Das Millionen-Projekt

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Warum die Peter-Lunding-Schule in Hasloh seit Beginn der Sanierungsarbeiten vor drei Jahren immer teurer wurde.

shz.de von
17. April 2019, 16:00 Uhr

Hasloh | Morgens um 8 Uhr herrscht in der Peter-Lunding-Schule in Hasloh reges Treiben. Knapp 150  Mädchen und Jungen laufen durch die Gänge in ihre Klassenräume. Um 8.10 Uhr startet ihr Unterricht. Seit 2017 ist die Peter-Lunding-Schule eine Offene Ganztagsschule. Die Kinder verteilen sich aktuell auf sieben Klassen. Noch haben die Schüler das Gebäude jedoch nicht für sich alleine. Ein Baugerüst an der Fassade verrät, dass aktuell Bauarbeiten durchgeführt werden.

Der zweite Bauabschnitt ist voll im Gange. „Der Trockenbau ist etwa zu 50 Prozent fertig. Bodenbelag, Malerarbeiten und Endinstallation stehen noch an“, sagte Helge Maurer, Fachbereichsleiter Liegenschaften im Quickborner Rathaus. Die Verwaltung rechnet mit einer Fertigstellung in der 21. Kalenderwoche, Ende Mai. Nahtlos sollen Anfang Juni die Arbeiten für den dritten Abschnitt starten.

Den Grundstein für die Sanierungsmaßnahmen der Grundschule legten die Hasloher Politiker im Jahr 2014. Außer der dringend notwendigen Sanierung des historischen Giebels musste die Schule für die Zukunft fit gemacht werden. Eine Offene Ganztagsbetreuung sollte das Angebot ergänzen. Seit knapp zwei Jahren kann die Peter-Lunding-Schule das nun anbieten. Doch die Sanierungsarbeiten dauern an, und die Kosten steigen.

Die Sanierung der Grundschule kam erstmals 2013 in den politischen Gremien auf. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen wurden auf 2,7  Millionen Euro geschätzt. Dann die Hiobsbotschaft: In einer Machbarkeitsstudie bezifferten Architekten und Ingenieure die Kosten für den Umbau und die Erweiterung der Grundschule sowie die Sanierung der Sporthalle auf knapp 4 Millionen Euro.

Mit den anfangs geplanten Gesamtkosten in Höhe von knapp 4,2 Millionen Euro kommt die Gemeinde schon lange nicht mehr aus. Bereits in den vergangenen Monaten zeichnete sich ab, dass das Projekt weitaus teurer wird als gedacht. Der aktuelle Stand der Kosten liegt bei 4,94 Millionen. Darin eingeschlossen ist ein Puffer von fünf Prozent, entspricht etwa 247 000 Euro. „Bei Sanierungsmaßnahmen gibt es immer außerplanmäßige Ausgaben. Und so weit über der geplanten Summe sind wir nicht“, sagte Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) optimistisch. Er gehe weiterhin davon aus, dass die allseits bekannte 5-Millionen-Euro-Grenze nicht geknackt wird. Diese beschäftigt seit vielen Monaten die Hasloher Politiker. Anfänglich hieß es, dass der Landeszuschuss in Höhe von 17,4 Prozent des Gesamtvolumens, etwa 750 000 Euro, verloren ginge, sollte die Grenze gerissen werden. Doch vor einigen Wochen gab Brummund Entwarnung: Der Zuschuss sei auch weiterhin gesichert. In einem Schreiben des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) heißt es, dass bei Beibehaltung des Ursprungsantrags das Ministerium umgehend darüber informiert werden müsse, wenn die 5-Millionen-Euro-Grenze überschritten werde. „In diesem Fall tritt kein Förderausschluss ein, und die Gesamtzuwendung wird nicht zurückgezogen“, zitierte Brummund aus dem Schreiben.

Doch die Kosten sollen dennoch nicht ausgereizt werden. Um das angestrebte Ziel auch erreichen zu können, haben die Politiker der Gemeinde während der Sitzung des Bau- und Wegeausschusses Sparmaßnahmen beschlossen. Insgesamt ging es um 70 000  Euro. „Da waren jedoch einige Sachen dabei, die wir nicht streichen können und bei denen es nicht wirtschaftlich gewesen wäre, sie zeitlich nach hinten zu verlegen“, erläuterter Brummund. 40 000 Euro wurden demnach wieder freigegeben. 30 000  Euro spart Hasloh ein. Dazu zählt unter anderem eine zweite Rampe auf der Nordseite der Schule. Kosten: 17 300 Euro. „Da wir auf der gegenüberliegenden Seite bereits eine Rampe haben, sehen wir das nicht als notwendig an“, so der Bürgermeister.

Mit der Entscheidung für die Sanierung war ein möglicher Neubau vom Tisch. Dieser war von einer Arbeitsgruppe in den Fokus gerückt worden. Die Bilsbek-Schule in Kummerfeld diente dem Arbeitskreis dabei als Vorbild. Der damals geplante Neubau wäre mit 3,6 Millionen Euro günstiger als die Sanierung gewesen. Die Planung sah für die Grundschule eine Vergrößerung von knapp 50 Prozent, also rund 2000 Quadratmeter, vor. Das alte Gebäude sollte nach der Idee  jedoch keinesfalls abgerissen werden. Der West-Flügel war für den Robinson-Kindergarten gedacht. Der Umbau hätte laut Schätzungen etwa 200 000 Euro gekostet. Auch das Dörphus, der Treffpunkt der Gemeinde, hätte laut dem Konzept verlegt werden können. Dafür war der Ost-Flügel der Schule eingeplant worden. 100 000 Euro hätte die Gemeinde für die Herrichtung in die Hand nehmen müssen. Auch an Einzelwohnungen und Unterbringungen für Asylsuchende wurde gedacht. Laut der Planungsgruppe wäre die Gemeinde auf der sichereren Seite gewesen und hätte die Kostenexplosion verhindern können.

Was am Ende unterm Strich steht, wird man vermutlich erst nach Fertigstellung des dritten und damit letzten Bauabschnitts für das Projekt sehen. Ursprünglich war mit einer Fertigstellung des Abschnitts im Herbst 2019 gerechnet worden. Nun soll es ab Baustart mindestens noch ein Jahr dauern.

Für die Schüler gibt es mit der Sanierung der Grundschule ein dickes Plus: Im ersten Bauabschnitt wurde das Gebäude zwischen Turnhalle und Schule aufgestockt. Die technischen Anlagen im Außenbereich wie Entwässerungskanäle, Regen- und Schmutzwasserleitungen wurden erneuert. Auch eine Kernsanierung und das Abtragen des Dachs waren Bestandteil der Arbeiten, damit der Zwischentrakt erhöht werden konnte. Im Zuge der Sanierungsarbeiten werden außerdem die einzelnen Klassenräume der Grundschule auf Vordermann gebracht. Sie werden an die aktuellen Anforderungen der OGTS angepasst und erhalten einen frischen Anstrich. Eine neue Mensa ist ebenfalls geplant. Während des dritten Bauabschnitts wird die Mensa übergangsweise im ehemaligen Bank-Gebäude eingerichtet. Außerdem wird in der Planung auch der Aspekt der Barrierefreiheit berücksichtigt. Ein Fahrstuhl soll im Mitteltrakt installiert werden, auch ein behindertengerechtes WC ist Bestandteil der Planungen. 

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