Lichtverschmutzung : Die dunkle Seite des Lichts

Margret Kiosz von
05. Februar 2020, 15:08 Uhr

Den Sternenhimmel kennt mancher Mitteleuropäer nur noch von Fotos. Die starke Beleuchtung der Erde mit Kunstlicht lässt sogar die Sterne verblassen. Eine amerikanische Studie zeigt, dass 83 Prozent der Weltbevölkerung heute unter lichtverschmutztem Himmel leben. In den USA und Europa sind es sogar 99 Prozent. Unter den G20-Ländern gibt es den höchsten Grad an Verschmutzung in Italien und Südkorea, am niedrigsten ist er in Australien.

Die Folgen sind erheblich: So ist der Einfluss auf Hormone, die einem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegen oder unter einem saisonalen Einfluss stehen (Reproduktionshormone) enorm. So kann der hohe Blauanteil in kaltweißem Licht den Bio-Rhythmus und den Melatoninspiegel der Menschen beeinflussen – und damit Schlafmuster und das Immunsystem. Eine Straßenlaterne vor dem Schlafzimmerfenster kann den Schlaf massiv stören mit ungeahnten folgen wie Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und erhöhtem Krebsrisiko. Nicht umsonst wird Licht auch als Foltermittel eingesetzt.

Die American Medical Association warnt deshalb vor künstlichem Licht in der Nacht, insbesondere vor Licht mit hohem Blauanteil, wie es von weißen LEDs produziert wird.

Etwa 30 Prozent der Wirbeltiere und sogar über 60 Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv und können durch künstliches Licht beeinträchtigt werden. Laut Nabu (Naturschutzbund Deutschland) irritiert künstliches Licht sogar die Zugvögel. Angelockt vom Flutlicht einer Burgruine setzten zum Beispiel mehrere tausend Kraniche zur Landung in der hessischen Kleinstadt Ulrichstein an. Die Vögel prallten gegen Fenster, Autos und Lichtmasten. Erst nachdem die grellen Burglichter und die Straßenbeleuchtung gelöscht wurden, sammelten sich die Kraniche und stiegen wieder auf zu ihrem Flug ins Winterquartier. Die gute Nachricht: Die Verwendung von warmweißem Licht kann die negativen Auswirkungen auf viele Organismen abmildern und wird von Menschen als angenehmer wahrgenommen.“

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