Ein Grüner in der CDU

Möchte sich dafür einsetzen, dass Rellingen eine bürgernahe Gemeinde bleibt: Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke (CDU).
Möchte sich dafür einsetzen, dass Rellingen eine bürgernahe Gemeinde bleibt: Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke (CDU).

Rellingens neuer Bürgervorsteher Hans-Günther Reinke (CDU) im Interview

shz.de von
22. November 2018, 16:40 Uhr

Hans-Günther Reinke (CDU) hat in Rellingen das Amt des Bürgervorstehers übernommen. Im Interview mit unserem Reporter Lars Zimmermann erklärt er unter anderem, was den Reiz der Aufgabe ausmacht und warum die CDU in Rellingen so stark ist.


Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Bürgervorsteher?
Ich kann jetzt schon sagen, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß bringt. Ich bin bereits seit 45 Jahren in der Politik, hatte aber immer wenig Zeit, weil ich mich um meine Firma kümmern musste. Das sieht nun im Ruhestand anders aus. Eigentlich habe ich nur für einen Sitz in der Gemeindevertretung kandidiert. Da ich aber in meinem Wahlbezirk 62,4 Prozent der Stimmen erreicht hatte, sagte meine Partei, dass ich den Posten des Bürgervorstehers übernehmen solle. Meine Familie hatte nichts dagegen, also erfülle ich diesen Wunsch.


Was ist mit dem Posten verbunden?
Auf alle Fälle sehr viele Termine. In den ersten 130 Tagen waren es um die 100 Jubiläen, runde Geburtstage, Gespräche mit der Verwaltung, Veranstaltungen der Gemeinde – es kommt einiges zusammen. Durch die Arbeit in der Fraktion fallen noch weitere Termine an. So steht eigentlich jeden Tag etwas in meinem Kalender. Als ehemaliger Baumschuler liegen mir vor allem die Baumschutzordnung und die Baumkataster am Herzen. Rolf-Rüdiger Schmidt und ich sind sozusagen die beiden Grünen in der schwarzen Partei.


Was ist Ihnen für die Arbeit als Bürgervorsteher wichtig?
Ich suche den Ausgleich und will die Bürger mitnehmen. Letztendlich geht es darum, einen Konsens zu finden, mit dem alle leben können. Das haben wir bisher immer geschafft. Das gelingt aber auch in Zukunft nur, wenn man mit den Menschen spricht und ihnen zuhört. Rellingen ist eine bürgernahe Gemeinde. Und das soll so bleiben.


Sind Sie jemand, der auch privat eher harmoniebedürftig ist?
Ich denke schon. Ich bin jedenfalls kein Typ, der ständig die Konfrontation sucht.


Wie klappt die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den anderen Fraktionen?
Sehr gut. Mir ist es wichtig, mit allen Parteien zu reden. Die CDU hat zwar die absolute Mehrheit. Das bedeutet aber nicht, dass uns die Meinungen der anderen nicht interessieren. Letztendlich wollen alle nur das Beste für die Gemeinde. Deswegen bringt es nichts, gegeneinander zu arbeiten.


Was bereitet Ihnen an der Arbeit als Bürgervorsteher besondere Freude?
Einmal, dass ich enorm viele Menschen kennenlerne. Schön ist außerdem, dass ich mich mit Dingen beschäftige, mit denen ich früher nicht allzu viel zu tun hatte. Von den kulturellen Veranstaltungen habe ich beispielsweise früher nur wenig mitbekommen. Durch die vielen neuen Eindrücke lerne ich jeden Tag etwas dazu.


Woran mussten Sie sich erst gewöhnen?
Als ehemaliger Unternehmer würde ich die Gemeinde am liebsten wie ein großes Unternehmen führen. Das ist in einer Behörde nicht immer möglich. Dazu gibt es zu viel Bürokratie.


Vor welchen Herausforderungen steht Rellingen in den kommenden Jahren?
Die größte Herausforderung ist aktuell die Entwicklung der Caspar-Voght-Schule. Da dürfen wir nicht nur das Gebäude im Blick haben. Wichtig ist auch die Verkehrslenkung. Genügend Parkplätze, keine Staus, die Sicherheit der Kinder – all das gilt es zu berücksichtigen. Auch die Interessen der Anwohner müssen wir im Auge behalten. Wichtig ist außerdem die Entwicklung des Ortskerns. Wir müssen Wege finden, diesen noch attraktiver zu gestalten. Alle Wünsche der Bürger werden wir aber nicht erfüllen können. Viele kaufen im Internet ein, so dass sich die Angebotsvielfalt im Zentrum natürlich verringert. Es wird schwierig, gegen diesen Trend anzusteuern. Trotz allem hat Rellingen einiges zu bieten. Kostenfreie Parkplätze, eines der schönsten Rathäuser in Schleswig-Holstein – damit können wir punkten. Ich würde mir wünschen, dass wir diese Stärken noch mehr herausstellen und Rellingen durch eine einheitliche Gestaltung einen größeren Wiedererkennungswert hat. Bei allem müssen wir darauf achten, was finanziell möglich ist. Auch die Ansiedlung von Gewerbebetrieben ist immer ein Thema. Ideal sind vor allem Betriebe, die hohe Gewerbesteuern zahlen und viele Mitarbeiter beschäftigen.


Warum ist die CDU in Rellingen so stark?
Das liegt sicherlich an den Personen, die in den vergangenen Jahrzehnten für die CDU Politik gemacht haben. Die Partei ist gut aufgestellt, leistet hervorragende Arbeit und die Gemeinde ist finanziell gesund. Das honorieren die Bürger.


Macht sich die Krise der Bundes-CDU vor Ort bemerkbar?
Natürlich werden wir darauf angesprochen. Auch ich bin nicht mit allem einverstanden, was in Berlin passiert. Ich betone aber in Gesprächen, dass wir die CDU Rellingen sind und keine Verantwortung für das tragen, was in der Hauptstadt los ist.

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