Umweltschutz-Crowdfunding : Ein Drecksack für saubere Küsten

Aktiv-Werden im Kleinen: Crowdfunder Dirk Münze möchte mit seinem Projekt mehr Menschen ermutigen, sich für einen sauberen Strand einzusetzen.
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Aktiv-Werden im Kleinen: Crowdfunder Dirk Münze möchte mit seinem Projekt mehr Menschen ermutigen, sich für einen sauberen Strand einzusetzen.

Dirk Münze hat die Idee zum coolen Müllschlucker: Jetzt braucht er nur noch Menschen, die ihn und den „Blauen Drecksack“ unterstützen.

shz.de von
28. Juni 2018, 06:12 Uhr

Neudorf-Bornstein | Kronkorken, Windeln, Kippenstummel, Gartenschläuche, BH-Träger und Plastiktüten – Dirk Münze erträgt es nicht mehr, der Anblick der vermüllten Strände macht ihn unglücklich und wütend. Ratlos ist der Neudorf-Bornsteiner aber nicht. „Man muss aktiv werden, das sind unsere Küsten, das ist unser Müll.“ Mit seinem Crowd-Funding-Projekt „Der blaue Drecksack“ will Dirk Münze die Strände wieder sauberer machen. Der Drecksack ist ein Beutel, den – so Münze– „man leicht in der Hosentasche verstauen kann, ohne dass er stört, und den man beim Spaziergang rausholen und das einsammeln kann, was man im Sand so findet.“ Denn: Mülleimer sind am Strand ein rares Gut, das weiß auch Münze.

Den Blauen Drecksack will der 55-Jährige jetzt im großen Stil produzieren. Doch dafür braucht er Geld. Mit dem Crowdfunding-Konzept von Startnext.de hat er einen Zeitrahmen von Ende Mai bis zum 11. Juli, um mindestens 44 000 Euro für die Gründung einer Gesellschaft zusammenzukriegen. Erst dann kann er die ersten 10 000 Exemplare des kleinen blauen Müllschluckers produzieren. Dabei ist Münze auf die Unterstützung von Privatpersonen, Unternehmen, Vereinen oder anderen Organisationen angewiesen.

Der Blaue Drecksack mit Dirk Münzes „Fundstücken“ der ersten Minuten am Eckernförder Strand – Windeln, Zigaretten und Schaumstoff.
Der Blaue Drecksack mit Dirk Münzes „Fundstücken“ der ersten Minuten am Eckernförder Strand – Windeln, Zigaretten und Schaumstoff.
 

„Vor eineinhalb Jahren habe ich den Angelschein gemacht“, erzählt Münze, „seitdem bin ich häufiger am Strand unterwegs und bemerke immer häufiger den Müll“. Eines Tages habe er ein großes Fischernetz gefunden – so groß, dass nur eine Gruppe aus acht Menschen es wegtragen konnte. „Da hat es angefangen.“

Das Konzept des Drecksacks stammt vom Deutschen Alpenverein. Dieser hatte den Beutel – in Orange – für die alpinen und zunehmend von Abfällen belasteten Wanderwege produziert. „Die Idee ist, dass die Wanderer in den Bergen den herumliegenden Müll mitnehmen“, erklärt Dirk Münze. Von der Idee angetan, entschloss sich der Werbeberater, den Drecksack auch für die Küstenregionen zu etablieren. In Blau natürlich.

Wichtig bei der Herstellung des Blauen Drecksacks ist es, so Münze, das geeignete Material zu finden. „Es soll nachhaltig, reißfest, waschbar und leicht sein, sodass es zusammengeknüllt nicht in der Tasche stört.“ Der aktuelle Prototyp wiegt 25 Gramm, das Material steht noch nicht endgültig fest. In Verhandlungen steckt Dirk Münze aktuell mit Produzenten wie Tatonka und Patagonia. Denn: „Der Beutel soll maximal nachhaltig produziert und möglichst lange benutzt werden.“ Nach aktueller Kalkulation kostet Der Blaue Drecksack 5,50 Euro pro Stück. Dirk Münzes Ziel sind allerdings 3,50 Euro: „Er soll ein Mitnahme-Artikel sein – kein Wegwerfprodukt, aber auch nicht zu teuer.“ So sollen Unternehmen zudem die Möglichkeit bekommen, das eigene Logo auf dem Sack zu positionieren. Je ein Drittel des Preises soll schließlich für den Handel, für die Herstellung und für gemeinnützige Zwecke – wie Kinder- und Jugendarbeit im Umweltschutz – gedacht sein. „An dem Drecksack will sich niemand eine goldene Nase verdienen“, versichert Dirk Münze.

Auf www.startnext.de können Interessierte und Unterstützer sich über das Projekt informieren, Kontakt aufnehmen oder ihren Beitrag zum Blauen Drecksack leisten. Das geschieht etwa über Geldspenden oder Vorbestellungen von Blauen Drecksäcken. Kommt die anvisierte Summe nicht zustande, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück und die Bestellungen sind nichtig. „Es ist ein Kauf ohne jedes Risiko“, erklärt der Familienvater. Aber auch das Teilen und Liken bei Facebook, Twitter und Co., um das Projekt zu verbreiten, sei schon Unterstützung.

Die Crowdfunding-Aktion endet am 11. Juli. Knapp zwei Wochen bleiben Dirk Münze damit noch. Zwar hat er schon zahlreiche Befürworter in den sozialen Medien, doch das Fundingziel von 44 000 Euro ist mit aktuell 311 Euro noch in weiter Ferne. „Die Zeit tickt“, sagt Dirk Münze. „Dabei ist es eine gute Sache – und man kann Teil einer großen Bewegung werden.“

<p>'Wir sehen uns am Strand', appelliert Dirk Münze an seine Mitstreiter.</p>

"Wir sehen uns am Strand", appelliert Dirk Münze an seine Mitstreiter.

 
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