Wegen der Corona-Krise : Diskussion über Unterrichtszeiten in SH: Schule in den Sommerferien?

Karin Prien (CDU), Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, wird von Lehrerverbänden kritisiert.

Karin Prien (CDU), Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, wird von Lehrerverbänden kritisiert.

Einige Schulen in SH wollen den Unterrichtsausfall etwa durch Brückentage ausgleichen. Der Philologenverband ist sauer.

Margret Kiosz von
13. Mai 2020, 11:31 Uhr

Kiel | Kaum haben die Schulen die Tore für eine begrenzte Zahl von Schülern geöffnet, wird der Betrieb schon wieder eingestellt. In der Himmelfahrtswoche gibt es für viele Schüler durch eine Kombination von beweglichen Ferientagen, Brückentag und Lehrerfortbildung rund um den Feiertag eine extra Ferienwoche.

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Allerdings nicht überall. In der Grundschule Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) haben sich Schulleitung und Eltern geeinigt, auf die für Dienstag und Mittwoch geplanten beweglichen Ferientage zu verzichten. Auch die Husumer Ferdinand-Tönnies-Schule und das Alte Gymnasium in Flensburg streichen die Tage, um dem Corona-bedingten Unterrichtsausfall auszugleichen.

Fortbildungen für 1300 Lehrkräfte

Ob das eher die Regel oder die Ausnahme ist, weiß das Kieler Bildungsministerium nicht. „Wir haben den Schulen ans Herz gelegt, die Tage für Präsenzangebote zu nutzen, aber die Entscheidung liegt bei den Schulkonferenzen“, erläutert Sprecherin Patricia Zimnik. Auf den Unmut der Eltern über Defizite beim digitalen Fernunterricht wurde bereits reagiert. Das landeseigene Schulinstitut IQSH habe seine Kapazitäten „deutlich ausgebaut“.

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1300 Lehrer seien binnen eines Monats fortgebildet worden. „Wir werden auch in den Ferien Weiterbildungsangebote für die Lehrkräfte anbieten“. Auch seien Qualitätskontrollen für digitale Schulstunden geplant. Zusätzlich kündigt das Ministerium an: „Wir erarbeiten gerade ein Konzept, wie auch für Schüler im Sommer freiwillige Angebote im Rahmen von Summer Schools ermöglicht werden können.“ Veranschlagte Kosten: fünf Millionen Euro

Philologenverband reagiert verärgert

Bei den Lehrerverbänden werden die Pläne für Schule in den Ferien kaum auf Gegenliebe stoßen. Schon jetzt ist das Verhältnis zu Bildungsministerin Karin Prien (CDU) angespannt.

So reagierte der Philologenverband erbost auf deren Forderung, Lehrer sollten sich künftig „noch schneller auf eine gute Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht vorbereiten“. Verbandschef Jens Finger wies dieses Ansinnen zurück: Schon die „gegenwärtigen Herausforderungen sind kaum noch zu bewältigen“.

Sommerschule allein reicht nicht – Lehrer haben digitale Defizite

Kommentar von Margret Kiosz

Sechs Wochen nur spielen und chillen: Das können und sollten sich Jungen und Mädchen in diesem Sommer besser nicht leisten. Das Angebot, im Juli in Summer Schools Corona-bedingte Lernrückstände aufzuholen, sollten Eltern, Kinder und Lehrer als soziale und bildungspolitische Chance nutzen. Dass die Ministerin von Summer Schools spricht und nicht von Unterricht in den Sommerferien, ist trickreich, aber zielführend. Der Begriff verspricht lockeres Lernen in der Sonne mit möglichst viel Summerhill-Flair: So werden Kinder motiviert statt stigmatisiert.

Aber das Projekt reicht nicht: Die Wochen seit dem Schulstopp im März haben große Defizite offenbart – sowohl bei den organisatorischen Fähigkeiten der Schulleitungen, die sich „herausgefordert“ fühlten, weil sie nur 14 Tage Zeit hatten, Hygienekonzepte zu liefern, als auch bei etlichen (nicht allen!) Lehrern, die sich mit digitalem Unterricht schwertun. Das  Lamentieren einiger Verbandsfunktionäre über zu viel Neues, zu viel Arbeit und Tippen auf „eigenen Endgeräten“, ist schwer nachvollziehbar.

Genauso, wie sich Finanzbeamte schon vor Jahren an die PC-Zeit anpassen mussten und Verkäuferinnen an digitale Kassensysteme, genauso können wir von finanziell und arbeitsrechtlich gut abgesicherten Lehrkräften verlangen, mit der Zeit zu gehen – auch mit der Corona-Zeit.

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