Die Reise eines Dithmarscher Teppichs

Museumsleiterin Jutta Müller (M.) und ihre Mitarbeiterinnen sind begeistert von dem Teppich.
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Museumsleiterin Jutta Müller (M.) und ihre Mitarbeiterinnen sind begeistert von dem Teppich.

Der 1657 zum 150. Jahrestag der Reformation geschaffene Wandteppich ist nach vielen Jahren in Jerusalem und Berlin wieder im Land

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
27. März 2018, 16:17 Uhr

Ein Stück textile Zeitgeschichte kommt von Berlin und Jerusalem zurück nach Dithmarschen. Der „Bildteppich“ der Anna Bump steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Anna webt Reformation“ im Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf. Der 3,50 Meter lange Wandteppich ist in Dithmarschen im Jahr 1667 zum 150. Jahrestag der Reformation fertiggestellt worden. Auf ihm sind 50 Szenen aus dem Leben Christi zu sehen. Der Wandteppich besteche durch „seine Detailliebe und hochwertige Handarbeit“, sagte Museumsleiterin Jutta Müller bei der Präsentation. Bis heute beschäftige sich die Forschung mit seiner Herkunft.

Der Wandteppich befindet sich seit 1971 im Besitz des Museums für deutsche Volkskunde, dem heutigen Museum Europäischer Kulturen in Berlin. Zuvor hing es im Israel Museum in Jerusalem, wohin es 1955 durch eine Schenkung aus den USA gelangte. Die Bildmotive reichen von der Geburt Jesu bis zu seiner Wiederkehr als Weltenrichter.

Bildzitate aus Luthers Bibel-Ausgabe von 1545 und Verweise auf Bibelstellen umrahmen in Hochdeutsch die Bilder. Außerdem sind exotische Motive wie Elefant, Rhinozeros, Pflanzen und Fabelwesen zu entdecken. Die Ausstellung läuft bis zum 19. August.

Der Titel der Ausstellung „Anna webt Reformation“ verweist auf die in den Teppich eingewebte Signatur „Anna Bump“ und ein Familienwappen. Anna Bump wurde 1644 in Kleve im nördlichen Dithmarschen geboren. Ob sie den Teppich tatsächlich webte, entwarf oder stiftete, ist nicht endgültig geklärt. Auch ob er für eine Kirche gefertigt wurde, an welchen Orten er im 19. Jahrhundert hing und warum er einst in drei Teile zerschnitten und wieder zusammengefügt wurde, ist bis heute ein Rätsel.

Auffallend sei das künstlerisch-handwerkliche Niveau, betonte Müller. Es stelle die biblischen Geschichten und die Alltagswelt des 17. Jahrhunderts in vielen Facetten dar. Müller: „Er ist ein wertvolles Kunstwerk der nachreformatorischen Zeit, das international anerkannt ist.“ Die handwerkliche Arbeit spiegele flämische Einflüsse wider, da viele Flamen, die wegen ihres protestantischen Glaubens fliehen mussten, in Norddeutschland eine neue Heimat fanden und als Weber über das Land zogen.

Ergänzt wird die Meldorfer Ausstellung durch zeitgenössische Objekte aus dem Kircheninventar der Region, Textilien, Möbel mit Schnitzereien christlicher Motive und verschiedene Objekte der Alltagskultur. Sie gewährt Einblick in die bäuerliche Welt Dithmarschens in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

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