Promotionskolleg in SH : Doktortitel für FH-Absolventen: Uni Kiel bremst Promotionsrecht aus

Drei Jahre nach der Gründung existiert das sogenannte Promotionskolleg noch immer nur auf dem Papier.

fju_maj_0203 von
21. Oktober 2020, 05:00 Uhr

kiel | Es sollte bundesweit ein Novum sein: Im November 2017 hat Schleswig-Holstein ein Modell geschaffen, um den Absolventen von Fachhochschulen den Weg zum Doktortitel zu ebnen – bisher ein Privileg der Universitäten. Doch drei Jahre nach der Gründung existiert das sogenannte Promotionskolleg noch immer nur auf dem Papier.

Weiterlesen: Schleswig-Holstein schafft Promotionskolleg für FH-Studenten

Keinem einzigen Nachwuchs-Wissenschaftler war es bisher eine Hilfe, Forschungspotenzial von Fachhochschulen bleibt damit ungenutzt. Das hat das Wissenschaftsministerium von Karin Prien (CDU) jetzt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion eingestanden.

Forschung auf höchstem Niveau

Den ersten Schritt hatte noch die sozialdemokratisch angeführte Küstenkoalition getan: mit einer Änderung des Landeshochschulgesetzes 2016. Die Gründung des Promotionskollegs 2017 sollte dann in Regie Priens die praktische Umsetzung sein. Es ist eine Körperschaft, die alle drei Unis und vier öffentlichen Fachhochschulen im Land tragen. Beide Hochschularten sollen darin Teams bilden, die Doktorarbeiten von FH-Absolventen aus Kiel, Flensburg, Lübeck und Heide betreuen. Das vermeidet, dass den Fachhochschulen das Promotionsrecht direkt übertragen wird – Zugeständnis an die dabei bundesweit gepflegte Gartenzaun-Mentalität der Unis.

Der neue Weg „soll würdigen, dass auch an Fachhochschulen Forschung auf höchstem Niveau stattfindet“, sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD, Martin Habersaat. „Teilweise in Schwerpunkten, die sich an den Universitäten so nicht finden, etwa Soziale Arbeit, Bauen, Maschinen- oder Schiffbau.“ Der Stillstand „wirft kein gutes Licht auf das zuständige Ministerium“, bemängelt Habersaat. „Die Ministerin und ihr Staatssekretär haben schlicht nicht geliefert.“

Uni Kiel sieht Nachbesserungsbedarf bei Satzung

Die wiederum schieben den schwarzen Peter der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu. Die hat die Gründung des Kollegs zwar wie alle anderen Hochschulen unterzeichnet, „sieht aber“ als einzige „noch Nachbesserungsbedarf“ bei der Organisationssatzung. So teilt es das Ministerium in der Antwort an Habersaat mit.

Zu einer Klärung sei es auch wegen des „Findungsverfahrens“ für eine Neubesetzung der Kieler Uni-Spitze nicht gekommen. Das Ministerium habe eine Lösung „mehrfach angemahnt und wird dies nach der Inauguration der neuen Präsidentin der CAU erneut zu einem dringlichen Gesprächsgegenstand machen.“

Weiterlesen: Medizinerin Simone Fulda neue Präsidentin der Kieler Uni

Im Frühsommer hatte sich Ex-Präsident Lutz Kipp im Nachgang zur verlorenen Bewerbung der CAU für die „Exzellenz-Initiative“ zurückgezogen. Blieb zuvor also immer noch reichlich Zeit, wie der hochschulpolitische Sprecher der Landtags-SPD, Heiner Dunckel, süffisant anmerkt. In Kieler Uni-Kreisen ist es ein am Dienstag bekräftigtes offenes Geheimnis, dass Kipp beim Promotionskolleg „eine gewisse Zurückhaltung“ pflegte.

Verspielt SH zeitlichen Vorteil?

Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Christoph Jansen, ärgert sich: „Ein Festhalten an alten Zöpfen hat im Wissenschaftsbetrieb nichts zu suchen.“ Das Kolleg biete „insbesondere für inter- und transdisziplinäre Forschungsgruppen große Chancen, etwa bei Digitalisierung, oder Erneuerbaren Energien“.

Jansen warnt: „Wir im Land drohen einen zeitlichen Vorteil zu verspielen“. Mittlerweile habe etwa Hessen Fachhochschulen in Teilen das Promotionsrecht übertragen. Jansen ist selbst Präsident der „Hochschule Flensburg“ – vom Status her FH, auch wenn sie das „Fach-“ aus dem Namen getilgt hat.

Christoph Jansen

Christoph Jansen

 

Die Kieler Uni blieb die Antwort schuldig, in welchen Punkten sie denn „Nachbesserungsbedarf“ sehe. Simone Fulda, seit Anfang Oktober neue CAU-Präsidentin, wollte sich „nicht dazu verhalten, was in der Vergangenheit an Details Probleme bereitet hat“. Sie guckt nach vorn: „Das neue Präsidium steht dem Promotionskolleg offen gegenüber. Ihm ist an einer zeitnahen konstruktiven Lösung sehr gelegen.“

Den Eindruck hat auch Jansen: „Verschiedene Gespräche mit der neuen CAU-Spitze stimmen mich sehr zuversichtlich. Eine Blockadehaltung nehme ich hier erfreulicherweise nicht mehr wahr.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen