse. Oehler: „Beratung steht für uns an erster Stelle, trotzdem hilft es uns nicht, wenn die Kunden danach im Internet ihre Möbel bestellen.“ Lässt sich bei einem Gang durch die Wohnwelten erahnen, ob die Euros bei Knutzen Wohnen landen? Anette Bierhoff: „Zumindest spüre ich durch die Gesprächsatmosphäre, ob es was werden kann.“ Notfalls packt sie noch einmal Lineal und Grundriss aus, macht alternative Vorschläge oder ihr Chef kalkuliert alles ein weiteres Mal durch. Der Preis sei grundsätzlich nicht ausschlaggebend, so der Filialleiter. „Vielmehr ist es wichtig, dem Kunden ein echtes Einkaufserlebnis zu vermitteln.“

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