„Das Wasser verbindet uns alle“

Faszination Meer: Sonni Hönscheid ist mehrfache Weltmeisterin im Stand-Up Paddling.
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Faszination Meer: Sonni Hönscheid ist mehrfache Weltmeisterin im Stand-Up Paddling.

Sportlich und künstlerisch schwebt die Sylterin Sonni Hönscheid auf der perfekten Welle / Ihre Bilder werden in Kampen ausgestellt

shz.de von
30. Juli 2018, 16:52 Uhr

Sie zählt zu den besten Surferinnen der Welt. Die zweite große Leidenschaft von Sonni Hönscheid ist das Malen. Beide Passionen fließen am 18. August auf ihrer Heimatinsel Sylt ineinander – dann wird in Kampen ihre dritte Ausstellung – „Peace Love Sylt III“ eröffnet.

Sylt als Silhouette wird dann eines der wichtigsten Motive sein, in kräftigen Farben, geschwungenen, wellenartigen Formen – den prägenden Stil-Elementen der malenden Weltklasse-Wassersportlerin. Ihre Bilder sind so bunt und lebendig wie ihr Leben – an den schönsten Stränden der Welt.

Ist sie vor der dritten Vernissage noch genauso aufgeregt wie vor der ersten? „Absolut, ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst“, sagt Sonni Hönscheid. Wie hat sich ihre Kunst über die Jahre weiter entwickelt? „Die Linien sind noch definierter geworden, die Muster verändern sich natürlich. Ich mache permanent fast überall auf der Welt neue Erfahrungen – diese fließen in meine Bilder ein, denn Malen ist für mich so wie Tagebuch schreiben“, sagt die Sylterin. Die 37-Jährige freut sich auch deswegen riesig auf ihre dritte Ausstellung im Kaamp-Hüs, „weil ich dadurch wieder eine längere Zeit auf Sylt sein und meine Familie wieder sehen kann.“ Denn die Insel ist und bleibt das Zuhause, die Heimat. „Hier kommen wir her, hier ist unser Vater geboren und aufgewachsen, hier liegt der Ursprung für die Surfleidenschaft unserer Familie“, sagt die Malerin.

Nur auf dieser Insel gebe es im Sommer dieses wunderbare Duft-Gemisch aus Salz, Meer und Heckenrosen. Hier geht Sonni Hönscheid auch besonders gern aufs Wasser – Stand-Up Paddling bei ruhigem Ostwindwetter oder Windsurfing und Wellenreiten bei kräftigem Wind aus West. Sie weiß, wie anspruchsvoll die permanent wechselnden Bedingungen in ihrem Heimatrevier sind. „Unser Vater hat immer gesagt, wer vor Sylt bei extremen Bedingungen Surfen kann, der kann es überall auf der Welt. Ich liebe Herausforderungen, daher liebe ich auch die wilde Nordsee“, sagt Sonni Hönscheid.

Die Künstlerin mit dem entwaffnenden Lächeln wird als zweite Tochter der Surf-Legende Jürgen Hönscheid und seiner Frau Ute auf Sylt geboren. In deren Bauch steht sie schon vor ihrer Geburt auf dem Surfbrett. Als Baby zieht die heute 37-Jährige mit ihren Eltern und dem Surfzirkus rund um die Welt. Als sie vier ist, siedelt sich die Familie auf Fuerteventura an, eröffnet dort einen in der Szene weltweit bekannten Surfshop. Doch alle Hönscheids kehren mehrmals im Jahr für längerer Zeit nach Sylt zurück. Sonni Hönscheid beginnt mit 14 mit dem Wellenreiten. Fast jeden Tag steht sie seitdem auf dem Brett, fährt sich – wie einige Jahre später auch ihre jüngere Schwester Janni – in die Weltspitze, gewinnt zahlreiche internationale Titel.

Noch viel früher, schon als kleines Kind beginnt die Sylterin auf Fuerte mit dem Malen. Die Nachbarinsel Lobos ist damals ihr liebstes Motiv. Auch diese zweite Leidenschaft lässt die Top-Sportlerin bis heute nicht mehr los. Mittlerweile ist ihre Kunst mehr als ein Geheimtipp, mit ihren farben- und lebensfrohen Werken begeistert Sonni Hönscheid immer mehr Kunstliebhaber.

Trotz mehrerer Weltmeistertitel sei sie nicht auf Pokale fixiert. „Ich brauche kreative Pausen – zum Malen und um wieder richtig Lust auf die Welle zu bekommen.“

Vor allem auf „positive Energie“ können sich die Besucher ihrer neuen Ausstellung freuen, die bis zum 6. Oktober zu sehen sein wird. Für sie selbst ist Sylt ein Kraftort. „Ich spüre hier immer eine besondere Energie, die mich stark beeinflusst.“ Und das bei jedem Wetter, in jeder Jahreszeit.

Mit dem Malen beginnt Sonni Hönscheid immer, „wenn mir danach ist, dann aber intensiv, oft Tag und Nacht“, sagt die Künstlerin. So steht jedes Bild für einen besonderen Augenblick, für erlebte Emotionen. Dennoch kann Sonni Hönscheid jedes ihrer Werke verkaufen. „Ich kann alles Gegenständliche gut loslassen, denn nur so kannst du ein leichtes Leben führen.“

Am liebsten malt sie Frauen mit geschwungenen Körpern, üppigen, mit Fantasie-Mustern bestückten Haaren. „Klar, durchtrainierte Männer sind auch attraktiv, doch ich finde die Schönheit der Frauen einfach natürlicher, runder, in ihren Körpern steckt ein größerer Flow.“ Das gilt auch für die Bodys der drei Hönscheid-Mädchen. Auch Sonni ist perfekt und zugleich weiblich trainiert, ganz ohne Mucki-Bude. „Ich bin nicht so der Kraftsportler, ich laufe lieber oder fahre Rad, um fit fürs Surfen zu sein.“

Was macht die Faszination, auf dem Meer zu sein, aus? „Das Wasser verbindet uns doch alle, egal wo wir auf der Welt sind“, lautet die schon fast philosophische Antwort. Und beim Malen? Daran fasziniert mich das Gefühl und der Wunsch, etwas ausdrücken zu wollen. Und wenn das Bild fertig ist, zeigt es genau das, was ich in diesem Moment gefühlt habe.“ Die Liebe zur Familie ist für alle Hönscheids noch intensiver als die zu Sylt. „Zeit mit meinen Eltern, Geschwistern und sehr guten Freunden zu verbringen ist das, was heute für mich wirklich wichtig ist“, betont Sonni Hönscheid. Könnte sie sich nach dem Ende ihrer Sport-Karriere denn vorstellen, wieder ganz auf Sylt zu leben? Die Antwort lässt Spielraum für Interpretationen: „Mal sehen, wo das Leben mich hin führt.“

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Ausstellungsinfos: www.kampen.de


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