Stoltebüll : „Der Sonntagsbraten ist okay“

Nadine Flor (links) und Lucie Lohse am Bio-Büfett mit vielen leckeren Brotsorten.
Nadine Flor (links) und Lucie Lohse am Bio-Büfett mit vielen leckeren Brotsorten.

Auf dem Bio-Hof Spannbrück in Gulde fand ein Fest zum Thema Welternährung statt.

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02. Juni 2019, 18:34 Uhr

Stoltebüll | Was hat unser Essen mit der Welternährung zu tun? Um diese Frage drehte sich alles auf dem Hoffest auf dem Bio-Hof Spannbrück in Gulde, zu dem Sönke Thiessen und Ute Hörcher sowie das regionale Biohof-Netzwerk „Bio-von-hier“ am gestrigen Sonntag eingeladen hatten – mit einem vollen Programm: angefangen mit dem Gottesdienst mit Propst Helgo Jacobs über Vorträge von Vertretern der Landesregierung sowie der kirchlichen Organisationen „Brot für die Welt“ und „Miserior“ bis hin zu einer Vielzahl von Infoständen und Livemusik mit der Band der Jugendkirche Flensburg.

Dr. Dieter Fahnert vom Landwirtschaftsministerium aus Kiel berichtete über die Anstrengungen der Landesregierung für mehr Nachhaltigkeit im Land. „Ich bin nicht zufrieden damit, wie es jetzt in Schleswig-Holstein läuft“, sagte er, aber Fortschritte gebe es. Der Nachhaltigkeitsbericht der Landesregierung soll im Herbst fertig sein und als eines von acht Handlungsfeldern auch die „Globale Verantwortung“ benennen. Sein Credo: „Druck von unten ist wichtig. Machen Sie Druck!“

Stig Tanzmann, Agrarwissenschfatler von „Brot für die Welt“, war aus Berlin angereist. Er erläuterte, dass trotz immer höherer Produktionsquoten der Landwirtschaft seit einigen Jahren die Zahl der Hungernden weltweit wieder zunehme. Eine wesentliche Ursache sei, dass auf mehr als der Hälfte aller Produktionsflächen Energiepflanzen und Tierfutter für die Fleischproduktion angebaut werden. Die Fleischproduktion sei in den vergangenen 50 Jahren etwa dreimal so stark angestiegen wie die Weltbevölkerung.

Markus Wolter von der katholischen Organisation „Misereor“, der einst seine Ausbildung zum Landwirt auf dem Hof in Spannbrück absolvierte, vertiefte das Thema mit der Aussage, dass es heute nicht mehr nur um die Bekämpfung des wirklichen Hungers gehe. Vielmehr gebe auch das Problem der Unter- und Überernährung. „Jeder dritte Mensch weltweit ist fehlernährt“, sagte er. Dazu zählten ebenso die zunehmende Zahl an Übergewichtigen, wie auch diejenigen, denen nur ein sehr einseitiges Nahrungsmittelangebot zur Verfügung stehe und die mangelernährt seien. Wolter erläuterte zudem die Zusammenhänge zwischen dem Flächenverbrauch und dem Ertrag. So benötige man etwa 100 mal so viel Fläche für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch wie für ein Kilo Kartoffeln. Auch der Anbau von Palmöl, das in den meisten Produkten des täglichen Bedarfs steckt, zerstöre die natürlichen Lebensgrundlagen und sei Ursache von Vernichtung der Savanne und Urwald, wie er am Beispiel Brasilien anführte.

Abschließend bekannte er sich dazu, dass er durchaus gern Fleisch isst, aber eben nicht zu oft. „Jeder muss die Verantwortung für sich selbst übernehmen, jeder dort wo er kann“, resümierte er. Das Ziel sei es, weniger wegzuwerfen, regional und bio einzukaufen und den Fleischkonsum zu reduzieren. Der „Sonntagsbraten“ sei durchaus okay.

Den Sonntagsbraten gab es dann an einer Vielzahl von Ständen mit regionalen und biologisch angebauten Wurst- und Fleischangeboten, aber auch Käse, Kartoffeln und Gemüse. Ein Fairtrade-Stand war ebenso dabei wie eine Imkerei, die Biokiste „Lebendiges Land“ aus Dollerup und ein großes Buffet, das die beteiligten Bio-Höfe im ehemaligen Stall zubereitet hatten. Dazu gab es auch ein Mitmachangebot der besonderen Art: Ute Hörcher forderte alle Gäste dazu auf, in der Spülküche mit anzupacken und ihre Teller selbst abzuwaschen.

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