„Blaues Pferd“ und „Potsdamer Platz“ : Die lohnende Kunst des Fälschens: Ausstellung in Fabrik der Künste in Hamburg

Teil der Schau: Eine Fälschung von Van Goghs „Sieben Sonnenblumen“.
Teil der Schau: Eine Fälschung von Van Goghs „Sieben Sonnenblumen“.

Hamburger Schau gibt bis 8. Juli Einblicke in das spannende Thema Kunstfälschung.

shz.de von
03. Juni 2018, 12:36 Uhr

Hamburg | Sogar die Mona Lisa ist dabei. Natürlich nicht die aus dem Pariser Louvre von Leonardo da Vinci, aber eine ziemlich echt aussehende Kopie von den Brüdern Posin, die ganz legal als Kopisten arbeiten und in Berlin einen Kunstsalon betreiben.

Daneben hängen berühmte Gemälde wie „Blaues Pferd“ von Franz Marc oder „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner – ebenfalls gefälscht. „Das Thema Kunstfälschung ist brisant, weil es sehr oft vorkommt, und weil niemand gerne zugeben möchte, dass er sich da hat täuschen lassen“, sagt Kuratorin Katharina Hecker.

Die Fabrik der Künste in Hamburg gibt bis zum 8. Juli Einblicke in das spannende Thema Kunstfälschung – von legal angefertigten Kopien berühmter Kunstwerke bis hin zu Kunstfälschungen mit kriminellem Hintergrund. Zu sehen sind rund 70 Werke berühmter Meisterfälscher, wie Edgar Mrugalla oder Konrad Kujau, aber auch legal arbeitender Kopisten, wie die Gebrüder Posin. „Es kommt sogar immer mal wieder vor, dass auch in Museen Fälschungen hängen“, sagt Hecker. So enttarnte der „König der Kunstfälscher“ Mrugalla ein angebliches Gemälde von Max Liebermann in der Hamburger Kunsthalle als von ihm gemalt. „Wir wollen die Fälscher weder hypen noch als Schwerkriminelle darstellen“, erklärt Hecker. Vielmehr gehe es um die Geschichten dahinter.

So sei Mrugalla (1938-2016) ein Trödelhändler gewesen, der angefangen habe, sich mit Kunst zu beschäftigen und schließlich selbst malte. Da sich jedoch niemand für seine Werke interessierte, spezialisierte er sich auf Fälschungen. „Wenn das funktioniert, berauscht das auch“, meint Hecker.

Für einen der größten Presse-Skandale in der bundesdeutschen Geschichte sorgte die Veröffentlichung der vermeintlichen „Hitler-Tagebücher“ im Magazin „Stern“ im Frühjahr 1983. Geschrieben hatte die Tagebücher Konrad Kujau (1938-2000), der dafür drei Jahre ins Gefängnis ging – in der Ausstellung sind einige der Manuskripte zu sehen. Nach seiner Haftstrafe nutzte Kujau seine gewonnene Popularität und eröffnete ein eigenes Atelier, in dem er „original Kujau-Fälschungen“ offiziell verkaufte. „Diese gefälschten Werke wurden bei Sammlern so beliebt, dass sie wiederum gefälscht wurden“, erklärt Hecker. So tauchte beim Internet-Auktionshaus eBay eine Flut gefälschter Kujau-Fälschungen auf. Eine dieser gefälschten Fälschungen – ein Gemälde im Stil Gustav Klimts – wird ebenfalls in Hamburg gezeigt.

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