Die große Wucher-Frage: Was darf eine Maske kosten?

Margret Kiosz von
22. April 2020, 11:27 Uhr

Kiel | Das lernen Schüler gleich zu Beginn ihres Wi-Po-Unterrichts: „Der Preis zeigt die relative Knappheit von Gütern an. Je größer die Knappheit, desto höher der Preis.“ Und weil Schutzmasken seit Monaten knapp sind, explodieren die Preise – eine Entwicklung, die durch die Mundschutzpflicht jetzt noch an Fahrt aufnehmen könnte.

„50 Einmal-Masken für 79,90 Euro“ wirbt ein Kieler Unternehmen – ist das wirklich ein Sonderpreis oder Wucher, fragen sich die Bürger. Der gleiche Artikel kostete zu Vor-Coronazeiten nur einen Bruchteil. 50 Masken waren Ende 2019 noch für 2,44 erhältlich. Im Februar für 39,90. Und wer sich Zeit nimmt und im Netz sucht, findet auch jetzt noch 50 Stück für 59,90 Euro – sofort lieferbar und versandkostenfrei.

Wenn jetzt ein Vielfaches des früheren Preises für diesen Mundschutz – auch als OP-Maske bekannt – gefordert werden, kann man daraus nicht zwangsläufig auf die Raffgier der Anbieter schließen. Als Krisengewinnler haben sich möglicherweise schon die Zwischenhändler oder Produzenten bedient. Bedenken muss man zudem: Die Vliesstoff-Produktion ist weltweit ins Stocken geraten. Der Preis für das Material kletterte auf das Vierzigfache. Und der Transport aus China ist um 500 Prozent gestiegen, weil die Masken nicht mehr als Beifracht in Passagiermaschinen mitfliegen können, die es nicht mehr gibt.

Der Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, Kai Christiansen, verkauft in seiner Angelner Apotheke den Einfach-Mundschutz jetzt für 1,50 Euro – „wenn er denn vorrätig ist“. Das sei schon länger nicht mehr der Fall. Deshalb greifen etliche Kunden auf die höherwertigen FFP2-Masken zurück, zum Preis von 6,95 Euro. Allerdings hat Christiansen auch eine gute Botschaft. „Die Preise sinken, weil das Angebot langsam steigt.“ Für FFP2-Masken musste er vor Kurzem 10,95 im Einkauf zahlen. Noch scheint sich der Trend aber nicht überall durchzusetzen. Der Klamotten-Hersteller Trigema, der jetzt auch Masken näht, verlangt nach wie vor stolze 12 Euro pro Stück. 350 000 hat er bereits ausgeliefert, Millionen stehen noch in den Büchern. Derweil warnt die Verbraucherzentrale, Wuchergeschäfte seien sittenwidrig, strafbar und nichtig.

Zwar stimmen momentan selbst Stadtoberhäupter in das Lamento über knappe, teure Einmal-Masken ein, für Normalbürger reicht aber ein selbstgenähter Mund-Nasenschutz völlig aus – hilfsweise sogar ein eng vor den Mund gewickeltes Halstuch.

Bei Ebay werden inzwischen solche wiederverwendbare und damit nachhaltige Masken ab vier Euro angeboten – also für weniger als eine Schachtel Zigaretten kostet. Je nach Qualität und Stoff können hier die Preise bis zehn Euro als „normal“ angesehen werden. Wer spezielle Muster oder Logos wünscht, muss etwas draufzahlen. Beim örtlichen Bäcker oder auf dem Wochenmarkt werden die Do-it-yourself-Stücke ebenfalls günstig angeboten – made in Husum, Flensburg oder Pinneberg. Pro Person werden mindestens zwei Stoffmasken benötigt, damit man nach einem Tag wechseln kann. Ganz günstig wird es übrigens, wenn man selber näht.

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