„Das Projekt ist unglaublich wichtig“

Juniorchef Lennart Jensen steht mit den Mitarbeiterinnen Göhce Bozhort (links) und Nadine Trögler vor dem Edeka-Markt im Marienhof, der mittelfristig einem Neubau weichen soll.
Juniorchef Lennart Jensen steht mit den Mitarbeiterinnen Göhce Bozhort (links) und Nadine Trögler vor dem Edeka-Markt im Marienhof, der mittelfristig einem Neubau weichen soll.

Juniorchef Lennart Jensen erläutert die Umbaupläne für den Nahversorgungskomplex Marienhof und alternative Ideen für die Bauzeit

shz.de von
24. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Kunden und Mitarbeiter sind nach dem Bericht über die Planungen für eine Revitalisierung des Standorts am Morgen auf mich zugestürmt“, erinnert sich Lennart Jensen, Juniorchef des Edeka-Markts im Marienhof. Im Planungsausschuss hatte die Saller Group eine Planung für die Neugestaltung des Marienhofs vorgelegt (unsere Zeitung berichtete). „Ich kann unsere Kunden und den Wedeler Norden beruhigen. Wir werden die Nahversorgung auch weiterhin sicherstellen“, sagt Jensen. „Ich kann mir das als Kaufmann gar nicht erlauben, einfach nichts zu machen.“

Gemäß dem vorgelegten Konzept für den Marienhof soll Edeka mit Verkaufs- und Nebenflächen in dem neuen Gebäude auf 2600 Quadratmeter kommen. Für Aldi sind 1730 Quadratmeter veranschlagt. Weitere 750 Quadratmeter Ladenfläche sind für einen Drogeriemarkt vorgesehen. Um Platz für die Expansion zu bekommen, sollen die derzeit ebenerdigen Parkplätze auf das Dach des Komplexes verlagert werden. Mindestens 180 Fahrzeuge sollen auf dem eingeschossigen Baukörper Platz finden.

„Aufgrund des Wohnungsbaus wird es auch für den Einzelhandel immer schwerer, entsprechende Flächen zu finden. Wir wollen uns modernisieren und gut aufstellen. Wenn das auf einer Bestandsfläche geht, ist das ein guter Schritt“, erläutert Jensen. Mit einem einfachen Anbau sei es aber nicht getan. „Es kommt immer häufiger vor, dass Standorte revitalisiert werden. Wir tauschen uns eng mit der Edeka-Zentrale aus“, sagt der Kaufmann. Die reine Verkaufsfläche soll von derzeit etwa 1000 Quadratmetern auf 1800 bis 2000 Quadratmeter anwachsen.

„Das Projekt ist unglaublich wichtig für uns. Wir wollen am bestehenden Standort dem Bevölkerungswachstum gerecht werden“, sagt Jensen mit Blick auf die Planungen für Wedel Nord. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und sind dem Standort verbunden.“ Der Juniorchef macht aber auch klar: „Wir platzen schon heute aus allen Ecken und Kanten.“

Der neu gewonnene Platz soll für den Ausbau der Frischetheken für Wurst, Fleisch, Käse und Gemüse genutzt werden. Zudem sollen Gänge breiter und das Sortiment von derzeit etwa 15 000 Artikeln auf etwa 25 000 Produkte aufgestockt werden. „Es geht um die grundsätzliche Attraktivität und die Verbesserung des Einkaufserlebnisses“, sagt Jensen. Auch die Erweiterung des Backshops um ein Café kann sich der Geschäftsführer vorstellen. „Nach dem Einkauf gemütlich eine Tasse Kaffee trinken, sorgt für ein noch entspannteres Einkaufserlebnis. Aber derzeit haben wir dafür gar keinen Platz.“, Jensen stellt aber auch klar: „Wir wollen uns auf unsere Kernsegmente konzentrieren. Der Edeka-Slogan lautet ,Wir lieben Lebensmittel’. Wir wollen nicht plötzlich Kleidung oder Großbildfernseher ins Sortiment aufnehmen.“

Obwohl der Nahversorgungskomplex erst 16 Jahre alt sei, entspreche er nicht mehr modernen Anforderungen. „Ich sage immer ,Handel ist Wandel’. Derzeit gibt es entsprechende Entwicklungen, denen wir uns anpassen müssen.“ Durch die Ansiedlung einer Drogerie werde die Attraktivität des Standorts verbessert. „Es wird keine Verlagerung geben, sondern eine Neuansiedlung. Den Namen kann ich nicht nennen, aber es wird einer der drei großen Drogeristen im Norden sein. Soviel kann ich verraten“, sagt Jensen.

Vor 2020 sieht er die Umsetzung des Projekts allerdings nicht als realistisch an. „Es gab mal eine sportliche Planung für 2019, aber das wäre mehr als sportlich.“ Auch die einjährige Bauzeit hält Jensen für zu lang. „Wir planen mit einem halben Jahr. Wenn es losgeht, geht es schnell“, sagt er. Wie will er die Zeit überbrücken? „An anderen Standorten gab es Zeltlösungen. Wir prüfen derzeit auch, ob es leerstehende Hallen gibt, die wir anmieten können.“ Eine finale Entscheidung sei nicht gefallen. „Wir lassen unsere Kunden und auch unsere Mitarbeiter nicht im Stich“, verspricht Jensen.

Aktuell sind 42 Personen im Unternehmen tätig – Voll- und Teilzeitkräfte. „Der Ausbau schafft natürlich auch zahlreiche neue Arbeitsplätze“, sagt Jensen. Er gehe davon aus, dass bei der Verdoppelung der Verkaufsfläche, 70 bis 80 Angestellte notwendig seien.

Warum wurde der Markt denn im vergangenem Jahr renoviert? Jensen lacht laut auf: „Da kam der emotionale Kaufmann durch.“ Schon bei der Übernahme des Markts im Jahr 2013 habe es die Umbaupläne gegeben. „Wir haben das immer von Jahr zu Jahr geschoben“, erläutert der Juniorchef. Als sich im August des Vorjahres erste Planungen für einen Neubau zerschlugen, fiel die Entscheidung für den Umbau. „Wir hätten auch noch zwei Jahre auf die Zähne beißen können, aber das war der richtige Schritt.“ Unter anderem wurde die Regalhöhe von 1,6 auf 1,8 Meter angepasst. „Dadurch konnten wir dem Waren- und Kundendruck standhalten“, sagt Jensen.

Von der Idee von Grünen, SPD und Linken, Wohnraum auf dem Neubau zu schaffen, hält er wenig. „Wir sitzen hier schon in einem Gewerbegebiet und mit dem Lieferverkehr und den Geräuschen durch die Belüftung für unser Kühlhaus dürfte die Wohnqualität weiter sinken“, so der kaufmann. Sollte es aber eine Auflage der Politik sein, sieht er es trotzdem gelassen: „Wenn wir Wohnungen bauen müssen, dann ist es so. Letztendlich sind es dann potenzielle Kunden.“

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