Den Versorger wechseln – und Geld sparen

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Margret Kiosz von
29. November 2018, 10:31 Uhr

Neue Kunden werden beschenkt, treue Kunden zahlen drauf – im Strommarkt ist dieses Geschäftsmodell Standard und für viele Verbraucher ein Anlass zum Anbieterhopping. Inzwischen haben findige junge Unternehmer dies zu ihrer Geschäftsidee gemacht: Sie bietet Verbrauchern an, dieses Dauer-Wechseln zu übernehmen und so die Stromrechnung quasi laufend zu optimieren. Wechsel-Bots – so der Überbegriff für diese Start-ups – heißen zum Beispiel SwitchUp.de, Cheapenergy24 oder Wechselfuchs. „Mit einem Wechsel des Stromanbieters lassen sich nicht nur die Preiserhöhungen abwehren, sondern auch hunderte Euro zusätzlich sparen“, berichtet Arik Meyer, Gründer von SwitchUp.de. Er rechnet vor: „In Kiel kann man aktuell 278 Euro bei Strom einsparen . Bei Gas ist die Ersparnis noch höher: In Flensburg liegt sie aktuell bei 1112 Euro, damit kann man die Hälfte der Gaskosten einsparen, wenn man noch nie zuvor den Anbieter gewechselt hat“.

Das Kundenpotenzial, auf das die Tarifoptimierer bauen, ist enorm, denn auch 20 Jahre nach der Liberalisierung des Energiemarktes sind viele Verbraucher zurückhaltend, wenn es um den Wechsel des Strom- oder Gasanbieters geht. Zu viel Aufwand, zu viel Risiko – so die häufigsten Bedenken. Immer noch verharren zwei von drei Kunden laut Bundesnetzagentur in der überteuerten Grundversorgung. „Diesen unerfahrenen Wechslern möchten wir helfen . Wir übernehmen nicht nur die Suche und den Wechsel zum richtigen Tarif, sondern prüfen auch danach fortlaufend rechtzeitig vor Ablauf der Kündigungsfrist oder bei einer Preiserhöhung erneut, ob es ein besseres Angebot gibt und optimieren den Tarif vollautomatisch“, beschreibt Meyer das Verfahren. Der Kunde meldet sich nur einmal an, kann dabei individuelle Präferenzen wie zum Beispiel Ökostrom angeben. Rechtzeitig bevor der aktuelle Vertrag ausläuft wird geprüft, ob sich ein erneuter Wechsel lohnt. Das Sparpotenzial ist dasselbe wie beim Selbst-Wechseln über klassische Vergleichsportale.

Nur von Luft und Liebe lebt es sich natürlich auch als Tarifoptimierer nicht. Wechselfuchs oder Cheapenergy24 verdienen ihr Geld dadurch, dass sie einen Anteil von 20 bis 30 Prozent der Ersparnis ihrer Kunden behalten. SwitchUp.de finanziert sich wie die großen Vergleichsportale über eine Provision des neuen Strom- oder Gasanbieters und ist dadurch kostenfrei für die Nutzer.

Das Berliner Unternehmen hat nach eigenen Angaben inzwischen einen fünfstelligen Kundenstamm , darunter auch etliche im Norden. Im Schnitt würden diese 477 Euro pro Jahr sparen.

Trotzdem: Verbraucherschützer raten, sich nicht allein auf die Tarifoptimierer zu verlassen. Die Frage sei nämlich, ob man wirklich Bestpreise bekomme oder nur gute Preise.

SwitchUp.de wurde 2015 von Arik Meyer gestartet, der zuvor bereits das Unternehmen Audible.de erfolgreich in Deutschland aufgebaut hat, welches 2009 von Amazon übernommen wurde. SwitchUp.de ist 2017 um Faktor 4,6 im Vergleich zum Vorjahr gewachsen.

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