Die Jäger mit den Federohren

Sie haben feurige Augen, buschige Ohren und gehen lautlos auf Beutejagd: Waldohreulen kommen in Schleswig-Holstein häufiger vor als man denkt.

shz.de von
20. Mai 2018, 15:50 Uhr

Man sieht sie nur auf den zweiten Blick: am Tag, wenn man den Kopf in den Nacken legt und weiß, wonach man gezielt Ausschau halten muss, in der Dämmerung allerdings auch mal beim Beuteflug.

Dabei sind Waldohreulen hierzulande längst nicht so selten wie andere Eulenarten und zudem weniger zurückhaltend, was die Nähe des Menschen angeht. Sie leben in Nadelwäldern und dabei gern in der Nähe von Feuchtgebieten: gute Jagdreviere. Sie leben aber auch auf Friedhöfen, in Parks, sogar in privaten Gärten – solange der Lebensraum hergibt, was sie brauchen: hohe Bäume und Beutetiere.

Waldohreulen richten sich gern hoch oben, bevorzugt in Koniferen und Nadelbäumen, häuslich ein, am liebsten in verlassenen Nestern von Krähen oder Elstern. Und sie sind typische Vertreter der Ordnung der Eulen, also Jäger. Ihre Nahrung besteht zum größten Teil aus Wühlmäusen, aber auch anderen Mäusearten, Kleinvögeln und Käfern. Ihre Beute greifen sie im Flug mit vorgestreckten Fängen und töten sie durch Zerquetschen des Kopfes.

In Schleswig-Holstein kommen die 35 bis 37 Zentimeter großen Greifvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 95 Zentimetern landesweit vor. Die Waldohreule sei „sicherlich die Eulenart in Schleswig-Holstein, die am häufigsten von uns Menschen wahrgenommen wird, da sie sich gern in der Nähe menschlicher Siedlungen aufhält“, heißt es in der vom Landesverband Eulenschutz herausgegebenen Broschüre „EulenWelt“. Das heißt, die Tiere sind klassische Kulturfolger, da sie von den Lebensgewohnheiten und Strukturen der Menschen profitieren. Doch auch wenn diese sich häufig in der Nähe des Menschen aufhalten, sind sie schwer zu entdecken. Das hat erstens mit ihren gut geschützten Wohnorten zu tun und zweitens mit der Tatsache, dass sie nachtaktiv sind und den Tag verschlafen.

Zu hören sind sie jedoch umso besser, besonders in der Balzzeit (die bereits im Februar beginnt) mit einem dumpfen „Huh, huh, huh“. Die Brutzeit erstreckt sich von März bis Juni, wobei das Weibchen 28 Tage lang auf drei bis sieben Eiern hockt. In dieser Zeit ist das Männchen für die Nahrungsbeschaffung zuständig.

Wenn die Jungen heranwachsen, kann man auch sie schon mal unbeweglich auf einem Ast hocken und mit großen Augen die Welt beobachten sehen. Diese Augen sind ein außergewöhnliches Merkmal der Waldohreulen. Sie sind leuchtend feuergelb bis glutrot und befähigen sie, auch in der Dunkelheit gut zu sehen. Auffallend sind außerdem die Federohren, die meist hoch aufgerichtet sind, im Flug auch angelegt werden. Außerdem kann diese Eulenart lautlos fliegen und den Kopf um fast 270 Grad drehen.

Bis in den Juli hinein, wenn die Jungen das Nest verlassen, machen auch sie sich oft mit durchdringenden Lauten bemerkbar: mit fiependen Bettelrufen in den Abendstunden und der Dämmerung. Diese gelten den Eltern, die den Nachwuchs, auch wenn er das Nest verlassen hat, noch einige Wochen versorgen.

Waldohreulen kommen fast überall in Europa vor. Dabei sind sie je nach Region Standvögel oder Kurzstreckenzieher. So finden sich im Winter Exemplare aus Skandinavien in Deutschland – auch in Schleswig-Holstein – ein, um die kalte Jahreszeit hier zu verbringen, während andere, die hier brüten, sich dann gen Süden bewegen. Darum gehören die Greifvögel zu den einheimischen Vogelarten, die man das ganze Jahr über beobachten kann.

Im nordfriesischen Tönning zum Beispiel hatten sich im vergangenen Herbst an einem Tag gleich neun Exemplare im Schlossgarten zu versammelt. Man darf vermuten, dass hier „nordfriesische“ Eulen auf Verwandte aus Skandinavien trafen. Dort, im Tönninger Schlossgarten, ziehen Waldohreulen auch alljährlich Junge groß. In Schleswig-Holstein gehören die Tiere zu den acht Eulenarten, die hier als Brutvögel vorkommen. Ihr Gesamtbestand hierzulande wird auf etwa 1850 Brutpaare geschätzt.

Tonaufnahmen der verschiedenen Rufe der Waldohreule sind auf der Website des Landesverbandes Eulenschutz hier zu hören: http://www.eulen.de/eulen/woe.php

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen