Neuwittenbek : DRK Neuwittenbek feiert 70 Jahre

Vorsitzende Evelyn Kaliebe (v.li.), 2. Stellv. Vorsitzende Petra Großmann, 1. Stellv. Vorsitzende Bettina Malmström stöbern in alten Akten ihres Ortsverbandes.
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Vorsitzende Evelyn Kaliebe (v.li.), 2. Stellv. Vorsitzende Petra Großmann, 1. Stellv. Vorsitzende Bettina Malmström stöbern in alten Akten ihres Ortsverbandes.

Marga Görche gründete den Ortsverband kurz nach dem Krieg. Ihre Nachfolgerinnen führen die Hilfe für Schwächere bis heute fort .

shz.de von
17. Mai 2018, 18:54 Uhr

Neuwittenbek | Nach dem Krieg war die Not groß, auch in Neuwittenbek. In Neu- und Altwittenbek – damals noch zwei eigenständige Orte – lebten ungefähr je 300 Einwohner. Die Nähe zu Kiel und zur Levensauer Hochbrücke wurde dem Ort zum Verhängnis: Häuser wurden zerstört, auch Teile der Infrastruktur. In diese Situation kamen 900 Flüchtlinge, die alles verloren hatten. Viele von ihnen lebten im Lager Landwehr, andere waren in Privathäusern untergebracht. Allein bis zu 50 von ihnen waren im Gut Neuwittenbek einquartiert. Marga Görche – selbst Kriegswitwe – bewirtschaftete das Gut und versorgte „ihre“ Flüchtlinge. Sie kam 1948 auf die Idee, die Versorgung für die Flüchtlinge auf die Füße einer größeren Organisation zu stellen. So wurde in Neuwittenbek der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes gegründet, am 29. Januar vor 70 Jahren. Zu Beginn waren es 15 Mitglieder – vor allem Frauen, die sich für die Flüchtlinge und andere Bedürftige engagierten. Sie sorgten für Schulspeisung. Bekleidung wurde geflickt und an Flüchtlinge verteilt. Geld wurde gesammelt, Weihnachtspäckchen gepackt, eine Weihnachtsfeier für die Flüchtlinge veranstaltet.

Die Flüchtlinge von damals und ihre Kinder sind längst integriert. Die Herausforderungen sind heute aber andere geworden. „Die Einsamkeit ist heute ein großes Problem und wir verschenken Zeit“, so Vorsitzende Evelyn Kaliebe. Wenn ein Partner verstorben ist und die Kinder nicht in der Nähe wohnen, sind ältere Menschen einsam. Der DRK-Ortsverband lädt sieben Mal im Jahr zu geselligen Nachmittagen ein. Wer nicht mehr mobil ist, wird auf Wunsch abgeholt. Gab es früher „nur“ Kaffee und Kuchen, gibt es jetzt meist noch ein Thema oder etwas Unterhaltsames dazu. Außerdem gibt es eine Weihnachtsfeier für Jung und Alt, Kaffeeausflüge zum Erdbeercafe Warleberg oder auch Reisen in die nähere Umgebung. In diesem Jahr ist ein Besuch des Heimatmuseums Gettorf geplant. Die Angebote werden vor allem von Senioren angenommen, sind aber offen für alle Erwachsenen. Auch Herren kommen inzwischen zu den geselligen Nachmittagen, Tendenz steigend, sagt Kaliebe. 20 bis 30 Gäste sind es insgesamt bei den einzelnen Veranstaltungen. Die Senioren werden zu runden Geburtstagen und Ehejubiläen besucht. Aber auch die jüngsten Dorfbewohner sind im Blick.

So beteiligt sich das DRK Neuwittenbek am Herbstferienspaß und organisiert einen Osterspaziergang inklusive Ostereiersuchen. Nicht zu vergessen ist der jährliche Erste-Hilfe-Kurs für die Viertklässler, die Blutspendeaktionen, drei- bis viermal im Jahr, und die Haus- und Straßensammlungen. Aber auch die fernen Nächsten sind im Blick. So unterstützt das DRK Neuwittenbek den Ortsverband Kronshagen bei den jährlichen Hilfstransporten nach Litauen mit Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern. Etwa 100 Kartons steuern die Neuwittenbeker zu dieser Sammlung bei.

Die Arbeitsschwerpunkte haben sich in den vergangenen 70 Jahren stark gewandelt, die Gesellschaft sowieso, sagt Evelyn Kaliebe. Geblieben ist die Tatsache, dass die ehrenamtliche Arbeit, vor allem die Vorstandsarbeit, hauptsächlich von Frauen getragen wird.

Neu- und Altenwittenbek ist inzwischen ein gemeinsames Dorf mit etwa 1200 Einwohnern. Dem Deutschen Roten Kreuz gehören derzeit 123 Mitglieder an, also über zehn Prozent der Einwohner. Wirklich zufrieden sind die Damen vom Vorstand damit nicht, denn die Tendenz geht leicht nach unten. Es gibt weniger Neueintritte als Sterbefälle, Wegzüge und Austritte. Das Durchschnittsalter steigt. „Junge Frauen sind heute berufstätig. Da bleibt neben Familie und Beruf einfach keine Zeit für das Ehrenamt,“ so Petra Großmann, 2. Stellvertretende Vorsitzende. Und die Bereitschaft zur Verbindlichkeit hat abgenommen. „Die Leute geben lieber 20 Euro bei der Haus- und Straßensammlung als 24 Euro Jahresbeitrag“, so Evelyn Kaliebe.

Am Sonnabend, 9. Juni, ab 13 Uhr feiert der DRK-Ortsverband Neuwittenbek sein Jubiläum im Mehrzweckraum der Klaus-Stein-Halle und im angrenzenden Außengelände. Das Fest beginnt mit der Zeitreise „Neuwittenbek im Jahre 1948“ von Dorfchronistin Marianne Wolff. Ab 14 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Die Freiwillige Feuerwehr sorgt für Grillwurst und Wasserspiele. Info-Stände informieren über die Aktivitäten des DRK-Ortsverbandes, über den Hausnotruf und die Blutspende. Eine Bildergalerie gibt Einblicke in die 70-jährige Geschichte des DRK-Ortsverbandes. In Gästebüchern, die bis in die 50er- Jahre reichen, darf geblättert werden. Der Vorstand freut sich auf viele Geburtstagsgäste.

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