Drogen – Jede Stunde ein Verfahren eröffnet

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05. Juni 2014, 14:18 Uhr

Der Ermittlungsdruck auf den Markt illegaler Drogen in Schleswig-Holstein wächst. Rechnerisch eröffneten die Staatsanwaltschaften zu jeder Stunde des vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Mit knapp 8900 solcher Verfahren stieg die Zahl gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent. Das geht aus der Jahresstatistik der Ermittler hervor, die Generalstaatsanwalt Wolfgang Müller-Gabriel gestern in Kiel vorgelegt hat. Die am meisten verbreitete illegale Droge sei weiterhin Cannabis, sagte Müller-Gabriel.

Ähnliche Tendenzen hatte zuvor auch Innenminister Andreas Breitner (SPD) mit der Kriminalstatistik belegt. Das Einstiegsalter ist nach Beobachtungen von Experten mit etwa zwölf Jahren „erschreckend niedrig“. Trotz umfangreicher Prävention ist die Zahl der Konsumenten in der vergangenen Jahren fast gleich geblieben. Immer häufiger wird die vermeintlich leichte Droge nach Beobachtungen des Landeskriminalamtes von Konsumenten selbst angebaut.

Insgesamt sank die Zahl der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren 2013 um knapp 13 800 auf 271 109 Fälle – und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Auch die Zahl der Wirtschaftsdelikte sank um 500 auf 4462. Diese Entwicklung werde aber „ausreichend kompensiert durch die Komplexität der Verfahren“, sagte Müller-Gabriel. Als Beispiel nannte der Chefankläger ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Kursmanipulation an der Börse. Der Beschuldigte soll an der Gründung und den Börsengängen von drei Unternehmen beteiligt gewesen sein, bei denen es sich um reine Luftgesellschaften handelte, die nicht operativ tätig waren. Mittlerweile ist in dem Fall Anklage erhoben. Die Anklageschrift umfasst 339 Seiten.

Um 44 auf 78 Fälle gesunken ist daneben die Zahl der Korruptionsverfahren. Dies sei jedoch kein Grund zur Entwarnung, sagte Müller-Gabriel. Die ans Tageslicht beförderten Einzelfälle sprächen für eine nach wie vor bestehende hohe Korruptionsbereitschaft und -anfälligkeit. Zudem gebe es in diesem Deliktfeld weiter eine hohe Dunkelziffer.

Die Ermittlungsgruppe Korruption durchsuchte im vergangenen Jahr insgesamt 48 Objekte. Zugunsten des Staates wurden im Zuge der Ermittlungen Vermögenswerte in Höhe von gut 30 000 Euro sichergestellt. Hinzu kamen Werte in Höhe von knapp 169 000 Euro zugunsten Geschädigter.

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