Decathlon: Kompromiss „tut weh“

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Einigung zwischen Stadt und Plaza: Sportartikelhersteller will auch kleine Filiale in Innenstadt eröffnen, erwartet aber kein rentables Geschäft

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06. Juni 2019, 10:20 Uhr

Kiel | Der Konflikt um die Ansiedlung des französischen Sportartikelherstellers Decathlon zwischen Stadt Kiel und Supermärkte Nord (Plaza) ist beigelegt. Überraschende Lösung: Decathlon will nicht nur im Plaza-Center (Zukünftig: Rewe Center) einen neuen Standort eröffnen, sondern auch einen kleinen „Connect Point“, eine Art Schaufenster mit digitalen Angeboten und Shoppingmöglichkeiten in der Innenstadt. Das erklärte Decathlon-Sprecher Ludger Niemann auf Anfrage. Wenn alles gut läuft, könnten beide Geschäfte noch in diesem Jahr eröffnen.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und die Stadtverwaltung haben die Einigung gestern Abend im Bauauschuss eingebracht. Da aus den Ratsfraktionen bereits Zuspruch kam, wurde kein „Störfeuer“ erwartet. Eine Baugenehmigung für Plaza soll nach einem geändertem Antrag zügig erteilt werden.

Wie berichtet, gab es im Frühjahr Streit zwischen der Stadt und Supermärkte Nord. Aus Sorge um den Einzelhandel in der Innenstadt war den Ansiedlungs-Plänen bei Plaza eine Absage erteilt worden.

Seit zehn Jahren will Decathlon in Kiel Fuß fassen. Wie Sprecher Niemann erklärt, brauche man teilweise sehr lange, „weil es in manchen Oberzentren – wie in Kiel – viel Gegenwind gibt.“ Der Kompromiss bedeutet aus seiner Sicht: „Wir betreten Neuland mit dem „Connect Point“ . Denn eigentlich geben die Zahlen so ein 200- bis 300-Quadratmeter großes Innenstadt-Geschäft für Kiel nicht her.“ Das Konzept habe man für die Top Ten-Großstädte vorgesehen. Niemann: „Wir sind daher realistisch – das wird erst einmal kein rentables Geschäft, und das tut uns sehr weh. Wir gehen da wirklich an unsere Schmerzgrenze. Das erkennt auch der Kieler Oberbürgermeister an.“

OB Ulf Kämpfer teilte mit, die Einigung „ist ein echter Kompromiss, der beiden Seiten viel abverlangt. Wir wollten keine juristische Auseinandersetzung. Ich erwarte keine Jubelschreie, aber ein gewisses Verständnis aus der Innenstadt.“

Sorgen von Einzelhändlern könne er verstehen, so Decathlon-Sprecher Niemann. Aber der Kompromiss beinhaltet eben auch, dass der „große Bruder“ bei Plaza etwas kleiner wird (2790 statt 3000 Quadratmeter) und deutlich weniger Innenstadtsortiment enthält.

Aus der Perspektive von Supermärkte-Nord-Chef Martin Czoske ist dieser Kompromiss „gut für Kiel, da nicht nur die Innenstadt attraktiver wird, sondern auch die Landeshauptstadt als Oberzentrum gestärkt wird. Wir können damit leben. Dafür mussten wir schweren Herzens auf die Ansiedlung von „Action“ verzichten und prüfen, ob wir die 1000 Quadratmeter große Fläche selbst nutzen oder einen Drittanbieter mit nicht zentrenrelevanten Sortimenten suchen.“

Trotz der Bauchschmerzen mit dem geplanten „Mikro-Shop“ in der Holstenstraße will Decathlon den Testballon starten – vorausgesetzt, eine geeigneter Standort für die Filiale wird gefunden. Niemann: „Wir befinden uns derzeit in Verhandlungen mit Vermietern.“

Insgesamt geht das Unternehmen für beide Standorte von einer Investition im siebenstelligen Bereich aus. Voraussichtlich 40 bis 50 Mitarbeiter sollen demnach eingestellt werden. Niemann: „Wenn es gut läuft, können es auch schnell 70 Arbeitsplätze werden.“

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