Totale Mondfinsternis 2018 : Das passiert bei der längsten totalen Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts

103 Minuten schattet die Erde den Mond am 27. Juli ab. Fragen und Antworten im Überblick.

shz.de von
22. Juli 2018, 18:13 Uhr

Was genau passiert bei der längsten totalen Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts?

Am 27. Juli 2018 erwartet uns die mit 103 Minuten längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Dabei schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Mond und schattet diesen ab. Der Erdschatten sorgt dann nach und nach mit der Verdunkelung des Mondes für eine totale Mondfinsternis. Das ist der Zeitplan:

  • Um 20:24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) tritt der Mond laut US-Raumfahrtbehörde NASA in den Kernschatten der Erde ein.
  • Die totale Finsternis beginnt um 21:30 Uhr, wenn er komplett in den Kernschatten der Erde eingetreten ist.
  • Sie endet nach 103 Minuten wieder um 23:13 Uhr, wenn der Erdtrabant den Kernschatten wieder nach und nach verlässt.
  • Dieser Vorgang wird den Astronomen der Nasa zufolge um 0:19 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit abgeschlossen sein.
Die Bildkombo zeigt von links oben nach rechts unten die verschiedenen Phasen der totalen Mondfinsternis.
dpa

Die Bildkombo zeigt von links oben nach rechts unten die verschiedenen Phasen der totalen Mondfinsternis.

 

Was wir von dem ganzen Spektakel letztendlich zu sehen bekommen, hängt natürlich auch vom Wetter ab. Möglichst wolkenfrei sollte der Himmel schon sein.

Fest steht aber schon jetzt: Wer diese Mondfinsternis verpasst, hat in diesem Jahrhundert keine Chance mehr, eine derart lange totale Mondfinsternis zu beobachten. Wer allerdings bis zum 9. Juni 2123 warten kann, wird mit einer noch etwas längeren Finsternis belohnt.

Warum ist der Mond mal weiß, mal rot und mal blau?

Wenn der Mond hoch oben am Sternenhimmel steht, sieht er normalerweise weiß aus. Weiß erscheint der Mond immer dann, wenn er direkt von der Sonne angestrahlt wird und alle Spektralfarben, aus denen das Sonnenlicht zusammengesetzt ist, reflektiert.

Bei einer Mondfinsternis kann der Erdtrabant aber auch orange leuchten oder sogar rot. Diese Farben entstehen, wenn sich die Erde zum Teil oder auch ganz in den direkten Strahlengang zwischen Sonne und Mond schiebt. Das Sonnenlicht, das jetzt noch an der Erde vorbei auf den Mond fällt, muss zuvor die Erdatmosphäre zumindest zum Teil durchdringen – je nachdem, wie weit fortgeschritten die Finsternis ist. Je länger der Weg dieses Sonnenlichts durch die Erdatmosphäre aber ist, desto mehr werden dessen kurzwelligen blaue, violette und grüne Anteile an kleinsten Partikeln beziehungsweise Molekülen, die sich in der Atmosphäre befinden, gestreut und somit aus dem vormals weißen Licht praktisch herausgefiltert.

„Das Licht, das nahe dem Erdschatten auf den Mond fällt, hat den längsten Weg hinter sich“, weiß der Weihenstephaner Meteorologe Hans Häckel. „Auf diesem langen Weg sind alle Farben außer dem besonders langwelligen Dunkelrot verloren gegangen.“ Mit anderen Worten: Dort, wo das Sonnenlicht nur die oberen, dünneren Atmosphärenschichten kurz durchquert, bleibt mehr kürzerwelliges Gelb und Orange übrig, das den Mond entsprechend beleuchten kann.

Unter ganz besonderen Umständen kann der Erdtrabant sogar blau erscheinen, nach Vulkanausbrüchen etwa oder auch nach Waldbränden. „1883 brach der indonesische Vulkan Krakatau aus und schleuderte so viel Staub in die Luft, dass der Mond auf der ganzen Welt blau aussah und die Sonne grün“, erläutert George F. Spagna, Physiker am Randolph-Macon-College in Ashland, Virginia.

So entsteht eine Mondfinsternis.
dpa

So entsteht eine Mondfinsternis.

 

Scheint der Mond auch tagsüber?

Nachts hebt sich der Mond optisch natürlich besonders gut vom dunklen Nachthimmel ab. Er ist aber auch tagsüber vielfach zu sehen, wenn auch das Tageslicht seine Helligkeit meist überstrahlt. Besonders prägnant steht zwar ein möglichst voller Mond am sonnenlichtdurchfluteten Tageshimmel, aber auch ab- und zunehmender Mond lassen sich ausmachen.

Wer ohnehin gerade den Himmel erkundet, der kann ja mal versuchen, einige Sterne zu finden, denn auch die lassen sich tagsüber erkennen, auch wenn diese auf Grund ihrer Größe bezieungsweise großen Entfernung zur Erde natürlich besonders stark vom Sonnenlicht überstrahlt werden und somit schlecht zu sehen sind. Am besten erkennt man den Mond und die Sterne noch morgens und abends in der Dämmerung, einen möglichst wolkenlosen Himmel natürlich vorausgesetzt.

Warum funkelt der Mond nicht wie die Sterne am Himmel?

„Die Sterne funkeln, weil ihr Licht die Atmosphäre der Erde durchdringen muss, die mehrere Kilometer dick ist“, erläutert John Graham, emeritierter Astronom des Carnegie Institute of Washington. „Diese Atmosphäre ist voller Luftströmungen und Turbulenzen, die wie kleine Linsen und Prismen wirken, die das Licht der Sterne mehrere Male pro Sekunde ein bisschen hin- und herschieben.“ Mit anderen Worten: Da viele Sterne so winzig klein am Himmel stehen, erscheint uns dies wie ein Funkeln oder auch Blinken. Der Mond ist von der Erde aus betrachtet aber viel zu groß, als dass sich dieser minimale Versatz optisch bemerkbar machen würde, die Abweichungen gleichen sich hier also aus. Aus diesem Grund funkelt der Mond nicht so schön wie die Sterne es tun.

Woher kommen die Ringe rund um den Mond herum?

„Mondhof“ nennt sich der farbige Kranz aus Lichtringen, der manchmal um den Mond herum zu sehen ist. Er entsteht durch die Feuchtigkeit in der Atmosphäre, unter anderem durch die Wassertröpfchen oder auch die Eiskristalle in den Wolken. Der innerste dieser Lichtringe (Aureole) ist in der Regel bläulich bis weißlich und wird von einem gelblichen umschlossen, den dann wiederum ein rötlicher umrandet. Diese Abfolge kann sich mehrfach wiederholen. „Die Kränze entstehen durch die Beugung des Lichts an den Wassertropfen beziehungsweise Eiskristallen in den Wolken“, erläutert Hans Häckel. „Durch die Umlenkung der Lichtstrahlen kommt es zu Überlagerungen, Interferenzen, die ihrerseits farbige Ringe hervorbringen.“
 

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