Chormusik der Jahrhunderte

Morgen gibt der Chor ein Konzert zum 175-jährigen Bestehen / Immer im Repertoire: das Schleswig-Holstein-Lied

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22. Juni 2018, 11:11 Uhr

Sie gilt als ältester Verein Gettorfs und ist einer der ältesten Chöre Schleswig-Holsteins: die Gettorfer Liedertafel. Wer nun bei dem Begriff „Liedertafel“ die von alten Fotos bekannte Ansammlung älterer, meist ernst dreinblickender Herren mit gezwirbelten Schnauzbärten vor Augen hat, der irrt. Die Gettorfer Liedertafel ist ein moderner Chor, dessen breites Repertoire von Klassik und Gospel über Musical, Jazz und Folk bis hin zu Rock und Pop nahezu alle musikalischen Stilrichtungen umfasst.

Anfänglich allerdings war die im Sommer 1843 gegründete Liedertafel tatsächlich ein reiner Männergesangsverein mit 22 Mitgliedern. „Erst 1959 durften Frauen Mitglied werden“, so Andreas Kuptz, erster Vorsitzender der Liedertafel. Der damalige Chorleiter wollte es so, folglich wurde abgestimmt und die Satzung dementsprechend geändert. Einer der Höhepunkte in der 175-jährigen Geschichte des Vereins liegt in der Anfangszeit: 1844 trat die Liedertafel bei einem Sängerfest in Schleswig auf, bei dem auch das Schleswig-Holstein-Lied erstmals vorgestellt wurde. Bei seiner Rückkehr zog der Chor dieses Lied singend in Gettorf ein. Auch als in den 1960er Jahren der Chor mangels Mitgliedern den aktiven Singbetrieb vorübergehend einstellte, wurde bei der Wiederaufnahme des musikalischen Betriebs im Jahr 1984 als erstes Stück das Schleswig-Holstein-Lied gesungen.

Seit Anfang des Jahres proben die rund 50 Mitglieder der Liedertafel in der Mühle Rosa für das am Sonntag stattfindende Jubiläumskonzert unter Leitung von Theaterkapellmeister Imre Sallay, der seit Januar dieses Jahres neuer Chorleiter in Gettorf ist und der, neben der Liedertafel, noch sechs weitere Chöre leitet. „Der Chor ist gut geschult, ich bringe nun noch meine professionelle Erfahrung als Kapellmeister an verschiedenen Musiktheatern ein“, so Imre Sallay. Das Jubiläumskonzert wird eine bunte Reise durch die Musikgeschichte, „durch die Chormusik der Jahrhunderte“, wie Sallay sagte. Da Imre Sallay die Renaissancemusik am Herzen liegt, beginnt die Reise – nach Grußworten von Bürgermeister Hans-Ulrich Frank und Bernd Küpperbusch, Präsident des Sängerbundes Schleswig-Holstein – mit dem Stück „Wir lieben sehr im Herzen, drei schöne Dinge fein“ von Daniel Friderici (1584-1638) und führt über vergnügliche klassische Werke von Mozart und Brahms sowie Traditionelles, Gospel, Musicalmelodien bis hin zu Stücken von Eric Clapton und Michael Jackson. Andreas Kuptz betonte, dass auch ein ganz neues Stück erstmals zu hören sein wird: ein Gedicht des Gettorfers Peter Wolke, das ein Freund von ihm vertont hat – eine Weltpremiere sozusagen. „Und“, so Kuptz weiter, „auch ein Stück zum Mitsingen wird im Programm auftauchen“. Als erstes Stück des Konzerts, also noch bevor die Reise in der Renaissance beginnt, ertönt aber auch am Sonntag fast traditionell das Schleswig-Holstein-Lied. Begleitet werden Chor und Solisten von Imre Sallay am Klavier. Man darf auf das Konzert, das mit unterschiedlichen Genres die Bandbreite des Chors aufzeigen wird, gespannt sein.

Jubiläumskonzert zum 175-jährigen Bestehen der Gettorfer Liedertafel am Sonntag, 24. Juni, 18 Uhr, in der Gettorfer Konzertkirche St. Jürgen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Infos im Internet unter www.liedertafel.rocks.

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