„Der Beruf führt zur Überbelastung“

Kindergartenleiterin Ingrid Rudloff zeigte den Politikern die anstehenden Arbeiten am Spielplatz.
Kindergartenleiterin Ingrid Rudloff zeigte den Politikern die anstehenden Arbeiten am Spielplatz.

Kita-Leiterin berichtet von 50 Prozent auffälligen Kindern und erkrankten Erziehern

shz.de von
06. September 2018, 16:05 Uhr

Während einer Begehung des Städtischen Kindergartens informierte Kita-Leiterin Ingrid Rudloff die Mitglieder des Bildungsausschusses über bereits durchgeführte und angedachte Sanierungsarbeiten im Innen- und Außenbereich. Laut Rudloff zeigen mittlerweile die Hälfte aller neuen Kindergartenkinder Auffälligkeiten in den Verhaltensweisen.

Garten und Spielplatz des Kindergartens Herderstraße werden umgestaltet. Statt mit Autoreifen sollen die Sandflächen mit Holzelementen eingefasst werden. Durch eine größere Anzahl an Gehwegplatten sollen die Kinder mehr Platz haben, mit ihren Fahrzeugen herumzuflitzen. Neu entstehen sollen ein Fühlpfad mit verschiedenen Materialien, ein Klangspiel und ein Kräutergarten. „Eine neue Begrünung, Büsche und Findlinge sollen die Flächen auflockern“, so Rudloff. Auch der Eingangsbereich soll attraktiver werden: Mülltonnen werden abgedeckt und der Abstellplatz für Räder versetzt.

„Die Arbeiten werden in drei Etappen durchgeführt, so dass die Kinder noch draußen spielen können“, kündigte die Kindergartenleiterin an. Zusätzlich zu den bereits geplanten Maßnahmen wünscht sie sich im Außenbereich Tische und Bänke für Kinder und Erwachsene, zum Picknicken und Malen, und beantragte die Anschaffung bei den Politikern.

In beiden Gebäuden des Städtischen Kindergartens, an der Herderstraße und am Esinger Steinweg, wurden die Decken bereits mit Schallschutz verkleidet. Es hallt nun weniger, die Geräusche sind gedämpfter. „Darüber sind wir sehr glücklich“, so Rudloff. Außerdem wurden die Häuser mit Markisen ausgestattet, die im Sommer Schatten spenden. Bürgervorsteher und CDU-Ratsherr Adolf Bergmann monierte, dass sie über keinen elektrischen Antrieb verfügen und einzeln per Kurbel ein- und ausgefahren werden müssen.


Ein neuer Fußbodenbelag soll eingebaut werden

In die Gruppenräume in der Herderstraße wurden Kinderküchen eingebaut. An den niedrig gehaltenen Arbeitsflächen können auch die Kleinen mitkochen. Induktionsherde mit Schutzgittern verhindern Verbrennungen. Damit Kleinkindern beim Spielen in der Krippe nicht zu kalt wird, soll dort ein neuer Fußbodenbelag her. Die Vorschläge der Politiker fielen parteispezifisch unterschiedlich aus: Jens Ewald (Grüne) präferierte Kork, Bergmann eine elektrische Fußbodenheizung.

Für die Kita Herderstraße ist derzeit ein neues Raumkonzept in der Entstehung, auch sollen die Räume renoviert werden. „Wir sind gerade bei der Grundlagenermittlung, einen Vorentwurf wird es im November geben“, sagte Innenarchitektin Tonja Bartusch. „Ziel ist es, den Kindergarten attraktiver zu machen“, so Bartusch. Rudloff betonte die Notwendigkeit der Renovierung. „Heute werden Gruppenräume anders eingerichtet, zum Teil sind die Möbel von vor 45 Jahren.“

Rund 50 Prozent aller Kinder zeigten Auffälligkeiten, beantwortete Rudloff eine Frage von Bergmann. Darunter seien Integrationskinder mit Behinderungen, aber auch reizüberflutete oder hyperaktive Kinder, solche mit Wahrnehmungsstörungen oder Kids, die sich zurückzögen und nur schwer zu integrieren seien. Mit festen Strukturen und Regeln gelinge es den Erziehern, Defizite nachzuholen.

Jens Ewald (Grüne) fragte, was das Kita-Personal von einer Anhebung der Gruppenstärke von 20 auf 22 Kinder halte. „Wir haben sehr darum gekämpft, die Gruppenstärke niedrig zu halten“, antwortete Rudloff und ergänzte: „Wir haben auch Flüchtlingskinder, die zum Teil traumatisiert sind und ganz viel Zuwendung brauchen.“ Schon jetzt gebe es unter den Erziehern viele Langzeiterkrankte, die Leiterin selbst ist oft im Gruppendienst im Einsatz. „Der Beruf führt zur Überbelastung“, so ihr Urteil.

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