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Das Schicksal von Tekin Bicer bleibt ungeklärt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seine Spur verlor sich im Kieler Stadtteil Gaarden. Seit dem 30. April 2010 ist Tekin Bicer (Foto), damals 47 Jahre alt und Vater zweier Kinder, verschwunden. Ermittler sind sich sicher, dass er tot ist. Hoffnung, den Fall jemals klären zu können, gibt es kaum noch. Seit gestern sind die Mordermittlungen gegen fünf ehemalige Kieler „Hells Angels“ eingestellt.

So bleibt die bittere Frage, ob die Ermittler der Soko Rocker auf einen Geschichtenerzähler hereingefallen sind?

Ausgelöst hatte die große Rocker-Razzia Aussteiger Steffen R. (43). Er war Präsident der „Legion 81“, eines Unterstützerclubs der Kieler „Hells Angels“, zuständig für die Drecksarbeit im Milieu. Selbst angeklagt für zwölf Straftaten, darunter Menschenhandel, Zuhälterei, räuberische Erpressung, Nötigung und Körperverletzung, packte er aus. Was Steffen R. erzählte, elektrisierte die Ermittler: Auf einer Rocker-Weihnachtsfeier 2010 sei ihm erzählt worden, wie Tekin Bicer, der angeblich die Geschäfte der Kieler Rocker gestört habe, ermordet worden sei. Vier der „Hells Angels“ sollen sich Bicer in Gaarden gegriffen und in eine Kfz-Werkstatt in einem ehemaligen Transformatorenhaus gebracht haben. Mit der Verlängerung eines Radkreuzes sei er gefoltert, danach erschossen worden.

Die Ermittler wussten zu dieser Zeit bereits von der bewegten Vergangenheit ihres Zeugen. In seiner Heimat Sachsen-Anhalt hatte Steffen R. als V-Mann des Verfassungsschutzes unter dem Decknamen „Herzbube“ Informationen aus der rechten Szene zusammengetragen, während er gleichzeitig ein Bordell-Imperium schuf, teilweise mit minderjährigen Prostituierten. Die Behörden beendeten die Zusammenarbeit, gaben 2003 eine Warnung an alle Landeskriminalämter heraus.

„Für Zeugen gibt es keine Warnhinweise“, betonte ein Ermittler der Soko Rocker. „Sie müssen gehört, ihre Aussagen geprüft werden.“ Am Ende trafen etliche der Aussagen des Aussteigers zu. So kannte er die Lager von Waffen und Munition, brachte eine Rückerpressung von Schmerzensgeld ans Licht und die mutmaßliche Vergewaltigung einer Prostituierten durch einen Kieler „Hells Angel“. Steffen R. kam ins Zeugenschutzprogramm – obwohl der wichtigste Punkt, der vermutete Mord an Tekin Bicer, ungeklärt blieb. „Die Ermittlungsergebnisse sind für die Aufnahme in das Zeugenschutzprogramm nicht maßgeblich“, sagt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts. „Entscheidend ist, dass durch eine Aussage die glaubhafte Aussicht besteht, eine schwere Straftat aufzuklären, die ohne den Zeugen nicht aufklärbar ist.“ Zudem gilt Steffen R. als gefährdete Person.

Ihren Schlag gegen die Rocker werten die Männer der Soko Rocker heute trotz allem als Erfolg, weil sie tiefe Einblicke in die Strukturen der Organisierten Kriminalität bekommen haben. Chefermittler Mathias Engelmann: „Darüber hinaus treten die ,Hells Angels‘ öffentlich kaum noch auf, Gewalttätigkeiten hat es nicht mehr gegeben. Es ist ruhig um die Rocker in Schleswig-Holstein geworden.“

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erstellt am 16.Mai.2014 | 13:01 Uhr

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