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24. Oktober 2017 | 03:27 Uhr

Ein junges Leben im neuen Gewand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Kinderheim „Girassol“ im brasilianischen São Paulo bietet neben Geborgenheit auch eine Berufsausbildung wie Schneidern oder Elektrotechnik

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Das Leben in einem Kinderheim ist nicht ganz so einfach, weder für die Kinder noch für die Erwachsenen, die für die Schützlinge verantwortlich sind. Man kann sich in etwa die kleinen und großen Probleme einer Familie vorstellen: Vater, Mutter und zwei, drei oder vier Kinder – nur eben ist im Kinderheim diese Familie um ein vielfaches größer und komplizierter. Denn die Altersunterschiede sind groß, und die Kinder oft tief verletzt durch die Erfahrung des Verlassenseins.

Es bedeutet aber auch mehr Frühstück, Mittagessen und Abendessen zubereiten, viel mehr Wäsche waschen und bügeln, aufpassen, dass die Babys richtig ernährt und behütet werden, dass alle Kinder in die Schule gehen und die Schularbeiten richtig machen und mehr.

Im Kinderheim „Lar Social Girassol“ in einer Favela im brasilianischen São Paulo hat sich vor über 20 Jahren die Deutsche Angela Pohlmann dieser Aufgabe angenommen. Sie kümmert sich mit ihren Mitarbeitern liebevoll um die Kinder, die im „Girassol“ – übersetzt heißt das Sonnenblume – ein neues Zuhause gefunden haben. Aber auch um die Jugendlichen aus der Umgebung, die dort eine Ausbildung, und damit eine Chance auf eine bessere Zukunft bekommen.

So lebt in der Girassol-Familie João, 15 Jahre alt : Er ist dort, seit er ein Baby war. Er hat keine Eltern und keine Verwandten, die sich um ihn kümmern. Nun ist es an der Zeit, an seine Zukunft und an einen Beruf zu denken, denn bald muss er das Heim verlassen und lernen, auf eigenen Füssen zu stehen. Parallel zu seinem letzten Schuljahr darf er jetzt schon in unserem Berufsausbildungs-Zentrum an einem Kursus für Elektrik teilnehmen und kann sich später auf diesem Gebiet spezialisieren, der berufliche Einstieg ist damit gegeben.

Das Girassol-Berufsausbildungs-Zentrum hat Kurse für Friseur-Handwerk und Kosmetik, Elektrik, Informatik, Büro und Verwaltung sowie Schneiderei. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr das Hotelfach. Die Jugendlichen, die diesen Kurs belegen, können sich auf gute berufliche Arbeitsmöglichkeiten freuen. Wegen der Fußballweltmeisterschaft 2014 sind besonders diese Fachkräfte von vielen Hotels gefragt.

Im Dezember fand die Abschlussfeier für die Schüler statt, die die Prüfung bestanden haben. Die Schneiderei organisierte eine kleine Modeschau mit selbst entworfenen und selbst geschneiderten Modellen. Die Friseure schminkten und frisierten die Models. Die Elektriker, wie João, waren für Ton, Musik und Beleuchtung zuständig. Jeder hilft, wo er kann, wie in einer Familie. Die Modenschau wurde ein voller Erfolg.

Dies alles kann das Girassol-Team nur mit vollem Einsatz der Mitarbeiter und freiwilligen Helfer schaffen – und mit Hilfe von Spendern und auch von Unternehmen, die eine soziale Verantwortung tragen und auf diese Weise mithelfen, die Welt zu verbessern.

Das Ziel von Girassol ist noch nicht erreicht, der Weg ist noch lang und voller Hürden, viel Arbeit liegt noch vor den Mitarbeitern. Solange noch so viel soziale Ungerechtigkeit, Grausamkeit gegen hilflose Kinder und Elend existieren, will sich Angela Pohlmann weiterhin einsetzen und Abhilfe schaffen. Jede Unterstützung, so klein sie auch erscheinen mag, ist für die Einrichtung wertvoll.

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