Die Mühlen der Justiz mahlen nicht immer langsam

shz.de von
13. Juli 2015, 02:59 Uhr

Nach der Prügelattacke auf einen alten Mann in Salzgitter muss ein 20-Jähriger zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Seine 17-jährige Komplizin wurde vom Jugendschöffengericht in Salzgitter am Freitag zu einer Jugendstrafe auf Bewährung von einem Jahr verurteilt. Das sagte der Direktor des Gerichts, Eckart Müller-Zitzke. Die beiden jungen Leute hatten vor einigen Monaten einen 72-Jährigen in dessen Wohnung in Salzgitter zusammengeschlagen und sich dabei gegenseitig gefilmt.

Der Rentner hatte die beiden in seine Wohnung eingeladen, er kannte die jungen Leute vom gemeinsamen Trinken. Warum es dann zu dem Gewaltausbruch kam, blieb im Prozess weitgehend unklar, Opfer und Täter hatten zuvor erneut gemeinsam Alkohol getrunken.

Die Aufnahmen des brutalen Angriffs hatten sich am vergangenen Montag rasant im Internet verbreitet. Daraufhin gingen bei der Polizei Hunderte Hinweise auf die Täter ein. In den zwei kurzen Filmen ist zu sehen, wie die 17-Jährige den sitzenden Mann mehrfach gegen den Kopf tritt und ihn bespuckt. Der 20-Jährige tänzelt wie ein Boxer um ihn herum und schlägt ihm mit der Faust mehrfach ins Gesicht. Das Opfer wirkt geschwächt und wehrt sich kaum. Das Video hatte bei vielen Menschen Entsetzen ausgelöst.

Nach Bekanntwerden der Tat ging es bei der Justiz Schlag auf Schlag. Noch am Montag wurden beide Täter verhört, wenig später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Bereits am Freitag kam es dann zum Prozess. Die Täter zeigten sich geständig. Sie hätten auch auf Ladungsfristen verzichtet, deswegen habe es ein zügiges Verfahren geben könne, sagte der Richter.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten den Mann verprügelten und ihn ohne Erlaubnis filmten. Beide Täter standen schon zuvor vor Gericht. Der 20-Jährige musste sofort ins Gefängnis. Die junge Frau muss 100 Sozialstunden leisten und vier Wochen Warnschussarrest absitzen.

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