Das Moor wird seinem feuchten Ruf gerecht

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Der hohe Wasserstand beflügelt den natürlichen Prozess mit der Ausbreitung des Moores / Die Passage gestaltet sich im Winter etwas herausfordernd

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20. Mai 2018, 17:28 Uhr

Wer sich in den Wintermonaten auf ins Söllstedter Moor macht, ist gut beraten, sich mit Gummistiefeln zu bewaffnen. Insbesondere bei der Passage des Laufstegs aus Holz zum Vogelturm der Stiftung „Fugle-værnsfonden“. Er steht oft unter Wasser, bei frostigen Temperaturen bildet sich rasch eine Eisschicht.

Nach einem Pflege-Eingriff im Wert von 15 Millionen Kronen präsentiert sich das Naturgebiet seit 2016 weit offener und feuchter. Und zeitweise auch etwas nasser als ursprünglich angestrebt, wie der kommunale Umweltmitarbeiter und der für die durchgeführte Renaturierung zuständige Projektleiter Ole Ottosen gesteht. „Ich denke mir, einigen Leuten ist der Besuch im Winter wegen der vielen Nässe zu unsicher“, so Ottosen. Im Sommer deuteten die Autos auf dem Parkplatz an der A 11 auf viele Besucher hin. In den Herbst- und Wintermonaten sei dies nicht der Fall gewesen. Eine Absperrung sei aber nicht aktuell gewesen. „Wir halten es nicht für gefährlich“, so Ottosen.

Die Instandhaltung der Wanderwege läuft in Regie der Vogelschutz-Stiftung, die dort 103 der insgesamt 255 Hektar besitzt. „Das Wasser steht vielleicht 20 Zentimeter höher als angestrebt. Wir werden das regulieren, indem wir die Aufstemmung ändern und die Überläufe breiter gestalten. Aufgrund des Wetters sind diese Regulierungen jedoch nicht möglich gewesen, da unter dem Wasserspiegel etwas abgesägt werden muss“, so Ottosen. „Im Gegenzug bekommt der hohe Wasserstand jedoch den Torfmoosen im Moor gut, da viele der Bäume, die nicht gefällt wurden, nun wegen der vielen Nässe absterben. Damit kann sich das Moor ausbreiten. Angestrebt wird deshalb, dass der Wanderweg an einigen Strecken, wo er überflutet ist, angehoben wird.“

Während der Renaturierungsarbeiten wurden auf einer Fläche von 50 Hektar Bäume und Gebüsch abgeholzt. „Auf weiteren 50 Hektar wird es mit dem natürlichen Prozess etwas länger dauern. Das sei aber auch eine Kostenfrage. Diese Bäume müssen erst ertrinken und dann eingehen“, so Ottosen. Dieser Prozess sei durch den nassen Sommer und den regenreichen Herbst beschleunigt worden. „Es geht in die richtige Richtung. In einem Moor darf es am liebsten nicht zu viel hohe Vegetation geben. Die Bäume, die voller Leben sind, tragen zu einer hohen Verdunstung bei. Dies wiederum trägt zur unerwünschten Senkung des Wasserstands bei, und dann können die verschiedenen Schichten im Moor nicht gut wachsen.“ Besonders zäh sind die Weiden, die sich nicht so leicht kleinkriegen lassen. An einigen Stellen sei man gezwungen, sie wieder zurückzuschneiden. Dies sei wichtig, um auch im Sommer einen hohen Wasserstand zu gewährleisten.

Mit Blick auf das gefiederte Leben im Moor weist Ottosen auf die vielen Kraniche hin. „Es ist immer ein Erlebnis diesen großen Vogel zu sehen und zu erleben, der größer als der Storch ist. Er ist zwar scheu, ist aber zu hören, wenn man sich auf den Wanderweg begibt.“ Fugleværnsfonden rückt von den Ziegen ab, denen es trockener besser gefällt. Die Stiftung setzt verstärkt auf Rinder, die die Sprösslinge von Weiden und Birken abknabbern sollen. Nach einigen Jahren sollte das Moor dann in einer solchen Verfassung sein, dass es ohne tierische Hilfe als Hochmoor gedeiht.

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