Der Februar wird zum T-Shirt-Monat

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01. März 2019, 20:49 Uhr

Wohlgemerkt – der Februar ist ein Wintermonat. In diesem Jahr hat er es mit dem Norden jedoch besonders gut gemeint: „Mit knapp 110 Stunden erzielte Schleswig-Holstein einen neuen Sonnenscheinrekord“, bilanziert der Deutsche Wetterdienst (DWD). Das langjährige Mittel liegt weit darunter, bei nur 65 Stunden. Auch bei den Temperaturen kann sich das nördlichste Bundesland sehen lassen: Im Mittel brachte der jüngste Februar hier satte 4,7 Grad Celsius auf – gegenüber 0,7 Grad im vieljährigen Mittel.

Das ist nicht immer so: Noch im vergangenen Jahr war der Februar in Schleswig-Holstein im Schnitt minus 0,5 Grad kalt. Immerhin: Mit diesem Wert war Schleswig-Holstein hinter Bremen das zweitmildeste Bundesland. Vielleicht wäre der Februar 2018 ja kühler ausgefallen, hätte sich die Sonne in jenem Monat nicht genauso rekordverdächtig durch die Wolken gezwängt: mit ebenfalls etwa 110 Stunden.

Okay – es gab auch bitterkalte Zeiten in Schleswig-Holstein. So weisen die DWD-Aufzeichnungen für 1929 ein Februarmittel von minus 8,8 Grad, und für 1947 und 1956 immerhin noch minus 6,9 Grad aus.

Aber: „Wer ein bisschen genauer hinguckt, dem fällt auf, dass die Februare mit der Zeit immer weniger kalt sind“, sagt Gerhard Lux, Diplom-Meteorologe und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Und stellt die Frage in den Raum: „Wundert Sie das?“

Nein, tut es nicht. Nicht nur mit dem Nord-Blick auf den Februar wird die globale Erwärmung vor Augen geführt. Auch andere Trends lassen diesen Schluss zu, erklärt Lux. So lagen seit April vergangenen Jahres bis zum jüngsten Februar die Monatsmitteltemperaturen in Deutschland jeweils stets über dem vieljährigen Mittel. „Das sind elf Monate in Folge“, betont der Diplom-Meteorologe. Dass sich ein Wetter-Phänomen so viele Monate hintereinander wiederholt – „das hat es im vergangenen Jahrhundert nicht gegeben“, sagt Lux.

Über den Globus gerechnet, verzeichnen die Klimaforscher seit 1881 eine Erwärmung von einem Grad. In Deutschland mit seiner Lage auf der Nordhalbkugel hat sich die Jahresmitteltemperatur im selben Zeitraum deutlicher erhöht: um 1,5 Grad. In Schleswig-Holstein wird der Klimawandel dagegen leicht gedämpft – dank der Lage zwischen Nord- und Ostsee liegt hier der Anstieg bei „nur“ 1,3 Grad.

Gleichwohl gab es in jüngerer Zeit bereits vier Februare im Norden, die wärmer waren als in diesem Jahr: 2014 mit 4,9 Grad, 2002 mit 5,1 Grad und 1998 mit 5,4 Grad. Der Februar 1990 stellte hingegen alles in den Schatten: Bei einem Monatsmittel von 6,3 Grad Celsius holten nicht wenige Schleswig-Holsteiner bereits ihre T-Shirts aus dem Schrank.

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