Plane-Spotting in Jagel : Die Schnappschuss-Jäger

Waren extra aus den Niederlanden  zum Flugzeug-Fotografieren  angereist: Jeroen Beijer, Marco Zwiep und Wim Peters (v.l.).
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Waren extra aus den Niederlanden zum Flugzeug-Fotografieren angereist: Jeroen Beijer, Marco Zwiep und Wim Peters (v.l.).

1100 Hobbyfotografen kamen gestern auf den Jageler Fliegerhorst um Flugzeuge abzulichten.

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19. Juni 2014, 17:46 Uhr

Ohrenstöpsel, Klappstuhl, eine Trittleiter und eine Kamera samt Objektiv, die zusammen bisweilen so teuer sein können, dass man sich vom dem Geld auch locker einen ordentlichen Gebrauchtwagen leisten könnte: Mehr braucht ein richtiger Plane-Spotter nicht, um glücklich zu sein. Gleich 1100 dieser Hobby-Fotografen, die es einzig und allein darauf abgesehen haben, Flugzeuge (englisch Planes) vor die Linse zu bekommen, haben sich gestern auf dem Jageler Fliegerhorst versammelt. Im Rahmen der Nato-Luftwaffenübung „Tiger Meet“, die dort noch bis nächste Woche Freitag stattfindet (wir berichteten), hatten die Teilnehmer-Verbände zum „Spotter-Day“ eingeladen. Offenbar eine einmalige Gelegenheit für echte Flugzeug-Fans: Denn als man sich im April für eine Teilnahme an dem Event anmelden konnte, brach der Internetserver wegen der großen Nachfrage kurzerhand zusammen.

Am Ende aber ergatterten insgesamt 2300 Spotter jeweils einen der begehrten Plätze. Knapp die Hälfte davon war gestern in Jagel auf Jagd nach neuen Fotos, der zweite Ansturm wird am kommenden Montag erwartet. „Super. So viele verschiedene Jets sieht man heutzutage nicht so oft“, schwärmte etwa Jeroen Beijer (41). Der Holländer, der inzwischen in Schweden lebt, hat sich ein paar Tage Urlaub genommen und sich in Jagel mit seinen alten Kumpels, Marco Zwiep und Wim Peters, getroffen. „Schon als Kinder haben wir gemeinsam Flugzeuge fotografiert. Heute treffen wir uns einmal im Jahr irgendwo und knipsen drauf los“, sagte Beijer. Inzwischen würden sich allein im Archiv von Wim Peters über 70 000 Fotos befinden.

Gestern kamen nicht nur bei dem niederländischen Trio bis zu 1000 neue Schnappschüsse (pro Person!) hinzu. Spotter aus ganz Deutschland drängten sich auf dem eigens für diesen Anlass eingezäunten Areal zwischen Startbahn und Tower neben Kollegen aus Belgien, Dänemark, Tschechien, der Schweiz und sogar Japan. Auch aus Großbritannien waren ganze Reisebusse angereist. 47 Kampfjets aus zwölf Nationen, dazu einige Hubschrauber: Das bunt gemischte Teilnehmerfeld des „Tiger Meet“ ist auch für die alten Hasen unter den Spottern ein echtes Highlight. „Da leckt sich die Szene die Finger nach“, fasste es Josef Berger (82) kurz und knapp zusammen. Der Bayer war gemeinsam mit seinen Freunden Frank Schmide und Mathias Grägel in den Norden gekommen. Die Drei hatten sich einst am Zaun des ehemaligen Fliegerhorstes Lechfeld kennen gelernt. „Es geht uns einfach ums Fotografieren und Sammeln der Bilder. Viele Spotter tauschen ihre Fotos auch in Internet-Foren untereinander aus“, erklärte Frank Schmide (37) die Motivation hinter dem Hobby.

Doris Niemann (48) aus Oldenburg in Niedersachsen war eine der auffallend wenigen Frauen unter den Spottern. „Mein Mann Thorsten hat mich damit infiziert. Inzwischen bin ich total begeistert von Flugzeugen“, erzählte sie. Ebenso wie ihre Fotografen-Kollgen war sie sichtlich angetan von der guten Organisation und Betreuung in Jagel. Da seien 30 Euro Eintritt pro Person „wirklich nicht zu viel verlangt“.

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