Tierfotograf aus SH : Der Momentesammler – zwischen Vogeljagd und Meditation

Ein Seeadler im Katinger Watt.

Ein Seeadler im Katinger Watt.

Mit Engelsgeduld und dem Gespür für den richtigen Augenblick fängt Hobby-Fotograf Matthias Kirsch Tier und Natur ein.

shz.de von
09. September 2018, 16:08 Uhr

Mucksmäuschenstill verharrt er im hohen Gras. Die kleinste Bewegung könnte schon zu viel sein. Kein Rascheln im Laub, kein Räuspern ist zu hören. Dafür nimmt der Fotograf auch schmerzende Knie und eingeschlafene Hände in Kauf. Stunden kann es dauern, bis er das perfekte Motiv im Kasten hat. „Mit der Zeit verschmilzt man mit der Natur“, sagt der 36-Jährige, der mit seinem schweren Teleobjektiv unter dem grünbraunen Tarnnetz verschwindet.

Schon früh hat Matthias Kirsch das Fotografieren für sich entdeckt. „Als Kind habe ich alle Tierfilme von Heinz Sielmann verschlungen“, erinnert er sich an die Initialzündung für sein späteres Hobby. Mit einer kleinen Schnappschusskamera werden die Rehkitze vor seinem Kinderzimmerfenster seine ersten Übungsobjekte. Alles, was er über das Fotografieren weiß, lernt er im Selbststudium.

Matthias Kirsch.
Privat

Matthias Kirsch.

 

Längst schon hat er seine Ritsch-Ratsch-Kamera gegen eine Sammlung an Spiegelreflex-Technik und Objektiven eingetauscht. Egal, ob es stürmt oder die Sonne brennt, wenn der Wahl-Flensburger Zeit hat, setzt er sich ins Auto, um an Schleswig-Holsteins Küsten zu fahren. Weil es dort die besten Motive für den Hobby-Fotografen gibt und weil Wasser für ihn ohnehin die größte Anziehungskraft hat. Doch das eine oder andere seiner Lieblingsbilder ist auch schon direkt vor der Haustür entstanden.

Eine Schwanenfamilie in Glücksburg.
Matthias Kirsch

Eine Schwanenfamilie in Glücksburg.

 

Während Andere sich bei Unwetter in den schützenden vier Wänden einigeln, wirft Kirsch sich die Regenjacke über, um sich auf die Jagd nach dunklen Gewitterwolken und Blitzen zu machen. „Manchmal bin ich einen ganzen Tag für ein einziges Foto unterwegs, ein anderes Mal brauche ich dafür nur meine Mittagspause“, berichtet er.

Vor allem Vögel will der Journalist vor die Linse bekommen. Im Laufe der Jahre hat er sich zum Experten entwickelt, kann beinahe jede Art benennen und weiß, wo und wann welcher Vogel zu finden ist. Die Eule im Feld, weite Adlerschwingen, der Spatz auf dem Zaun, die Amsel auf der heimischen Terrasse und die Möwe im Landeanflug – alles Momente, die Matthias Kirsch mit perfekten Verschlusszeiten und Brennweiten festhält. Ebenso lassen sich die grasenden Schafe auf dem Deich und das Eichhörnchen auf Futtersuche von dem tiefenentspannten Fotografen aus dem Hinterhalt nicht aus der Ruhe bringen.

Ein Eisvogel ist dem Fotografen auch vor die Linse gekommen.
Matthias Kirsch
Ein Eisvogel ist dem Fotografen auch vor die Linse gekommen.
 

Oft legt Matthias Kirsch seine Kamera einfach beiseite und beobachtet still. „Meine Meditation“ nennt er das und „ein Ausgleich zu meinem stressigen Bürojob“. Hin und wieder lässt er ein Bild in Papierform abziehen und verkauft es. „Doch Marketing beherrsche ich irgendwie nicht.“ Einmal im Jahr gibt er zudem einen Fotokalender heraus.

Im Moment macht er sich auf die Suche nach einem Blaukehlchen an der dänischen Grenze. „Das ist jedes Jahr wieder ein riesiges Spektakel“, sagt er, bevor er wieder seine Kameratasche schultert.

Tier- und Landschaftsfotografien von Matthias Kirsch unter dem Titel „Weitblick“ sind von September bis Dezember 2018 in der Galerie Sandberg im Awo-Servicehaus, Schulze-Delitzsch-Straße 21a, zu sehen. Zur Vernissage wird am Sonnabend, 15. September um 15 Uhr, eingeladen.
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