Ein halbes Geständnis aus Riad

Razzia: Ein türkischer Polizist auf dem Dach des saudischen Konsulats.
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Razzia: Ein türkischer Polizist auf dem Dach des saudischen Konsulats.

Das mysteriöse Verschwinden des Journalisten Chaschukdschi / US-Außenminister zum Krisentreffen in Saudi-Arabien

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16. Oktober 2018, 17:09 Uhr

Nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi wächst international der Druck auf Saudi-Arabien, Licht in den mysteriösen Fall zu bringen.

US-Außenminister Mike Pompeo kam gestern in der saudischen Hauptstadt Riad mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zu einem Krisentreffen zusammen. Türkische und saudische Ermittler schlossen zugleich eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul ab.

Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass Chaschukdschi dort von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet worden ist. Sie sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man schaue sich mögliche Spuren „giftiger Substanzen“ genauer an.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte sich in der Affäre für eine internationale Abstimmung stark. „Wir wollen wissen, was da geschehen ist“, erklärte er. „Wenn wir das wissen, werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen.“ Er habe in dem Fall auch mit Pompeo telefoniert.

Der 60 Jahre alte Chaschukdschi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete jedoch vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskommt. Chaschukdschi lebte seit mehr als einem Jahr im selbst gewählten US-Exil und schrieb unter anderem für die Zeitung „Washington Post“ regimekritische Artikel über Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien bestreitet jede Verwicklung in den Fall. Mehrere US-Medien berichteten jedoch, das Königreich bereite eine Erklärung vor. Darin soll es unter anderem heißen, ein Verhör mit Chaschukdschi sei „außer Kontrolle geraten“. Dem Sender CNN zufolge soll es einen Plan gegeben haben, den Journalisten zu entführen. Saudi-Arabien will offenbar einräumen, dass Dschamal Chaschukdschi getötet wurde – von Beamten, die eigenmächtig handelten.

Nach der Durchsuchung des Konsulats nahmen Ermittler Proben aus dem Garten mit, wie lokale Medien meldeten. Zudem seien zwei Müllwagen ins Konsulat gefahren – weshalb, blieb unklar. Am Abend sollte auch die Residenz des Konsulats durchsucht werden.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Außenminister nach Riad geschickt, um die Aufklärung des Falles voranzutreiben. Möglicherweise wird Pompeo in die Türkei weiterreisen. Nach Pompeos Gesprächen in Riad äußerte sich das US-Außenministerium betont milde.

Pompeo habe dem saudischen König für die starke Partnerschaft mit den USA gedankt, und für dessen Einsatz für eine gründliche, transparente und schnelle Aufklärung im Fall Chaschukdschi. Nach dem Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman – „MbS“ genannt, der eine zentrale Rolle in der Führung des Landes spielt – hieß es, Pompeo habe die Sorge des Präsidenten über Chaschukdschis Verschwinden übermittelt, und dessen Wunsch nach Aufklärung.

Die Augen richten sich insbesondere auf den saudischen Kronprinzen. Der 33 Jahre alte Sohn des Königs ist der starke Mann des Landes und gilt als künftiger Herrscher. Während er einerseits Reformen vorantreibt und das Land liberalisiert, geht er mit härtester Hand gegen Kritiker vor. Enge Beziehungen pflegt MbS zu Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragtem Jared Kushner.

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